Waldspaziergänge 28.10.2011, 10:56 Uhr

So vertraut wie das Kinderzimmer

Judith Hofstetter ist Herrin über 1800 Hektar Wald. Als Försterin ist die 26-Jährige in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und leitet dessen Nachbarrevier.


        Der Burgstall ist einer der schönsten Plätze im Revier von Judith Hof-stetter. Immer, wenn sie in der Nähe ist, macht sie einen Abstecher dorthin, erzählt die Försterin.

Der Burgstall ist einer der schönsten Plätze im Revier von Judith Hof-stetter. Immer, wenn sie in der Nähe ist, macht sie einen Abstecher dorthin, erzählt die Försterin.

Von Evi Paleczek

Furth im Wald. „Das ist schon mein Wald!“ Stolz klingt in der Stimme der jungen Frau und vor allem Begeisterung. Wir fahren im Dienstwagen von Judith Hofstetter von Althütte in Richtung Burgstall. Die schmalen Wege führen in vielen Kurven mitten durch den Wald, doch die 26-jährige Försterin kennt sich hier aus. Schließlich ist es ihr Revier, 1800 Hektar groß und Eigentum der Bayerischen Staatsforsten.

Bei einem Hinweisschild Richtung Aussichtspunkt Burgstall bleiben wir stehen und gehen zu Fuß weiter. Schon nach wenigen Schritten klingelt das Diensthandy. Für Kollegen, die Waldarbeiter oder auch, wenn Wildunfälle passieren, will sie immer erreichbar sein, erklärt Hofstetter.

Im Forsthaus aufgewachsen

Seit März diesen Jahres ist die junge Frau für das Further Revier als Försterin zuständig. Ihre Heimat ist die Gegend schon viel länger. Als sie zehn Jahre alt war, hat es ihre Familie aus Schwaben nach Furth im Wald verschlagen. Vater Josef Hofstetter nahm eine Stelle als Förster für den Privatwald der Voith von Voithenberg’schen Gutsverwaltung an und zog mit seiner Frau und den drei Kindern ins Forsthaus. Dort hat sie mitbekommen, wie der Beruf eines Försters aussieht, erzählt Hofstetter. Und, dass ihrem Vater seine Arbeit großen Spaß macht.

Von klein auf vorbestimmt war der Weg der 26-Jährigen trotzdem nicht. Nach der Realschule machte sie an der Fachoberschule Cham im sozialen Zweig Abitur und wusste zunächst nur: auf keinen Fall Sozialpädagogik. Die meisten ihrer Klassenkameradinnen hatten sich für diesen Bereich entschieden.

Schon deshalb habe sie etwas anderes machen wollen, erinnert sich Hofstetter. „Eigentlich wäre ich gern zur Polizei gegangen“, erzählt sie. Erst, als das nicht geklappt hat, ist ihr die Forstwirtschaft in den Sinn gekommen.

Mit dem Jagerhut auf dem Kopf

Im Wald hat sich die junge Frau immer wohl gefühlt. Schon mit sechs Jahren ist sie, den Jagerhut auf dem Kopf, abends mit dem Vater auf den Hochsitz geklettert. Wenn sie ein Tier sah, hat sie ihn aufgeweckt. „Das war immer ein Highlight und ging nur in den Ferien, weil ich da länger aufbleiben durfte“, erzählt Hofstetter.


 

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