Der Burgstall ist einer der schönsten Plätze im Revier von Judith Hof-stetter. Immer, wenn sie in der Nähe ist, macht sie einen Abstecher dorthin, erzählt die Försterin.
Von Evi Paleczek
Furth im Wald. „Das ist schon mein Wald!“ Stolz klingt in der Stimme der jungen Frau und vor allem Begeisterung. Wir fahren im Dienstwagen von Judith Hofstetter von Althütte in Richtung Burgstall. Die schmalen Wege führen in vielen Kurven mitten durch den Wald, doch die 26-jährige Försterin kennt sich hier aus. Schließlich ist es ihr Revier, 1800 Hektar groß und Eigentum der Bayerischen Staatsforsten.
Bei einem Hinweisschild Richtung Aussichtspunkt Burgstall bleiben wir stehen und gehen zu Fuß weiter. Schon nach wenigen Schritten klingelt das Diensthandy. Für Kollegen, die Waldarbeiter oder auch, wenn Wildunfälle passieren, will sie immer erreichbar sein, erklärt Hofstetter.
Im Forsthaus aufgewachsen
Seit März diesen Jahres ist die junge Frau für das Further Revier als Försterin zuständig. Ihre Heimat ist die Gegend schon viel länger. Als sie zehn Jahre alt war, hat es ihre Familie aus Schwaben nach Furth im Wald verschlagen. Vater Josef Hofstetter nahm eine Stelle als Förster für den Privatwald der Voith von Voithenberg’schen Gutsverwaltung an und zog mit seiner Frau und den drei Kindern ins Forsthaus. Dort hat sie mitbekommen, wie der Beruf eines Försters aussieht, erzählt Hofstetter. Und, dass ihrem Vater seine Arbeit großen Spaß macht.
Von klein auf vorbestimmt war der Weg der 26-Jährigen trotzdem nicht. Nach der Realschule machte sie an der Fachoberschule Cham im sozialen Zweig Abitur und wusste zunächst nur: auf keinen Fall Sozialpädagogik. Die meisten ihrer Klassenkameradinnen hatten sich für diesen Bereich entschieden.
Schon deshalb habe sie etwas anderes machen wollen, erinnert sich Hofstetter. „Eigentlich wäre ich gern zur Polizei gegangen“, erzählt sie. Erst, als das nicht geklappt hat, ist ihr die Forstwirtschaft in den Sinn gekommen.
Mit dem Jagerhut auf dem Kopf
Im Wald hat sich die junge Frau immer wohl gefühlt. Schon mit sechs Jahren ist sie, den Jagerhut auf dem Kopf, abends mit dem Vater auf den Hochsitz geklettert. Wenn sie ein Tier sah, hat sie ihn aufgeweckt. „Das war immer ein Highlight und ging nur in den Ferien, weil ich da länger aufbleiben durfte“, erzählt Hofstetter.
Auch am Samstagnachmittag, wenn die Mama mal ihre Ruhe haben wollte, sind die drei Kinder oft mit dem Papa draußen unterwegs gewesen. „Der Wald ist für mich wie mein Kinderzimmer“, sagt die junge Frau.
Angst hat sie deshalb noch nie gehabt, wenn sie allein durch ihr Revier ging. Es kommt höchstens mal vor, dass sie sich ein bisschen verläuft. „Mit der Orientierung hab ich’s manchmal nicht so ganz“, erzählt Hofstetter und lacht. „Dann plane ich halt mal eine halbe Stunde mehr ein für einen Rundgang.“
Mittlerweile sind wir am Gipfelkreuz angekommen und haben eine schöne Aussicht über die Further Senke. An einem Baum in der Nähe ist ein Holzkasten festgemacht, in dem sich das Gipfelbuch befindet. Die Finger der Försterin sind kalt, als sie sich einträgt.
Judith Hofstetter weiß es sehr zu schätzen, dass sie einen Beruf hat, der sie täglich mehrere Stunden im Wald verbringen lässt. Bei starkem Regen oder minus 20 Grad sei ihre Arbeit aber auch mal unangenehm. „Das sehen die meisten Leute nicht“, sagt sie. „Dann wünschte ich mir auch manchmal, ich würde nur im Büro sitzen.“
„Das ist wie ein Flow“
An den vielen anderen Tagen jedoch kann sie sich keinen besseren Job vorstellen, als in ihrem Revier unterwegs zu sein, sagt die Försterin. „Wenn ich bei schönem Wetter durch einen Wald mit schönem Bestand gehe, dann ist das manchmal wie ein Flow.“
Nur ein bisschen einsam fühlt sie sich ab und zu. „Ein Hund fehlt mir noch“, sagt die 26-Jährige. Spätestens im Frühjahr soll sich das ändern.
Bis dahin freut sich Hofstetter über unerwartete Begegnungen im Wald. Für sie sind es immer schöne Erlebnisse, wenn auf einmal hinter einem Busch ein Schwammerlsucher oder Spaziergänger auftaucht. Meistens sind das ältere Leute, die sich gern mit der jungen Frau unterhalten, von früher erzählen und sich für ihren Beruf interessieren.
Frisch, fromm, fröhlich, frei
Die Hauptaufgabe von Hofstetter ist, sich um den Baumbestand im Wald zu kümmern. Aber auch die Jagd gehört zu ihrem Beruf. Damit hat die junge Frau kein Problem. Den Satz „Wie kannst du nur Bambi umbringen?“ hat sie zwar schon oft von Freundinnen gehört, über eine solche Einstellung ärgert sie sich aber. „Das Schnitzel, das die essen, stammt von einer Kuh, die im Stall eingepfercht war und nur für den Transport zum Schlachter existiert hat. Die Tiere im Wald leben hier frisch, fromm, fröhlich und frei bis sie sterben.“
Schlimm für die Försterin ist, wenn nach einem Wildunfall schwer verletzte Tiere noch leben und vor Angst und Schmerzen schreien. Dann ist sie froh, wenn die Polizei schon vor ihr da war und Reh oder Wildschwein von den Qualen erlöst hat.
Wieder am Auto angekommen, geht die Fahrt zurück nach Althütte. Auf dem Armaturenbrett des Dienstwagens klebt ein Zettel. „Heck-Pack“ steht darauf. „Damit ich dran denke, dass ich den hinten am Auto hab und nirgends anfahre“, erklärt Hofstetter und lacht.
Für die nächsten fünf Jahre bleibt die junge Försterin dem Further Revier erst einmal erhalten. Ob sie dann bleibt oder eine neue Aufgabe angeht, hat sie noch nicht entschieden, sagt Hofstetter. „Wer weiß schon, was in fünf Jahren ist?“
natur, Wald, Furth