Top-Story 23.05.2007, 20:49 Uhr

Kampf gegen Donum Vitae: Bischof Müller zieht Grenze

Bischof Gerhard Ludwig Müller (Foto: altrofoto.de)

Bischof Gerhard Ludwig Müller (Foto: altrofoto.de)

„Abtreibung ist eine Todsünde“, sagt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Die Arbeit der Schwangerenkonfliktberatung Donum Vitae verstoße gegen den Willen des Papstes und der Bischöfe, weil Beratungsscheine ausgestellt würden, die zur Kindestötung berechtigten. Trotzdem sei es falsch, wenn katholische Verbände und Vereine versuchten, parteipolitisch gegen Donum Vitae vorzugehen, sagte er jetzt im MZ-Interview.

Der Oberhirte äußerte sich im Zusammenhang mit öffentlicher Kritik am kürzlich zurückgetretenen Regensburger Präses der Marianischen Männerkongregration (MMC), Prälat Heinrich Wachter. Der 77-Jährige hatte „als einfaches CSU-Mitglied“ bei Wahlen im Regensburger CSU-Ortsverband Altstadt für den umstrittenen Stadtrat Thomas Fürst und weitere vier MMC-Mitglieder geworben, um den politischen Einfluss im Kampf gegen Donum Vitae zu stärken. Er schätze Prälat Wachters Arbeit sehr, so der Bischof. Trotzdem stellt er klar: Katholische Vereine oder Verbände sollten selbst nicht unmittelbar innerparteilich tätig werden. Katholische Laien sollten sich dagegen durchaus in der Politik engagieren. Donum Vitae sei zudem ein bayernweites Problem, das nicht auf lokaler Ebene gelöst werden könne. Die Kirche müsse sich als soziales Gewissen deutlich zu Wort melden. Bischof Müller attackiert heftig die gesetzliche Regelung des Schwangerabbruchs in Deutschland. „Es ist ein Versagen des Staates, der sich in Artikel 1 des Grundgesetzes auf die Würde des Menschen verpflichtet hat.“ Es sei eine Todsünde, einen Menschen im Mutterleib zu töten. „Es ist ein heimtückischer Anschlag auf die Würde des Menschen, gerade im verwundbaren ersten Augenblick seines Daseins.“

Müller konkretisiert seine ablehnende Haltung gegen Donum Vitae, das entgegen der Weisung aus Rom weiter Beratungsscheine ausstellt. „Der Kritikpunkt ist genau dieser Beratungsschein, der zur straffreien Abtreibung berechtigen kann. Der Papst und die Bischöfe kritisieren Donum Vitae ja nicht deshalb, weil sie Mütter auch in Konfliktsituationen motivieren, zu ihrem Kind ,Ja‘ zu sagen.“

Der Bischof verurteilt zudem die Haltung der CSU-Fraktion im Landtag sowie der bayerischen Staatsregierung. Auch in Bayern müsse man die entsprechenden Gerichtsurteile bezüglich der katholischen Beratungsstellen in die Praxis umsetzen. Diese würden bisher finanziell benachteiligt, weil sie keine Beratungsscheine ausstellen. Die bayerischen Bistümer, so der Bischof, stellten jedes Jahr zehn Millionen Euro für die Arbeit dieser Einrichtungen bereit. Der Freistaat habe anfangs nichts gezahlt und übernehme nun zehn Prozent der Kosten. „Das wird wie ein freiwilliges Almosen an uns verstanden. Aber das können wir nicht akzeptieren. Der Staat hat nicht nach Gutdünken Steuergelder zu verteilen, sondern sie dort hinzugeben, wo Schwangeren und ihren Kindern geholfen wird.“


 

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