Wenn jemand eine Reise tut...
Wer auswärts einen Praktikumsplatz bekommt und kein Auto hat, kann bei der täglichen Busreise durch die Oberpfalz wenigstens die Umgebung kennenlernen. (Foto: MZ-Archiv)
So, liebes Tagebuch, langsam wurde es dann doch mal Zeit, mich für das Praktikum im nächsten Semester anzumelden. Am Donnerstag um zwölf Uhr ist die Anmeldefrist verstrichen, und weil ich große Auftritte schätze (und nicht etwa aufgrund von Prokrastination oder Vergesslichkeit), bin ich an eben diesem Donnerstag um fünf vor zwölf abgehetzt im Büro des Praktikumsamtes erschienen.
„Gerade noch rechtzeitig“, hab ich mir gedacht, bis mir wieder eingefallen ist, dass das Anmeldeformular in vierfacher Ausführung abgegeben werden muss. Warum? Das weiß ich nicht genau. Vermutlich eines für den alten Comenius, eines für Klafki, eines für den lieben Gott und das letzte schließlich für das Praktikumsamt. Im Schnelldurchgang – und ausnahmsweise unter Verzicht auf akribische Schönschrift – hab ich die Formulare ausgefüllt und die von mir favorisierten Schulen angegeben.
Ob ich dieses Mal Chancen auf eine innerstädtische Schule haben würde? Das war zu hoffen, denn große Lust, schon wieder an eine Schule in der Peripherie zu tingeln, hatte ich nicht. Also Daumen drücken, denn die Konkurrenz ist groß.
Hui, ich war die ganze Woche über total aufgeregt, denn heute sollte ich erfahren, welcher Schule ich letztendlich zugeteilt wurde. Ich hab natürlich wieder bis Donnerstag um fünf vor Zwölf gewartet und mir den Wisch in letzter Sekunde abgeholt, um die Tradition aufrecht zu erhalten und die Vorfreude ins Unermessliche zu steigern.
Mit gemischten Gefühlen lese ich den Ort der Schule: Regenstauf. Na ja, zwar keine innerstädtische Schule, aber immerhin halbwegs gut zu erreichen. Es hätte schlimmer kommen können. Wörth an der Donau zum Beispiel. Bevor man da angekommen ist, ist man erst mal 50 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Wer Glück hat, findet einen Kommilitonen mit Auto, der zufällig an die gleiche Schule muss. Ansonsten begibt man sich eben auf eine Busreise durch die Oberpfalz und hat endlich mal die Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen.
Die Studenten interessieren sich ja heutzutage gar nicht mehr für die Region, in der sie leben und studieren. Wohnheim, Uni, Disco – und die Pizza wird an die Wohnungstür geliefert. Der Bewegungsradius ist eingeschränkt. Vielleicht schicken sie die jungen Leute deshalb aufs Land. Denn wer eine Reise macht, der kann auch was erzählen. Das kommt dann letztendlich auch Dir zu Gute, liebes Tagebuch.

