US-Präsidentschaftswahl 2012 - Artikel 30.07.2012, 15:52 Uhr

Romney auf Schmusekurs: „Besserer Freund“ Israels

Romney und Netanjahu demonstrieren in Jerusalem gemeinsam gegen den Iran. Atombomben in den Händen des Regimes wären eine „inakzeptable Bedrohung“.

Mitt Romney wird nach seinem Besuch bei Staatsoberhaupt Netanjahu ein besseres Verhältnis zu Israel zugesagt als Barack Obama.

Mitt Romney wird nach seinem Besuch bei Staatsoberhaupt Netanjahu ein besseres Verhältnis zu Israel zugesagt als Barack Obama.

Jerusalem. Sie begrüßten sich wie alte Freunde: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahmen sich am Sonntag zu Beginn ihres Treffens in Jerusalem halb in den Arm.

Beide lächelten immer wieder breit – die Körpersprache war deutlich entspannter als bei Treffen zwischen Netanjahu und US-Präsident Barack Obama, dessen Verhältnis als unterkühlt gilt. Romney hat immer wieder betont, er wolle nach einem Wahlsieg ein „besserer Freund“ Israels sein.

Das Vorgänger-Gespann George Bush und Ariel Scharon galt noch als ein Herz und eine Seele. Auch Romney geht nun im Heiligen Land auf Schmusekurs: Mit seinem stark israelfreundlichem Gebaren will er bei der Präsidentenwahl im November pro-israelische Wähler fangen – nicht nur jüdische, sondern auch christliche Evangelisten.

Keine einfache Aufgabe, denn traditionell geben die jüdischen Wähler in den USA ihre Stimme lieber den Demokraten: Im Jahre 2008 stimmten 74 Prozent der jüdischen Wähler für Obama. Mit etwa sechs Millionen machen die Juden in den USA allerdings weniger als zwei Prozent der Bevölkerung aus.

Der israelische US-Experte Shmuel Rosner sagte am Sonntag, der Einfluss der jüdischen Wähler werde im Allgemeinen überschätzt. Bei Romneys Besuch gehe es vor allem darum, Können in der Außenpolitik zu beweisen. Das Thema Nahost gelte immerhin als besonders ernst und schwierig. „Das wird ihm helfen, wie ein echter Präsident zu wirken.“

Nicht umsonst unterzeichnete Obama einen Tag vor der Ankunft seines Rivalen in Israel eine Vereinbarung über eine engere Sicherheitszusammenarbeit mit Israel. Er kündigte außerdem weitere 70 Millionen Dollar Hilfe für die israelische Raketenabwehr an. Experten deuteten dies als Versuch, Romney den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Vor allem in der Iran-Frage tritt Romney deutlich aggressiver als Obama auf, dem er immer wieder vorwarf, er kämpfe nicht entschlossen genug für israelische und US-Interessen. Obamas Regierung schließt die militärische Option ebenfalls nicht aus, setzt aber zunächst auf Verhandlungen und Sanktionen gegen den Iran.


 

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