„Bruder“ Romney will ins Weiße Haus
Mitt Romney (65) gilt als gläubiger Mormone. Ob das für seine Kandidatur oder für seine Kirche von Vorteil oder Nachteil ist, bleibt umstritten.
Als Angehöriger einer geheimnisumwitterten Religionsgemeinschaft begibt sich Mitt Romney mit seiner Kandidatur auf dünnes Eis. Er will jedoch neutral bleiben, was die Religion betrifft.
Salt Lake City. Vor mehr als fünf Jahrzehnten verließ Rudolf Hegewald die DDR in Richtung USA, als Mormone unter Sozialisten hatte er es nicht mehr ausgehalten. Stolz erzählt der 82-Jährige nun von seinem Haus, seinen fünf Kindern mit Uniabschluss und dem Leben im Bundesstaat Utah – der Hochburg seiner Glaubensbrüder von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Richtig stolz ist Hegewald auch auf Mitt Romney, den ersten Mormonen, der eine echte Chance auf den Einzug in das Weiße Haus hat.
„Die Missionarsarbeit würde einfacher sein, auch in Deutschland, wenn man sagen kann: Der Präsident der Vereinigten Staaten ist ein Mitglied der Kirche Jesu Christi“, sagt Hegewald. In seinem Deutsch haben sich einige englische Vokabeln eingenistet, der sächsische Einschlag ist aber geblieben. Der Rentner arbeitet ehrenamtlich in einer Lebensmittelausgabe für Bedürftige in Salt Lake City, diese Dienste in kirchlichen Einrichtungen gehören für Mormonen dazu. Die Glaubensgemeinschaft stehe für „hohe moralische Grundsätze“, meint Hegewald. Prinzipien, die auch einen Präsidenten Romney auszeichnen würden.
So deutlich wie Rudolf Hegewald sprechen Mormonen selten, wenn sie sich zu „Bruder Romney“ äußern, der kommenden Donnerstag auf dem Parteitag in Tampa zum Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaftswahl im November gekürt werden soll. Der frühere Gouverneur von Massachusetts blendet seine religiöse Prägung weitgehend aus dem Wahlkampf aus, die Kirche hat sich der politischen Neutralität verschrieben. Auch viele Mitglieder antworten beinahe reflexhaft, dass sie ihre Wahlentscheidung nicht auf Grundlage der Religion treffen würden.
„Wir Mormonen brauchen keine Trophäe“, sagt Andrew Watson, der mit Frau und vier Kindern in einem Vorort von Salt Lake City lebt. Kirche und Staat seien getrennt, wichtig die Qualifikation des Bewerbers für den Präsidenten-Job. Doch Watson glaubt, dass die Aufmerksamkeit durch Romneys Kandidatur einige „Missverständnisse“ beseitigen könnte, die es über seine Religion gebe.

