Von Jürgen Scharf, MZ
Schirndorf.
Hans Mayer empfängt in der guten Stube seines Bauernhofs in Schirndorf bei Kallmünz. Seine Frau Irmgard serviert zum Kaffee selbst gemachten Apfelkuchen, und ab und an huscht ein Enkelkind vorbei.
Grüß Gott, Herr Mayer, schönes Wetter heute, oder?
Ja. Was gibt’s Schöneres als so einen Wintertag mit viel Sonnenschein. Da blüht der Mensch wieder auf.
Aber kalt ist es. Wie heizen Sie eigentlich?
Vor zwei Jahren habe ich eine Biogasanlage bei uns gebaut. Da nutzen wir jetzt die Abwärme. So kalt kann es gar nicht werden, dass die nicht reicht.
Biogasanlage! Schade, ich wollte mit Ihnen übers Holzanschlichten reden.
Nun, bis vor zwei Jahren haben wir noch alles mit Holz geheizt, das wir aus unserem Wald geholt haben. Und angeschlichtet wurde natürlich mit der Familienkette.
Also einer spaltet, einer fährt es weg, einer schlichtet an.
So in etwa. Das machen wir heute noch genauso, denn etwas Holz brauchen wir immer.
Wo stehen Sie in der Kette?
Am Spalter halt. Da ist es am gefährlichsten, da muss der Mann hin.
Nun, apropos Holz vor der Hütten. Wie finden Sie den Jungbäuerinnen-Kalender? Junge Damen aus der Landwirtschaft, wie Gott sie schuf.
Den finde ich sogar recht gut. Das zeigt, dass es in der Landwirtschaft nicht nur alte Mutterler gibt, sondern auch junge, hübsche Mädchen. Natürlich kann man über die Form jetzt diskutieren, aber es ist zumindest gut, dass die Mädchen den Mut dazu haben. Früher hat man eine Bäuerin auf 100 Meter Entfernung erkannt. Wenn man jetzt unter zehn Frauen drei Bäuerinnen mischt, kennt sie keiner raus. Die Landwirtschaft hat sich da zum Positiven verändert.
Bleiben wir bei der Optik. Was bedeutet Mode für Sie persönlich?
Null. Absolut nichts. Da bin ich eine absolute Niete.
Wer kauft ein?
Meine Frau. Und wenn ich dann mal mitmuss, ist es für sie eine Qual. Meine Frau legt mir auch alle Sachen, die ich anzieh, morgens zurecht. Ich hab’ da kein Gespür dafür, welche Farben zusammenpassen oder so. Wenn sich meine Frau aus Versehen vertun würd’, ich würd’s nicht merken und es trotzdem anziehen.
Wenn Sie im Fernsehen zufällig mal eine extravagante Modenschau sehen, was denken Sie?
Das sind Spinner für mich.
Dennoch, allgemein gefragt: Könnte der Landwirt von heute stilbewusster sein?
Ich glaube, dass die Landwirte bereits viel stilbewusster sind als früher. Sicher, die Arbeitskleidung muss zweckmäßig sein, aber ansonsten schauen die schon alle auf sich.
Nun aber zu ihrem schönen Bauernhof. Das Wort Stallgeruch wurde von der Politik oder vom Fußball zweckentfremdet. Wenn einer aus den eigenen Reihen aufsteigt, dann wird dem „Stallgeruch“ bescheinigt. Doch eigentlich gehört der zur Landwirtschaft. Die Frage an den Fachmann: Wie riecht es in ihrem Stall?
In meinem Stall riecht es, nun, nach Stall. Aber verändert hat sich der Geruch schon. Heutzutage lässt man den Tieren ja viel mehr frische Luft und Licht. Im Vergleich zu früher lebt die Kuh von heute wie im Paradies.
Können Sie sich den Geruch Ihres Stalls jederzeit vorstellen? Etwa wenn Sie im Urlaub sind und an zuhause denken. Dieser Grenouille aus dem Film „Das Parfüm“ konnte das.
Ja, das kann ich. Zuletzt waren wir in Catania. Da hast du draußen diesen Öl-Geruch. Überall. Das kriegst du gar nicht mehr los. Wenn ich dann an zuhause denke, ist der Geruch von unserem Hof in meinem Kopf voll da.
Beschreiben Sie ihn doch.
Das ist schwierig. Aber ich sag’ Ihnen was. Ich kann es zum Beispiel riechen, wenn eine meiner Kühe krank ist, wenn sie an Leberverfettung leidet. Da wird über deren Haut etwas abgesondert. Nach vielen Jahren als Landwirt riechst du das.
Interessant. Reden Sie auch mit Ihren Tieren?
Natürlich.
Reden Sie bei der Arbeit auch mit sich selbst?
Ich glaub’ schon. Und wenn nicht laut, dann zumindest in Gedanken.
Hört sich alles idyllisch an. Viel frische Luft, körperliche Betätigung. Leben Landwirte eigentlich länger?
Vielleicht, aber auf jeden Fall intensiver. Der Jahreskreis ist ein ständiger Begleiter. Da lebt man mit, da gibt es immer einen neuen Anfang.
Dann gehen wir doch mal ganz zu Ihrem Anfang zurück. Kamen Sie als Hausgeburt zur Welt?
Ja, wie alle meine Geschwister. Da war eine Hebamme dabei, fertig. Das war damals normal. Ich glaube auch, dass es heute noch genauso gehen würde. Derzeit scheint es sowieso wieder im Trend zu liegen.
Damals konnte man sich als Landwirt das Krankenhaus wahrscheinlich aber auch gar nicht leisten, oder?
Einmal bekam eine meiner Schwestern eine Lungenentzündung. Da kam der Arzt und sagte, sie müsse ins Krankenhaus. Dann hat er kurz innegehalten und meinen Vater gefragt, ob er das überhaupt zahlen kann. Der Vater meinte, es muss halt gehen. Dann hat der Arzt nochmal überlegt und dann entschieden, dass das Mädchen ein Krankenbett direkt neben dem Ofen bekommt und er jeden Tag mehrmals vorbeischaut. Wenn es schlechter geworden wäre, hätte er sie freilich doch noch ins Krankenhaus gebracht, aber sie ist zum Glück schnell wieder gesund geworden.
Was hat der Doktor verlangt?
Das war ein guter Mensch. Bringen Sie mir an Weihnachten eine Gans vorbei, hat er zu meinem Vater gesagt.
Aufgewachsen sind Sie als einziger Sohn mit sechs Schwestern. Das müsste eine gute Schule sein. Können Sie besonders gut mit Frauen umgehen?
Ja, ich glaube schon, dass ich mit Frauen gut umgehen kann.
Das überprüfen wir. Frau Mayer, kann Ihr Mann gut mit Frauen umgehen?
Ehefrau Irmgard, die das Gespräch bislang still verfolgt hat, muss lachen: „Nun, das kann sein, aber dafür ist da mit Haushalt null. Der hat ja nie was machen müssen zuhaus.“ Mayer lacht und fragt seinerseits den Reporter: „Ja, können Sie denn etwa kochen?“
Nein!
Mayer nickt zufrieden.
Okay, Spaß beiseite. Landwirtschaft scheint ja auch nicht nur lustig zu sein. Unter Bauern soll es immer mal wieder kräftig krachen. Gibt es sie denn wirklich noch, diese bösartigen, erbitterten Feindschaften unter Bauern.
Leider ja. Und das ist sicher das Schlimmste an unserem Beruf, dass es teilweise diese Spinnefeindschaften gibt. Das hat meist auch überhaupt nichts mit Konkurrenzdenken zu tun. Oft weiß der eine gar nicht mehr, warum er dem anderen bös’ ist. Das sind Nichtigkeiten, die sich dann über Generationen vererben. Die Kinder kapieren das zunächst gar nicht, merken aber, dass da irgendwas ist und sind dann ebenfalls auf die andere Bauernfamilie sauer. So etwas ist sehr schade.
Können Bauern überhaupt Freunde sein?
Schon, auch ich habe da sehr gute Bekannte, mit denen man sich mal trifft. Allerdings ist das wohl nur möglich, wenn sie nicht direkt nebeneinander ihren Hof haben. Da entstehen eher selten richtige Freundschaften.
Auch im Fußball, heißt es, gibt es wenig echte Freundschaften. Sie haben früher selbst gespielt, oder?
Ja. Wir hatten zwar keinen Verein in Schirndorf, aber jeden Sonntag um 13 Uhr haben wir gegen das Nachbardorf Fischbach gespielt. Da war von alt bis jung alles dabei und es ging immer rund.
Position?
Libero
Libero. Das klingt nach Fachwissen. Im Schnelldurchgang: Wer wird Deutscher Meister?
Bayern München
Wer steigt ab?
Augsburg. Und leider könnte es auch für den Club, wenn er nicht Obacht gibt, eng werden. Auch wenn ich es den bayerischen Mannschaften natürlich nicht wünsche.
Wer gewinnt die Europameisterschaft?
Wenn wir gut zamhalten, dann schaffen wir’s.
Wer gewinnt die Champions League?
Da hat Bayern dieses Jahr echt eine Chance. Sie sind zwar noch keine beständige Mannschaft, aber wenn sie Ruhe bewahren und dazu noch das nötige Glück haben, dann könnt’s klappen. Das Zeug dazu haben sie.
Dazu die Königsfrage für alle Sportwetter: Welcher Spieler schießt im Champions-League-Finale das Siegtor?
Ich mag den Bayern-Mittelstürmer nicht sehr, aber ich trau’s ihm zu.
Sie reden von Mario Gomez?
Ja!
Zum Schluss nur noch eins: Der Ottfried Fischer hat in der Fernsehserie „Irgendwie und sowieso“ seinen Kühen Rock-Musik vorgespielt. Ist das Tierquälerei?
Für mich schon.
Aber es war ja sowieso nur im Film.
Genau!