Wegen der Schönheit der Stadt und ihrer vielfältigen Möglichkeiten ist ein Wochenende in Palma de Mallorca eigentlich zu kurz. Fotos: Ziegler
Von Wolfgang Ziegler, MZ
Zuerst die schlechte Nachricht: Palma ist nicht Madrid. Die Insel-Metropole hat keine Museen von Weltrang, keine Spitzenmannschaft in Spaniens Primera División, nur wenige Sehenswürdigkeiten, die diesen Begriff ernsthaft verdienen und keine wirkliche Sterne-Küche. Jetzt die gute Nachricht: Palma ist nicht Madrid. Geküsst von der Sonne, die durchschnittlich acht Stunden pro Tag scheint, wartet die Hauptstadt der Balearen mit einem mediterranen Flair auf, das seinesgleichen sucht, und verfügt über dreizehn Badestrände, von denen die Playa de Palma nicht zuletzt wegen des „Ballermanns“ der wohl bekannteste ist. Daneben lädt sie in Dutzende feiner Restaurants, uriger Bodegas und gemütlicher Weinkeller ein, ist sie ein Shopping-Paradies, in dem weder europäische Edel-Schneider noch In-Labels fehlen, gilt sie nicht zuletzt als Nightlife-Location, in der die Nacht gerne zum Tag gemacht wird. Wir waren dort – 48 Stunden lang.
Freitag, 17 Uhr:
Sehen und gesehen werden
Kaum ist der Flieger auf dem stadtnahen Aeropuerto Son San Juan gelandet, auf dem alljährlich knapp 25 Millionen Passagiere ankommen, geht’s nur schnell zum Kofferabstellen ins Hotel – und auch schon los. Die Calles Jaume II, San Miguel, Oms und Sindicat, allesamt als Fußgängerzone ausgewiesen, laden zum Flanieren ein – egal, wie oft man schon in Palma war. Mittendrin die Plaza Mayor, das Wohnzimmer der Stadt. Die wenigen Cafés sind fest in touristischer Hand, was sich nicht in den Preisen widerspiegelt. Die sind durchaus vernünftig.
Wir ziehen trotzdem weiter – in die Traditionsbar Bosch an der Plaza del Rey Juan Carlos I, Palmas wohl bekannteste Einrichtung dieser Art. Erfahrene Bosch-Besucher nehmen einen Tisch an der Hauswand, um alles im Blick zu haben – und selbst gesehen zu werden. Und wer dazugehören will, bestellt den in der Regel nur bei Mallorquinern und Stammgästen bekannten Suau. Der einzige Brandy, der auf der Insel produziert wird, ist ein „Zungenschnalzer“ und muss selbst einen Vergleich mit guten Cognacs nicht scheuen.
Da fliegen die Löcher aus dem Käse: der Bierkönig am „Ballermann“
Freitag, 21 Uhr:
Die beste Paella der Stadt
Spanier pflegen kaum vor 21 Uhr zum Essen zu gehen. Wir tun es ihnen gleich – nach dem Bosch und einer schnellen Dusche im Hotel. Der Celler Sa Premsa an der Plaza Obispo Berenguer de Palou unweit der Ramblas ist ein Muss, wenn man die beste Paella der Stadt essen will. Wir wollen. Es gibt sie als „Spezial“, „Ciega“ (ohne Knochen und Schalentiere) und als „Ciega“ mit Nudeln (statt Reis). Alle kosten 8,95 Euro pro Person und sind „excelente“. Der mallorquinische Wein des Kellers nicht minder. Neben der Spezialität des Hauses, dessen katalanischer Name (deutsch: Die Presse) an eine frühere Druckerei für Stierkampfplakate in seinen Mauern erinnert, gibt es viele traditionelle Gerichte: Garnelen mit Knoblauch, Schwertfisch vom Grill oder gebratene Lammkeule. Die Liste nimmt kein Ende.
Freitag, 24 Uhr:
Lange Nächte mit Meerblick
Höchste Zeit, sich ins Nachtleben zu stürzen. In Palma kann man alles haben – Beachclubs, Jazzkneipen, Cocktailbars, Nobeldiscos, Schlagerschuppen, Biertempel – und hat folglich die Qual der Wahl. Als Cuba- und Mallorca-Fans starten wir mit einem botellón, einem „kleinen Besäufnis“, in Palmas Vergnügungsviertel La Lonja und dort in der Bodeguita del Medio, die dem „Mutterhaus“ in Havanna zum Verwechseln ähnlich sieht. Erst nach 1Uhr ist es Zeit für die angesagten Discos. Wir entscheiden uns für das Tito’s am Passeig Marítim, für das Abraxas gleich dahinter und das El Divino noch ein Stückchen weiter – in dieser Reihenfolge. Die Nacht wird lang.
Samstag, 10 Uhr:
Shopping im Outlet
Nach ein paar Stunden Schlaf und viel Kaffee geht’s wieder auf die Piste – diesmal zum Shopping. Mit dem Mietwagen sind wir schnell im Festival Park, einem Outlet in der Gemeinde Marratxí vor den Toren der Stadt. Mango, Quick Silver, Nike, Reebok, Lloyd’s und, und, und... – alles da. Wir sind von der Auswahl erschlagen – und finden nichts. Vielleicht liegt’s aber auch an der allmählich schwindenden Kondition.
Eine der schönsten Kirchen der Welt: die Kathedrale La Seu
Samstag, 13.30 Uhr:
Kleine Köstlichkeiten
Wir brauchen eine Stärkung. Das La Bóveda in der Calle Botería kommt gerade recht bzw. wir zur rechten Zeit daran vorbei. Da die In-Bar gerade erst öffnet, sind die begehrten Tische an den (Schau-)Fenstern noch frei und man kann sich den Platz aussuchen. Wenig später und erst recht abends steht man Schlange – und wartet gerne. Das renommierte kleine Lokal, das inzwischen einen Ableger wenige Schritte weiter am Passeig Sagrera hat, glänzt mit ausgezeichneten Tapas und einem wunderbaren Rotwein. Kein Wunder, dass es regelmäßig proppenvoll ist.
Samstag, 16 Uhr:
Haute Couture und Tragbares
Siesta vorzeitig beendet, die Shopping-Queen will wieder losziehen. Gut, dass der Passeig des Born und die Avinguda Jaume III nicht weit sind. Die Shops internationaler wie spanischer Modelabels sind aufgereiht wie Perlen an der Schnur – Hermès, Escada, Farrutx, Herrera... Wirklich toll, die Klamotten. Wirklich toll, dass meine Kreditkarte zum Glück im Hotelsafe liegt. Stattdessen also: Zara, Desigual und – Pull&Bear. Der relativ neue Laden der weltweit operierenden Modekette in der Calle San Miguel bietet nicht Alltägliches zu bezahlbaren Preisen.
Samstag, 20 Uhr:
Steaks, Brot und Aioli
Nachdem wir den ersten Abend in der Stadt verbracht haben, nehmen wir uns am letzten Abend die Playa vor. Dort, wo Kegelclubs und Kaffeekränzchen regelmäßig das Image Mallorcas ruinieren, gibt es Lokale und Restaurants in rauhen Mengen – auch gute. Wir entscheiden uns für das Can Torrat. In dem Grillrestaurant am Camino Maravillas unweit der Autobahnausfahrt Es Pil lari brutzeln Riesen-Steaks auf dem Holzkohlenfeuer. Vorher werden frisches mallorquinisches Brot und Aioli gereicht – mmh, alles.
Samstag, 22 Uhr:
Balla Balla am „Ballermann“
Mit dem Nachtleben an der Playa de Palma, die oft fälschlicherweise mit dem Synonym „El Arenal“ bedacht wird, ist es wie mit McDonalds. Keiner geht hin, aber alle sind da. Die feucht-fröhliche Mischung aus Münchner Oktoberfest und Kölner Karneval in der Calle de Miguel Pellisa alias Bierstraße und der Calle del Pare Bartomeu Salva alias Schinkenstraße muss man zwar nicht jeden Tag haben, für ein paar Stunden ist sie aber ganz lustig. Mickie Krauses „Schatzi, schenk mir ein Foto“, DJ Düses „Hubschraubereinsatz“, Olaf Hennings „Cowboy und Indianer“ – die Party-Musik im Bierkönig, einer der bekanntesten Locations am „Ballermann“, wird nach dem Motto „Je banaler der Text, desto lauter die Promillos“ aufgelegt. Funktioniert.
Sonntag, 10 Uhr:
Strampeln an der Küste
Auf einer sportlichen Insel wie Mallorca darf es auch etwas Bewegung sein. Wir entscheiden uns fürs Strampeln auf Leihfahrrädern (vier Stunden, sechs Euro), weil der Radweg von der Hauptstadt zur Playa de Palma ein Traum ist: völlig eben, immer am Meer entlang, abseits jeden Autoverkehrs, vorbei an idyllischen Buchten, feinsandigen Stadtstränden, bunten Kite-Surfern, reizvollen Beachbars.
Sonntag, 14 Uhr:
Abschied mit Sangría
In einem dieser loungigen Terrassenlokale direkt am Meer bleiben wir hängen – für eine schnelle Sangría. Um 17Uhr geht unser Flieger und wir müssen vorher noch ins Hotel. Dann, nur wenig mehr als zwei Stunden später, landen wir schon wieder in München. Zum Glück liegt fast nichts näher als Mallorca.