Ältester Olympiasieger ist Ehrengast
1936 holte der ungarische Wasserballspieler Alex Tarics olympisches Gold. Mit 98 Jahren ist der älteste noch lebende Gewinner.
Der ungarische Wasserballspieler Alex Tarics ist mit 98 Jahren der älteste Gewinner der Olympischen Spiele. Trotz seines hohen Alters ist er noch sehr fit. Foto: dpa
San Francisco. Sein Olympia-Triumph liegt 76 Jahre zurück, doch Alex Tarics kann sich genau an Berlin im Jahr 1936 erinnern. „Das Olympische Dorf war wie eine Militäranlage, überall Hakenkreuze und Uniformierte“, erzählt der ehemalige Wasserballspieler. „Aber im Umkleideraum unter den Sportlern hatte Politik absolut nichts zu suchen. Politik und Sport sind wie Wasser und Öl, es mischt sich nicht.“
Mit 98 Jahren ist Tarics der älteste lebende Goldmedaillen- Gewinner. Er war 22 Jahre alt , hatte damals noch den Vornamen Sándor, und einer der Jüngsten im ungarischen Wasserball-Team, das Deutschland 1936 auf den zweiten Platz verdrängte.
Im vorigen August, nach dem Tod des italienischen Radrennfahrers Attilio Pavesi – der 1932 in Los Angeles Gold holte und 100 Jahre alt wurde – erfuhr Tarics von seinem neuen Ehrenstatus. Die erste Reaktion: „Wie gut, dass ich noch am Leben bin“, sagte der rüstige Wahl-Kalifornier. Seit 1952 hat er die amerikanische Staatsbürgerschaft, ein starker ungarischer Akzent ist geblieben.
Vor seinem Haus in dem Nobelort Belvedere, nahe San Francisco, parkt ein goldener Mercedes mit dem Nummernschild „GOLD 36“. Das Tennisspielen habe er vor ein paar Jahren aufgegeben, erzählt Tarics. Aber er geht regelmäßig schwimmen und spazieren. Nur für die Balance brauche er ab und zu einen Gehstock, räumt er ein. Dabei schwingt er sich ohne Hilfe aus dem Sessel und nimmt die auf roten Samt gerahmte Goldmedaille von der Wand.
Bei den Olympischen Spielen in London sei er selbstverständlich wieder dabei, sagt Tarics. Auf Einladung des Ungarischen Olympischen Komitees reist er im August mit Ehefrau Elisabeth (80) als Ehrengast an. 2008 feuerte er die ungarischen Wasserballspieler in Peking an, die in der Endrunde die USA besiegten. „Als Amerikaner kann ich das, es ist doch ein Spiel und kein Krieg. Natürlich halte ich zu Ungarn!“.
1948 hatte der Bauingenieur dank seines Doktortitels einen Posten an einer Universität im US-Staat Indiana erhalten. Zwei Jahre später zog er nach San Francisco, wo er sich als Experte für erdbebensichere Bauweisen einen Namen machte. Noch heute liebt er komplizierte Rechenaufgaben. Das Tüfteln halte sein Gehirn fit, versichert Tarics, der im September seinen 99. Geburtstag feiert.

