Amberg - Nachrichten 14.12.2006, 17:35 Uhr

Der Ensdorfer Stephansturm ist etwas ganz Besonderes

Diese Holzreste brachten es an den Tag: 1075 wurde der Turm erbaut.

Diese Holzreste brachten es an den Tag: 1075 wurde der Turm erbaut.

Wie bedeutend der Ensdorfer Stephansturm, Wahrzeichen der Vilstal-Gemeinde, ist, zeigen die Befunduntersuchungen, die jetzt präsentiert wurden. Schon im Jahr 2005 hatte sich durch Untersuchungen von Jahresringen an Resten des Baugerüstes im Turm herausgestellt, dass der Stephansturm im alten Friedhof in der Dorfmitte nicht aus dem frühen 12. Jahrhundert stammt, wie vom verstorbenen Ensdorfer Historiker Pater Dr. Hans Zitzelsberger vermutet, sondern exakt 1075 errichtet wurde (MZ berichtete). „Eine kleine Sensation für Bayern“ nannte dies damals Archäologe Dr. Mathias Hensch. Bodenarchäologin Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Landesamt für Denkmalpflege erläuterte: „Man nimmt einen Kirchenbau an, in dessen Süd-West-Ecke der Turm steht.“ Dabei handle es sich um einen so genannten Campanile, einen frei stehenden Glockenturm, was nördlich der Alpen eher selten sei. „Dies unter anderem ist ein klarer Hinweis, dass es sich nicht um irgendeine Dorfkirche gehandelt hat, sondern dass sie zu einem Herrschaftssitz gehörte, vermutlich in Zusammenhang mit den Sulzbacher Grafen.“

Sie sieht den Stephansturm „ursprünglich in Zusammenhang mit einem herrschaftlichen Ansitz oder Burg, aber keinem kirchlichen Gebäude“. Mauerreste aus dem frühen 12. Jahrhundert stehen noch. Ein älterer Kirchenbau mit romanischen Fundamenten sei im 12. Jahrhundert ersetzt, im 14. Jahrhundert sei das Langhaus verändert worden.

Architekt Georg Roggenhofer bezeichnete eine Verputzung des Stephansturmes, eines „Denkmals von überregionales Bedeutung“, als „größten Fehler, den man machen könnte“. Für das Dach sieht er „einfache Rinnen mit Speiern“ vor, dann sollten die Arbeiten am Turmfuß „des Ensdorf sehr prägenden Bauwerkes“ durchgeführt werden, wobei das 1,8 Meter tiefer liegende Originalniveau sichtbar gemacht werden solle. Die von ihm ermittelten Gesamtkosten (einschließlich Treppe und Friedhofsmauer) in Höhe von 310000 Euro bezeichnete er als „sehr hoch“. Allerdings seien Eigenleistungen möglich.

Konservator Raimund Karl stellte ein „erstes Finanzierungskonzept“ vor, „das die Gemeinde möglichst wenig belasten soll“. Finanzielle Mittel einer „Mosaikförderung“ verspricht er sich dabei vom Entschädigungsfonds, Sondermittel aus dem Wissenschaftsministerium, der Bayerischen Landesstiftung, dem Bezirk Oberpfalz, vielleicht einen symbolischen Beitrag des Landkreises Amberg-Sulzbach, aber auch Mittel des Denkmalschutzes. „Wir sind seit sechs Jahren auf dem richtigen Weg. So versuchen wir es anzugehen“, erklärte er. Beginn der Maßnahme könnte seiner Meinung nach noch im Jahr 2007 sein. Der Konservator rechnet für die Sanierung des Stephansturmes mit „zwei Bausaisonen“.

 

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