Kelheim - Nachrichten 28.01.2010, 18:29 Uhr

Die letzte Metzgerei im Innenort ist Vergangenheit

Alles leer! Josef Widemann hat seine Metzgerei geschlossen.

Alles leer! Josef Widemann hat seine Metzgerei geschlossen.

BAD ABBACH. Seit Anfang Januar ist ihr Laden zu: „Geschlossen“, verkünden elf Buchstaben. Damit ist der letzte Metzger aus dem Bad Abbacher Innerort verschwunden. Das Ehepaar Wideamnn ist froh über seine Entscheidung, weil das Geschäft und der Partyservice sie fast rund um die Uhr gefordert haben, aber nicht mehr rentabel waren. „Aufwand und Ertrag standen in keinem Verhältnis mehr“, begründet der Metzgermeister und studierte Fleischtechniker die Entscheidung.

Viele Faktoren seien zusammengekommen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass die Innerortslage für die Metzgerei nicht mehr tragbar war. Die Verlagerung des Rathauses an die Raiffeisenstraße und das Entstehen des Shopping-Centers auf der grünen Wiese zählt Widemann auf und sagt resigniert: „Es ist so wie überall.“ Dazu komme, dass die Fußgängerzone in seinen Augen nicht funktioniere. Sie sei tot, sagt er und fragt sich, wofür man jetzt den neuen Mühlbach-Parkplatz angelegt habe. Bei allem Frust über die Rahmenbedingungen – mit der Entscheidung zu schließen sind sowohl er als auch seine Frau sehr zufrieden. In den Allerheiligenferien sei er mit seiner Familie drei Tage weggefahren und aus der Distanz zum Überlegen gekommen. Am Ende stand der Entschluss: „Wir sperren zu!“

Josef Widemann hat sofort einen neuen Job gefunden. Als Lebensmittel- und Fleischtechniker arbeitet er von Montag bis Freitag in Kulmbach und fühlt sich in seiner neuen Firma ausgesprochen wohl. „Hier kann ich alles abrufen, was ich über die Ausbildung und die praktische Erfahrung gelernt habe.“ Seine Frau ist in Regensburg in Teilzeit im Verkauf tätig. Viele Anrufe früherer Kunden erreichen das Ehepaar. Die Leute wollen wissen, wie es ihnen geht. „So viel Interesse, das hätte ich nie gedacht“, freut sich Gerlinde Widemann. Auch sie ist mit der neuen Situation glücklich. Am besten daran sei, dass nun für Sohn Luca (11) mehr Zeit bleibe: „Wir haben jetzt normale Wochenenden.“ Für die Verwendung der Räume in der Kochstraße haben Widemanns bereits eine Idee. Nun muss nur noch der Lieferwagen verkauft werden ...

 

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