Kelheim - Nachrichten 29.01.2010, 17:20 Uhr

Migranten fehlen in der Führungsebene

Besuch bei Peguform und beim Personalleiter Volker Folwill (3. von rechts): Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer und Generalkonsul der Türkei, Rifat Köksal (rechts)

Besuch bei Peguform und beim Personalleiter Volker Folwill (3. von rechts): Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer und Generalkonsul der Türkei, Rifat Köksal (rechts)

Neustadt . Das Thema Migration stand am Freitag beim Besuch des Integrationsbeauftragten der Staatsregierung, Martin Neumeyer, bei Peguform auf der Tagesordnung. Als Gast hatte Neumeyer den türkischen Generalkonsul in München, Ali Rifat Köksal, eingeladen, sich beim Autozulieferer in Schwaig über die Situation von Migranten zu informieren.

Zunächst stellte Personalleiter Volker Folwill die Geschichte des Unternehmens mit allen Schwierigkeiten – Insolvenz, häufige Übernahmen– dar. Danach führte er die beiden Gäste durch das Werk. „Uns ist es nicht wichtig, ob der Mitarbeiter grün, blau oder gelb ist“, sagte er, „wer bei uns ist, muss arbeiten.“ Trotzdem hat er für den Besuch extra eine Statistik angefertigt, wie sich die Belegschaft zusammensetzt.

Fast die Hälfte (42 Prozent) ist in einem anderen Land geboren. Die meisten Mitarbeiter mit Migrationshintergrund stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. Die zweitgrößte Gruppe kommt aus der Türkei. Und trotzdem: In der Führungsebene gibt es keinen einzigen Ausländer oder Aussiedler. Dazu hat rund die Hälfte der Migranten keine Ausbildung; Diplome, die sie in ihrem Heimatland erworben hatten, werden nicht gezählt. „Ich war selbst überrascht“, sagte Folwill, denn auch unter Abteilungsleitern und im kaufmännischen Bereich gebe es keine Menschen mit Migrationshintergrund.

„Das wird in Zukunft noch gravierender“, sagte Betriebsrat Norbert Lechermann. Die Qualifikation sei angesichts des drohenden Fachkräftemangels das Wichtigste. Entscheidend für eine Einstellung und das Weiterkommen sei dabei aber die Sprache, sagte Folwill. Und sie stelle bei Einstellungstests oft eine Hürde dar. Dennoch hat Peguform viele zweisprachige Vorarbeiter, die übersetzen können.

Für Neumeyer muss man bei diesem Problem bereits im Kindergarten ansetzen und die Sprachentwicklung auch in der Schule fördern. „Die Sprache ist entscheidend“, sagte er. Aber auch die Eigeninitiative sei wichtig. Schließlich bewiesen auch bei Peguform die Vorarbeiter mit Migrationshintergrund, dass ein Aufstieg möglich sei, „wenn man sich einbringt“. Er sieht Nachholbedarf auch in der „türkischen Community, ihre Leute auch zu fördern“.

 

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