Neumarkt - Nachrichten 28.02.2010, 15:57 Uhr

„Shared Space“: Neumarkter Stadträte sind von dieser Idee begeistert

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Vorher (oben) und nachher (unten): So veränderte sich die Ortsdurchfahrt von Bohmte bei Osnabrück.

Vorher (oben) und nachher (unten): So veränderte sich die Ortsdurchfahrt von Bohmte bei Osnabrück.

Bei „Shared Space“ handelt es sich – auf Deutsch – um einen „gemeinsam genutzten Raum“. Dort begegnen sich Fußgänger und Autofahrer bei sehr mäßigem Tempo der Letztgenannten. Kein Stress, aber auch kein Wald von Schildern, die von Kraftfahrzeugen ein Tempolimit erwarten. Entschleunigung durch gezielte Verunsicherung: So könnte man diese Shared Space-Idee auch beschreiben. Jeder, ob Passant oder Autofahrer, muss den anderen beachten. Fußgänger können zwar nicht auf ihre „Vorfahrt“ pochen; ihnen sollten die Autofahrer aber Vorrang gewähren. In Duisburg, so sahen die Neumarkter, wird die gut 100 Meter lange, gepflasterte Zone mit einem 30-km/h-Tempolimit und kurz danach mit einem „Spielstraße“-Schild angekündigt.

„Dies muss nicht sein, es geht auch ganz ohne Schild“: So äußerte sich bei einer Info-Runde im Duisburger Rathaus Professor Willem Foorthuis vom Shared Space-Institut im niederländischen Drachten. Für Neumarkt ist so eine verkehrsberuhigte Zone dort vorgesehen, wo jetzt noch eine Ampel und ein Zebrastreifen den Übergang vom Unteren Markt über die Dammstraße in die Nürnberger Straße regeln. Gegenüber dem Unteren Tor soll ja demnächst das von der Firmengruppe Max Bögl geplante Einkaufszentrum plus Hotel und Gastronomiebetrieben entstehen.

Damit Fußgänger den „Übergang“ ohne Unterführung und Brücke sowie Autofahrer den Kreuzungsbereich ohne Tunnel passieren können, soll es nun auch in Neumarkt die schon in 100 deutschen und holländischen Städten eingesetzte Shared Space-Idee geben. Die Neumarkter wäre die erste in Bayern. Allerdings fällt die Entscheidung nicht nur im Neumarkter Stadtrat, sondern auch in Straßenverkehrsbehörden und im bayerischen Innenministerium. Ein unüberwindliches Hindernis könnte werden, dass die Route Kurt-Romstöck-Ring/Dammstraße an Werktagen von bis zu 26 000 Fahrzeugen befahren wird. Shared Space kam bisher in der Regel bei 10 000 bis 20 000 Fahrzeugen pro Tag zum Einsatz; in nur wenigen Städten wurde es bei 20 000 bis 30 000 Fahrzeugen angewendet.

Foorthuis glaubt aber, dass die oberste Grenze 200 000 sein könnten. Zum Vergleich: Der Place de la Concorde in Paris gilt mit 120 000 Fahrzeugen pro Tag als der größte Platz Europas, auf dem die mittlerweile 26 Jahre alte Shared Space-Idee Erfolg hat.

 

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