Neid auf Joachim Wolbergs: Riskiert CSU den Koalitionskrach?
Joachim Wolbergs: Er will künftig weder zitiert noch fotografiert werden, damit der Koalitionsfrieden gewahrt bleibt.
Die Christsozialen in Regensburg neiden dem SPD-Bürgermeister seine Präsenz in der Öffentlichkeit. Einige sagen, das sei schlecht für den Koalitionsfrieden. Jetzt kam es zum Eklat, weil Joachim Wolbergs von OB Schaidinger die Weisung erhielt, nicht an einer Pressekonferenz teilzunehmen.
Kommt es wegen einer Banalität zur handfesten Koalitionskrise? Mitglieder der CSU-Stadtratsfraktion neiden Bürgermeister Joachim Wolbergs seine Omnipräsenz in der Öffentlichkeit. Deswegen haben sie am Montag hinter verschlossenen Türen – wie so oft zuvor – gefordert, dass Wolbergs weniger oft populäre Termine bekommt. Jetzt eskalierte die Situation. Denn völlig überraschend wies OB Hans Schaidinger als Verwaltungs-Chef den SPD-Mann an, die Teilnahme an einer Pressekonferenz zum Thema Wertstoffsäcke abzusagen.
Nach dem Geschäftsverteilungsplan im Rathaus ist Schaidinger im Recht. Wolbergs ist für das Amt für Abfallentsorgung zuständig. Das Thema Wertstoffe fällt aber in die Zuständigkeit von Dr. Wolfgang Schörnig, dem Rechts- und Umweltreferenten. Mittlerweile nahm die städtische Pressesprecherin Elisabeth Knott „den Fehler“ auf sich: „Wolbergs hätte keine Einladung bekommen dürfen.“ Doch merkwürdig fanden auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Kurzfristigkeit der Ausladung.
Einen Zusammenhang zwischen dem Gegrummel in der CSU und der Anweisung des OB sah CSU-Fraktionschef Christian Schlegl nicht. Er bestätigte aber, dass die Ängste vor einer zu großen Popularität von Wolbergs bestünden und oft angesprochen würden. Redet man mit CSU-Stadträten und sichert ihnen Vertraulichkeit zu, dann werden diese schon deutlicher: Es werde mit Argusaugen verfolgt, wie viele Termine Wolbergs wahrnimmt und wie oft er in den Medien präsent sei. Ein Insider: „Sie regen an, die im Koalitionsvertrag festgehaltene Vertretungsregelung zu ändern.“
„Die CSU hat offenbar panische Angst“, sagte Wolbergs. Süffisant kündigte er an, er werde Journalisten bei Terminen künftig sagen: „Bitte zitieren und fotografieren Sie mich nicht, weil sonst einige in der CSU Probleme haben und der Koalitionsfrieden gefährdet ist.“



