Modellversuch auf dem Lehrpfad: Rutengänger-Kurs für Blinde
Stephan Becher und Gerda Kloske-Schindlbeck werben für den ersten Rutengänger-Schnupperkurs für Blinde.
Wird der bundesweit bedeutsamste Rutengänger-Lehrpfad ab dem kommenden Jahr auch zum Treffpunkt für blinde Menschen? Kursleiter Karl Dietl will jedenfalls neben dem regulären Programm mit einem Schnupperkurs für Blinde einen ersten Versuch wagen. Denn er ist voll davon überzeugt: „Blinde fühlen intensiver als Sehende“. Blinde Menschen würden seiner Meinung nach in der Regel auch über einen überdurchschnittlich ausgeprägten Tastsinn verfügen. Mehr noch, als Kursleiter des Neunburger Rutengänger-Lehrpfades spricht er von einer besonders großen Sensibilität, einer Art Spürsinn und einer ungewöhnlichen Konzentrationsstärke dieser Menschen. Bereits im Juli 2000 bewunderte er auf dem Lehrpfad eine blinde Frau, die nach kleineren Schwierigkeiten ein sehr gutes Gespür für veränderte Bodenstrahlungen über so genannten Wasseradern zeigte. „Die Frau“, so Dietl, „war absolut blind, da in ihren Augenhöhlen lediglich Glaskörper steckten.“
„Wasserader, wo bist du?“
Bei ihrer damaligen Voranfrage, ob sie trotz Blindheit am Kurs teilnehmen konnte, hatte Dietl geantwortet: „Ich bin überzeugt, dass sie ebenso gut muten können, wie gesunde Menschen, die oftmals den Wald vor lauter Bäume nicht sehen.“ Gerne erinnere er sich an die blinde Frau, die bei der Lehrpfadbegehung immer laut und deutlich fragte: „Wasserader, wo bist du?“ Dietl weiter: „Natürlich wurde sie während der Begehung mit einer Hand geführt, während sie in der anderen Hand die Wünschelrute hielt.“ Auch ein blinder Mann aus Neunburg habe 2002 unter Beweis gestellt, dass er so genannte Erdstrahlen außergewöhnlich gut fühlen, sprich muten kann.
Für sein neues Vorhaben nahm er mit Gerda Kloske-Schindlbeck, so der Name der erfolgreichen blinden Kursteilnehmerin vom 11./12. Juli 2000, wieder Kontakt auf. Spontan erinnerte sie sich an ihr damaliges Erlebnis und bezeichnete das Vorhaben Dietls als „sehr gut“. Aus diesem Grunde erklärte sie sich auch bereit, ihn trotz vielfältiger und umfangreicher ehrenamtlicher Aufgaben zu unterstützen. Dabei erklärte sie Dietl die Vorteile bei der direkten Kontaktaufnahme mit dem PC zu Blinden und Sehbehinderten. Im Rahmen eines Vorgespräches mit Fototermin in Neunburg wurden organisatorische Einzelheiten erörtert.



