Es bleibt bei der Friedrich-Flick-Straße in Maxhütte-Haidhof
Ausgelöst hat die Debatte und den Beschluss in nicht öffentlicher Sitzung der politische Journalist Christian Humbs vom RBB. Er stammt aus Maxhütte-Haidhof und arbeitet für das Magazin Kontraste. Derzeit recherchiert er bundesweit, wo Namen von Kriegsverbrechern Straßen, Schulen oder andere öffentliche Einrichtung zieren. So kam Humbs auch auf Maxhütte-Haidhof und Teublitz, wo es noch eine Friedrich-Flick-Straße gibt.
Flick, einer der größten Industriellen der Nachkriegszeit, haben nach dem Krieg zahlreiche Auszeichnungen ereilt: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband, Bayrischer Verdienstorden, Goldener Ehrenring des Deutschen Museums in München, Ehrensenator der TU Berlin usw. Dabei war er während des Nazi-Regimes nicht weniger als Wehrwirtschaftsführer mit engstem Kontakt zu Hermann Göring, Mitglied im Freundeskreis des Reichsführers SS Himmler, profitierte von der „Arisierung“ jüdischen Eigentums, beschäftigte rund 50000 Zwangsarbeiter in seinen Betrieben, deren Entschädigung er zeitlebens abgelehnt hat und wurde im Dezember 1947 in den Nürnberger Prozessen zu sieben Jahren Haft, unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, verurteilt.
Mit Blick auf diese dunkle Seite Flicks wandte sich Humbs an Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank, da er die Ehrung Flicks für fragwürdig erachtet. Die Bürgermeisterin griff das Thema auf, sodass es zum Tagesordnungspunkt: „Friedrich-Flick-Straße; Änderung des Straßennamens“ kam.
Zur Entscheidung sagte die Bürgermeisterin auf Nachfrage: „In einer sachlichen Diskussion haben sich die Stadträte mit der Geschichte auseinandergesetzt und die Bedeutung der Person Friedrich Flick – auch vor dem Hintergrund seiner Rolle im 2. Weltkrieg – diskutiert, wobei natürlich eine besondere Rolle spielte, inwieweit und in welcher Form Flick die Geschichte der Stadt beeinflusst hat.“
Die Entscheidung des Stadtrats stieß bei Humbs auf Unverständnis. Gegenüber der MZ kündigte er an, seine Recherchen in Bezug auf Maxhütte-Haidhof zu intensivieren. Er will jetzt Stellungnahmen der Parteispitzen von CDU, CSU und SPD im Bund und im Freistaat einholen. Außerdem will sich Humbs an die Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wenden.
Während die Vorsitzenden von CSU- und SPD-Fraktion bereitwillig Auskunft gaben, war Rudolf Seidl, Sprecher der UWM, auf Nachfrage der MZ dazu nicht bereit.
Franz Brunner, Vorsitzender der SPD-Fraktion, fasste die Sicht der SPD-Stadträte so zusammen: „In der Fraktion wurde hauptsächlich von den Verdiensten gesprochen. Kein Ortsansässiger hat was gegen den Namen und deshalb soll er auch bleiben. Die Amerikaner haben ihn 1950 begnadigt und verhalfen ihm nach dem Krieg zum Wiederaufstieg. Die Mächtigen der Welt (Konzerninhaber, Geschäftsleute, Geldgeber usw.) haben sich schon immer an die Regierungen gehalten, egal wer an der Macht war.“ Brunner erinnerte an die großen Verdienste von Flick für die Stadt: „Durch das Eisenwerk hatten viele Menschen Arbeit. Zahlreiche Flüchtlinge fanden nach dem Krieg bei uns Arbeit und eine neue Heimat. Flick zeigte großes soziales Engagement. 1953 wurde er von den damaligen Stadträten für seine großen Verdienste zum Ehrenbürger ernannt. Es heißt immer, man soll die Vergangenheit nicht vergessen. Wir werden ihm nicht huldigen und er gehört nicht zu den Vorbildern; aber er ist, so wie das Eisenwerk, ein Teil der Geschichte, ein Teil unserer Stadt. Wie skrupellos heute Geschäftsleute, Industrielle oder Banker mit Steuergeldern, mit der Gutgläubigkeit der Menschen umgehen, ist auch nicht gerade vorbildlich. Hier hätte die Presse meines Erachtens mehr Möglichkeiten sich einzubringen.“
Josef Stadlbauer, Vorsitzender der CSU-Fraktion, beginnt seine Stellungnahme mit den Zeilen: „Friedrich Flick war von 1953 bis zu seinem Tod 1972 Ehrenbürger der Stadt, den Straßennamen gibt es seit 1979 und 64 Jahre nach Kriegsende und 56 Jahre nach seiner Ernennung zum Ehrenbürger, sollen wir darüber entscheiden, ob wir wegen seiner Vergangenheit im 3. Reich seinen Namen aus unserem Stadtbild tilgen. Und das deshalb, weil ein aus unserer Stadt abstammender Mann zufällig politischer Journalist geworden ist und nun diese Thematik aufrollen will.“ Stadlbauer verwies auf den Bericht der Burglengenfelder Zeitung von 1953 zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde in dem Flick Lob über Lob erhält, vom hochverdienten Wirtschaftspionier über sozialen Wohltäter bis zum Verfechter der Mitbestimmung. „Das ist keine Kritik, aber so wie es die Burglengenfelder Zeitung schrieb, so sah und sieht es auch die Bevölkerung. Sie sieht die positiven Dinge, die sie erfahren hat, und das zu Recht. Wir huldigen oder ehren keinen Kriegsverbrecher, sondern erinnern an seinen Beitrag zum Aufbau der Republik, so wie man es hier vor Ort tatsächlich erlebt hat, ohne zu vergessen, dass er in der schlimmen Zeit des 3. Reiches eine äußerst unrühmliche Rolle gespielt hat“, so das Fazit von Stadlbauer.