Schwandorf - Nachrichten 28.02.2010, 18:34 Uhr

Ausstellung Zwangsarbeit: „So etwas darf sich nie wiederholen“

Chris Humbs (l.), einer der Initiatoren der Zwangsarbeiter-Ausstellung, begrüßte die Eröffnungs-Besucher

Chris Humbs (l.), einer der Initiatoren der Zwangsarbeiter-Ausstellung, begrüßte die Eröffnungs-Besucher

„Dankeschön!“ Allein wegen dieses Wortes hat sich die Ausstellung „Städtedreieck unterm Hakenkreuz — NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum“ vielleicht schon gelohnt. Ausgesprochen hat es, auf Deutsch, der 88-jährige ehemalige tschechische Zwangsarbeiter Leopold Dudek. Bei der Ausstellungseröffnung in der Hüttenschänke sprach Dudek, der mit seiner Tochter aus Pilsen angereist war, von der schwersten Zeit seines Lebens: Die zwei Jahre von 1943 bis 1945, die er als Sklavenarbeiter in Friedrich Flicks Eisenwerk Maxhütte schuften musste (siehe auch Artikel auf Seite 53).

„Es darf sich sowas nicht wiederholen“, mahnte Dudek. Es stimme ihn traurig, dass viele Kriegsverbrecher nicht bestraft worden seien und er finde es nicht richtig, dass immer noch Straßen nach ihnen benannt werden. Er bedankte sich aber auch für die Einladung und die „außergewöhnliche Ausstellung“.

Chris Humbs, TV-Journalist und Vorstandsmitglied in der Projektgruppe „Zwangsarbeit“ hatte zuvor die etwa 300 Ehrengäste und Besucher in der Hüttenschänke begrüßt, die dicht gedrängt zwischen den Schautafeln standen. Humbs, ein gebürtiger Maxhütter, skizzierte noch einmal die Entstehung des Projekts. Von der Diskussion um die Umbenennung der Friedrich-Flick-Straße sei es ein steiniger und langer Weg bis zur Ausstellung gewesen. Ziel sei die Sensibilisierung und Aufklärung der Bürger und vor allem auch der Jugend für das Schicksal tausender Ausländer, die in unserer Region während der Nazi-Zeit als Zwangsarbeiter leiden mussten – auf den Feldern oder in Fabriken wie Flicks Eisenwerk.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass es bei der Aufarbeitung dieses Kapitels im ländlichen Raum noch weiße Flecken gebe. In der Projektgruppe, deren Mitglieder aus der Oberpfalz und Berlin kommen, habe man sich aber dieser Aufgabe gestellt. Man sei sich bewusst, das die Mehrheit der Bevölkerung vielleicht gegen eine Umbenennung der Flick-Straße sei. Humbs: „Die Ausstellung ist von einer Minderheit gemacht, aber wir leben in einer Demokratie und vielleicht wird ja aus der Minderheit einmal eine große Minderheit“.

Befremden unter vielen Gästen löste das Grußwort von Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank aus Maxhütte-Haidhof aus. Sie ging kaum auf den Ausstellungsgegenstand ein, sondern sprach vor allen von deutschen Opfern, Kriegsgefangenen und Vertriebenen, die es auch gegeben habe. Sie verwahre sich dagegen, Maxhütte-Haidhof als Stadt zu sehen, die Kriegsverbrecher verherrliche. Wie berichtet, hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, die nach Friedrich Flick benannte Ortsstraße nicht umzubenennen. Flick war nach dem Krieg als Kriegsverbrecher verurteilt worden. Unklar blieb auch, was die Bürgermeisterin meinte, als sie „die Medienvertreter“ aufforderte, sie sollten vorübergehend ihre Kameras und Tonbänder ausschalten. Zum Schluss übergab sie allerdings Leopold Dudek eine weiße Rose und bat ihn „stellvertretend für alle, denen Unrecht widerfahren ist“, um Verzeihung und Aussöhnung.

 

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