Panorama 06.11.2009, 13:14 Uhr

Laternenlicht macht warm ums Herz

Seit rund 200 Jahren erhellen Gaslichter Straßen und Plätze – in etwa 50deutschen Städten bis heute.

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Neue LED-Technik in der Regensburger Blauen-Lilien-Gasse Foto: Gruber

Neue LED-Technik in der Regensburger Blauen-Lilien-Gasse Foto: Gruber

Von Rolf Geifes undChristine Strasser, MZ

Es ist ein Ort, wo Liebespaare sich treffen – öffentlich und doch irgendwie privat: im schummrigen Licht einer Straßenlaterne. So ganz im Dunkeln ist eben doch nicht gut munkeln. Lili Marleen – Lale Andersens Soldatenlied und erster deutscher Millionenseller – ist undenkbar ohne das allnächtliche Erleuchten der Städte. Denn Andersen sang davon, ihren Liebsten bei einer Laterne wieder zu treffen. Allein, im Schatten einer Kaserne, hätte sie kaum auf ihn warten wollen.

Nicht elektrischer Strom sondern brennbares Gas ließ vor rund 200 Jahren erstmals dunkle Straßen und Plätze erstrahlen. Und wer glaubt, dass Gaslaternen schon längst zum „alten Eisen“ gehören, der irrt: In etwa 50deutschen Städten brennen sie immer noch – allen voran in der „Welthauptstadt der Gasbeleuchtung“, in Berlin.

In London ging die erste Gas-Straßenbeleuchtung in Betrieb

Anfänglich war das Gaslicht eine offene Gasflamme, die ein schwaches – im Vergleich zum Kerzen- oder Öllicht aber starkes – Licht erzeugte. In England, genauer gesagt in London, wurde 1807 die erste Gas-Straßenbeleuchtung in der City of Westminster in Betrieb genommen. Drei Jahre später brannte an einem Wohnhaus im sächsischen Freiberg die erste Glaslaterne in Kontinentaleuropa. Erfinder der Gaslampe ist ein Franzose. Der Ingenieur Philippe Lebon erhielt am 21. September 1799 das Patent auf die Gasheizlampe. Lebon experimentierte in einem Pariser Hotel: In einem Ofen verbrannte er Holz unter Luftausschluss und erzeugte über Destillation Wasserstoffgas. Über Röhren leitete er es in die Zimmer. Öffnete man das Absperrventil am Rohr und zündete das Gas an, verbrannte es kontrolliert – und erleuchtete den Raum.

Neben Hannover setzte Berlin früh auf die neue Beleuchtungsform. Am Abend des 19. September 1826 erstrahlte der Boulevard „Unter den Linden“ erstmals in dem goldgelben Licht von 27 Laternen aus England. Zuvor hatte man mit Akzeptanzproblemen seitens der Bevölkerung zu kämpfen. Die neue Technik war vielen nicht geheuer. Zudem mussten Straßen aufgerissen und Leitungen verlegt werden. In Regensburg gingen die Gaslaternen am 21. Dezember 1875 an. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhöhte sich die Anzahl der Lampen stetig. 1909 brannten in der Stadt 940 Gaslaternen. Dann griff die elektrische Beleuchtung immer mehr Raum. 1975 wurden die letzten 36 Gaslaternen in Regensburg außer Betrieb genommen.

 

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