Bayern/Oberpfalz 26.06.2009, 07:56 Uhr

Überlebende kehren mit Fragen zurück

Für einen Dokumentarfilm werden Zeitzeugen gesucht, die 1945 die Todesmärsche aus dem KZ Flossenbürg beobachteten.

In der KZ- Gedenkstätte Flossenbürg findet jedes Jahr im Sommer ein Überlebendentreffen statt. Vom 24. bis 27. Juli werden heuer zehn ehemalige jüdische Gefangene Stationen ihres Todesmarsches vom April 1945 aufsuchen. An den Orten ihrer schlimmsten Qualen wollen sie mit Oberpfälzern sprechen, die sie vor 64 Jahren möglicherweise gesehen haben. Aus diesem Anlass suchen Initiatoren aus der Region – unter anderem für einen Dokumentarfilm – Zeitzeugen, die sich an die Ereignisse erinnern können. Laut einer Pressemitteilung führt die Stippvisite der ehemaligen KZ-Häftlinge unter anderem zum Bahnhof in Schwarzenfeld. Dort hatten US-Tiefflieger 1945 die Lokomotive ihres „Elendszugs“ außer Kraft gesetzt – die SS-Schergen trieben die Menschen zu Fuß weiter. Das Ziel: das KZ in Dachau. Über Fuhrn und Erzhäusern führte der Weg nach Neunburg vorm Wald, wo die Unterdrückten nachts in strömendem Regen auf der Straße lagerten, und Neukirchen-Balbini, wo eine ganze Reihe Gefangener in einem Massengrab beerdigt wurde.

Die jüdischen Überlebenden, die im Juli hierher zurückkehren, sind die Jüngsten der Todesmärsche. Auch heute beschäftigen sie viele Fragen. Was wussten die Oberpfälzer über die Verbrechen des Dritten Reiches? Wie haben die Einheimischen die abgemagerten Gestalten in ihren Dörfern wahrgenommen? Auch die Frage, wer mitgeholfen hat, die Leichen aus den Straßengräben zu bergen und zu beerdigen, hat für die Überlebenden große Bedeutung. Ferner interessieren sie sich dafür, wer sich an Massengräber oder Exhumierungen erinnert.

Die Oberpfalz war vom 2. Weltkrieg zwar weitgehend verschont geblieben – auch wenn die meisten Männer an der Front waren und Hunderte Familien auf ihre Rückkehr warteten. Dennoch brachten die Todesmärsche die Schrecken des Naziregimes sehr plötzlich in die Region. Umso mehr hoffen die Initiatoren der besonderen Begegnungen im Juli darauf, dass sich im Raum Schwarzenfeld, Fuhrn, Neunburg vorm Wald, Neukirchen-Balbini und Stamsried Zeitzeugen finden, in deren Gedächtnis sich die Ereignisse von einst eingebrannt haben.

 

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