Regensburg: Gestaltungsrat gegen Buntes Haus
In der Kritik: Die bunten Fassaden am Rebl-Haus in RegensburgFoto: Archiv
In nur 35 Minuten war alles vorbei. Die Mitglieder des Gestaltungsbeirats (GBR) setzten sich Donnerstagnachmittag unter anderem mit dem Objekt auseinander, das seit April in der Stadt leidenschaftlich diskutiert wird: dem Haus von Malermeister Franz Rebl jun. am Eck Frankenstraße/Drehergasse. Und wer da geglaubt hatte, die Architekturwächter aus Berlin und München, Basel und Graz würden wenigstens Sympathie für die außergewöhnliche Fassadengestaltung empfinden, sah sich schnell getäuscht.
Prof. Carl Fingerhuth freute sich zwar über das starke Interesse am Thema, „denn die Frage der Gestaltung einer Stadt soll eine öffentliche sein“. Doch ließen er und seine Kollegen letztlich an Rebls Projekt kein gutes Haar.
Der Münchner Andreas Hild, der an der Technischen Universität Graz doziert, kritisierte, Rebl sei es einzig darum gegangen, sich von seiner Umgebung abzuheben. Damit verstoße er gegen den Grundsatz, wonach der Einzelne sich so zu verhalten habe, dass sein Handeln zur Maxime für alle werden könnte. „Die Gemeinschaft“ dürfe deshalb nicht nur einschreiten, ja sie müsse es sogar.
Ähnlich argumentierte Andreas Meck, München: „Die Stadt lebt vom Miteinander. Dazu gehört, dass man sich abstimmt. Hier aber wurde die Stadt von heute auf morgen mit einem Ergebnis konfrontiert.“ Selbst wenn es sich bei der Fassadengestaltung um „Kunst“ handeln sollte, so Meck, hätte über das Werk vorher mit der Verwaltung diskutiert werden müssen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. So aber sei die Fassade nur eine „unfreundliche Geste anderen gegenüber“ und zeuge von einer „sehr egoistischen Haltung“.
Für die Stadtverwaltung hob GBR-Geschäftsstellenleiterin Tanja Flemming hervor, Rebls Werk stelle einen Verstoß gegen anerkannte Regeln der Baukunst und eine neue Dimension von Werbeanlagen dar, die sich mit dem Stadtbild nicht vertrage. Komplette Gebäude sollten grundsätzlich nicht als Werbefläche dienen.
Rebl selbst und auch Künstler Carsten Kruse, der die Fassadengestaltung entworfen hatte, waren zum Bedauern von Planungsreferentin Christine Schimpfermann und der GBR-Mitglieder der Sitzung fern geblieben.
Die Stadt will nun Rebl über den aktuellen Stand der Dinge informieren und ein weiteres Gespräch anbieten. Bereits am 5. Juni hat sie den Landauer Malermeister per Anordnung dazu aufgefordert, sein Haus komplett umzustreichen. Rebl will jedoch seine Interessen nun vor Gericht durchsetzen.



