Die Kunst, mit den Füßen zu lächeln
Aus fünf Kellerlöchern wurde ein Ballsaal, aus einer Leidenschaft ein Beruf: Christiane Solf und Sven Frais haben sich mit ihrer Tangoschule einen Traum erfüllt.
Regensburg.
Ein paar Treppenstufen hinab, und man ist in einer anderen Welt: Unter den Verkaufsräumen der Buchhandlung Pustet und der gleichnamigen Passage schwingt ein eng aneinander geschmiegtes Paar im dreiviertel Takt unter Kronleuchtern über den Stäbchenparkett. Hier, wo vor zehn Jahren ausrangierte Gerätschaften eines Optikers und allerlei anderes Gerümpel lagerten, ist der Arbeitsplatz von Christiane Solf und Sven Frais. Ihr Beruf ist der Tango Argentino. „Beim Tango lernt man, mit den Füßen zu lächeln“, sagt Christiane Solf.
Vor mehr als 20 Jahren hatte die diplomierte Sportlehrerin in einem kleinen Kölner Theater zum ersten Mal einen Tangoauftritt live gesehen. „Da wusste ich: Das ist es, das will ich lernen.“ Von lächelnden Füßen konnte zu Beginn ihrer Tangokarriere jedoch keine Rede sein. „Es war hart am Anfang. Von manchen Männern wurde ich sogar nach der Hälfte des Tanzes einfach auf der Tanzfläche stehen gelassen“, erinnert sie sich. Ja, es waren die Männer, die Christiane Solf, bis dahin gewohnt im Modern Dance und Ballett alleine zu tanzen, am meisten irritierten. Aber Tango ist nunmal ein Paartanz.
Da wollte es das Schicksal so, dass es die aus dem Ruhrgebiet stammende Solf in den 1990er Jahren nach Regensburg verschlug. Dort traf sie auf Sven Frais. Der gelernte Forstwirt ließ sich von Christiane Solfs Tangofieber anstecken. Und fortan lernten sie gemeinsam, was Ende des 19. Jahrhunderts an den Ufern des Rio de la Plata um Buenos Aires seinen Ursprung hatte: den Tango Argentino. Was die beiden nach einer Tangolehrerausbildung in Bremen nun in Regensburg vermitteln, ist aber sogar mehr als das. „Ich mache auch Kurse, in denen Frauen mit Frauen tanzen“, sagt Christiane Solf. „In Argentinien wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.“ Und während man hier zu gedimmten Licht in gediegenem Ambiente tanzt, finden im Heimatland des Tangos große Tanzveranstaltungen in mit grellem Neonlicht ausgeleuchteten Turnhallen statt.
Große Events stehen aber auch bei Christiane Solf und Sven Frais auf dem Programm. Weil sie im Oktober auf die Einweihung ihres Tanzsaals vor zehn Jahren zurückblicken können, wollen sie „es richtig krachen lassen“, sagt Christiane Solf. Eine Live-Band und die ein oder andere Showeinlage sind geplant. Darüber hinaus hat Christiane Solf noch einen Traum: „Ich stelle mir ein Tangogesamtkunstwerk vor. Ein Projekt, ähnlich wie die Prager Nächte es waren – mit Lyrik, Gesang und Tangotanz.“ Passend ist das für Regensburg allemal. Denn im vergangenen September wurde der Tango in des Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen. Und ist damit für die Welterbe-Domstadt der denkbar geeignetste Tanzpartner.



