Kultur 03.10.2007, 00:00 Uhr

Herrschende Regeln kümmerten ihn nicht

Wolfgang Grimm zählte zu den wichtigsten ostbayerischen Künstlern der letzten Jahrzehnte

Wolfgang Grimm in seiner Ausstellung im Kunstverein GRAZ (2006)Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Wolfgang Grimm in seiner Ausstellung im Kunstverein GRAZ (2006)Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Von Helmut Hein, MZ

REGENSBURG. In der Einführungsrede zu einer Ausstellung brachte einst Jürgen Huber Leben und Werk seines Künstlerkollegen auf den Begriff: „Ein Berserker!“ Darin drückte sich die staunende Bewunderung für einen aus, der „anders“ war, bei dem Existenz und Arbeit untrennbar verschmolzen, der alles auf den Kopf stellte, der die Nacht zum Tag machte und nie „temperiert“ war, vielmehr wüst, extrem, leidenschaftlich. Am Freitag ist Wolfgang Grimm gestorben.

Die ganze Welt ging durch ihn hindurch und er versuchte, „brennend“, für das, was ihn bedrängte, eine Form zu finden. In einer Zeit, in der selbst die Kunst zunehmend zum „Job“ wie jeder andere wird, den man auf der Suche nach Geld und Ruhm ausübt, um dann ins feierabendliche Privatleben abzutauchen, wo Maler stolz darauf sind, wenn sie sich wie Betriebswirte und PR-Agenten auf dem Markt durchsetzen, war Grimm ein Künstler wie aus einer anderen Zeit: eine romantische Figur, ein „Genie“ im Sinn des Sturm und Drang, das sich um herrschende Regeln nicht kümmert, weil es andere, bessere im Blick hat.

Der passionierte Lehrer

Dabei war aber Grimm, der Berserker, der „outlaw“ und „nighthawk“ (eine Zeitlang war er als Barkeeper auch so etwas wie der erotisch-melancholische König des Regensburger Nachtlebens), kein Egoist und Egomane, sondern einer, der zu Kooperationen fähig und bereit war; kein „schlampertes“ Genie zudem, sondern handwerklich bestens ausgebildet, erst als technischer Zeichner und Graphiker, später dann als Meisterschüler von Robin Page an der Münchner Kunstakademie. Zusammen mit Stefan Göler, Erich Gohl, Raoul Kaufer und Frank Scholz initiierte er in den 80er Jahren das längst legendäre „Kunst-Werk“, das beides war: eine Künstlervereinigung in der Tradition der Avantgarden und ein Ort der Möglichkeiten, ein Kommunikations- und Veranstaltungszentrum.

 

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