Kultur 20.06.2008, 09:14 Uhr

Skurrile und zotige Songs

Slowenischer Sänger Zoran Predin bringt mit der Gypsy Band ordentlich Stimmung in die Bude.

Eine Entdeckung: Zoran Predin Foto: Scheiner

Eine Entdeckung: Zoran Predin Foto: Scheiner

Von Michael Scheiner, MZ

Am Ende hat er doch noch deutsch gesungen: Vom „Hänsel Pinsel“. Eines seiner frühen Lieder, übersetzt von einem Freund. Predin nimmt darin kein Blatt vor den Mund, gockelt im derben, reichlich direkten Prolojargon vor der Schönen, die ihm kaum weniger freimütig rausgibt: „Komm zu mir, oh mein wildes Tier!“ Den Refrain wollten die verunsicherten Fans dann doch nicht mehr mitsingen – meint er es ernst oder steckt ein gerüttelt Maß Ironie dahinter, wie bei vielen Songs des erfolgreichen Slowenen?

Es sind komische, kuriose und manchmal absonderliche Geschichten von Erfolglosen, von Bratkartoffeln und Mentholbonbons, vom älter (und verrückter) werden und Alphamännchen, über die Predin in seinen Liedern, Chansons und Songs singt. Auf Englisch, Französisch und natürlich in seiner Muttersprache. Dann erzählt er ein wenig zu den Stories mit seiner wunderbar sonoren Stimme, hat die Lacher und bald die Stimmung auf seiner Seite.

Es war ein seltenes und aufregendes Vergnügen, Predin mit seiner erstklassig besetzten „Gypsy Band“ zu erleben. Nach den vielen neuen und neuesten Jazzsängerinnen, die auch in Regensburg ausgiebig ihre Spuren von Hipness und Coolness hinterlassen haben, war der Sänger mit der vollen, warmen Stimme und dem angenehmen Timbre eine erfreuliche Entdeckung. Auch wenn zwischen Country, Blues, Musette-Seligkeit und ethnisch-folkloristische Farben – bis hin zum Kasatschok und Flamenco – der Jazz eine eher beiläufige Rolle spielte. Vornehmlich in Form eines treibenden Sintiswing a la Django Reinhardt, virtuos umgesetzt von Igor „Firehand“ Bezget an der Sologitarre und Predins Sohn Rok an der Rhythmusgitarre. In einigen solistischen Einlagen machte Bezget seinem Spitznamen alle Ehre. Minimalistisch reduziert auf eine Snaretrommel und zwei unterschiedliche Besensätze (Metall und Plastik), stellte Gasper Bertoncelj fast beiläufig unter Beweis, dass mehr nicht nötig ist, um ein Drumsolo hinzulegen, das sich gewaschen hatte. Der pomadefrisierte Schlagzeuger verfügt über ein geradezu traumhaftes Timing und ein superbes dynamisches Vermögen.

Einen Tag vor seinem Auftritt beim Jazzclub im Leeren Beutel feierte Predin seinen 50. Geburtstag, sein 30-jähriges Bühnenjubiläum steht demnächst an. Natürlich haben auch Liebe und Schmerz ihren Platz im lebensnahen musikalischen Universum des einstigen Rockpoeten, der sich erfolgreich zum Singer-Songwriter entwickelt hat und nicht – wie viele Kollegen – in der einmal gefundenen Rolle verharrt. Bei der positiven Ausstrahlung dieses Entertainers lässt man sich sogar zum Mitsingen und -klatschen anstiften. Dem Europaeum – als Initiator – und der Neuen Ljubljana Bank – als großzügiger Sponsor – sei Dank.

 

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