Laute(r) Alltagsgeräusche
Fiebig und Zander lassen einen aufhorchen
Audiokunst: Fast alles kann der Klangerzeugung dienen. Foto: Zwicknagl
Von Randolf Jeschek, MZ
Seit Josef Otto Mundigl, der in den 70er und 80er Jahren die Fahne der elektronischen Musik in unserer Region tapfer im Alleingang hochgehalten hat, ist hierzulande diesbezüglich nicht viel geboten. Umso verdienstvoller ist die Initiative des Kunstvereins GRAZ, der die Augsburger Audiokünstler Gerald Fiebig und Gerhard Zander nach Regensburg einlud, zumal sich in dieser Sparte ja eine Menge getan hat, zumindest technisch. Mit allerhand elektronischem und mechanischem Equipment versehen legten Fiebig und Zander nun eine einstündige elektroakustische Improvisation vor, die spontan mit rein akustischen Beiträgen entspannt umhergehender Besucher sowie zweier anwesender Hunde angereichert war.
Fiebig und Zander, in Augsburg mit der eigenen, die Grenzbereiche von akustischer Kunst, Musik und Literatur erkundenden Veranstaltungsreihe „echokammer“ präsent, und darüber hinaus auch bei einschlägigen Festivals, Projekten etc. gut vertreten, verbinden rein elektronisch kreierte Klangereignisse mit mechanisch erzeugten, aber verstärkten und verfremdeten, und beziehen aufbereitete Alltagsgeräusche mit ein.
Ein statisches Grundrauschen, das permanent minimalen Veränderungen, Entwicklungen unterworfen wird, wird überlagert durch rhythmisch prägnante Signale. Die Wirkung elektromagnetischen Felder alltäglicher Elektro-Kleingeräte werden hörbar gemacht, es wird auch erkundet, was zufällig anwesende Gegenstände wie Stühle und Ofenrohre an Reibungsgeräuschen hergeben; dabei schreckt man auch vor der Nutzung herkömmlicher instrumentaler Hilfsmittel wie Geigenbögen nicht zurück.
Das Ganze verrät bei allen interessanten Details einen Willen zu Aufbau, Form und Struktur, zeigt, dass man auch abseits des vertrauten Instrumentariums aufhorchen machende Musik machen kann, dass man über experimentelle Materialerkundung hinaus geräuschhaltige Klangstrukturen schaffen kann, die, ohne packende musikalische Erlebnisse auszulösen, unser Ohr, unsere Wahrnehmung im Alltagsleben schärfen können.



