Kultur 22.09.2009, 09:51 Uhr

Ein Frankenstein mit Höchstgeschwindigkeit

„Frank und Stein“, die urkomische Parodie eines verstaubten Hollywoodschinkens

Rasant: Andreas Hainzinger und Tobias Ostermeier Foto: Turmtheater

Rasant: Andreas Hainzinger und Tobias Ostermeier Foto: Turmtheater

Von Matthias Waha, MZ

Regensburg. Diese Vorstellung beginnt ein wenig früher als offiziell angegeben. Sobald man das Turmtheater nämlich betreten hat, beginnt die große Farce respektive Schauspielkunst. Frank (Tobias Ostermeier) und Stein (Andreas Hainzinger) begrüßen als fiktive Kinobesitzer das Publikum, man habe einen seltenen Film von Siebenbürgen hierhergeschafft, gleich gehe es los. Die beiden doktern am Beamer herum, es wird hektisch. Kein Bild, dann läuft der Film (natürlich: Frankenstein), doch nach wenigen Minuten ist es endgültig vorbei. Die Technik streikt. Kurzerhand entschließen sich Frank und Stein, die auf die Einnahmen nicht verzichten können, den Film selbst zu spielen. Also: Leinwand weg, Bühne frei! Es ist nahezu unglaublich, was ab diesem Zeitpunkt schauspielerisch geleistet wird. Zwei Männer spielen ganze zehn Charaktere, vom verrückten Wissenschaftler über das Monster bis hin zum kleinen Mädchen. Die Rollen werden so schnell gewechselt, dass man sich kaum zu blinzeln traut. Mit extrem dehnbarer Mimik und kleinsten Hilfsmitteln entsteht in rasendem Tempo die altbekannte Geschichte vom künstlich erschaffenen Menschen, der seinen Schöpfer einen nur zu realen Albtraum erleben lässt.

Das Stück „Frank und Stein“ ist das Produkt einer langen Kulturgeschichte. 1818 veröffentlichte die Schriftstellerin Mary Shelley ihren legendären „Frankenstein“ (mit dem vielsagenden Untertitel: der moderne Prometheus). Auf dessen Grundlage schuf James Whale 1931 einen Klassiker des Horrorfilms – unvergessen ist Boris Karloff als anrührend-grausames Monster. Die dramaturgische Adaption (Ken Campell) dieses Films, die nun als Wiederaufnahme im Turmtheater zu sehen ist, steht unter der Regie von Christian Mayerhofer. Aus dem verstaubten Hollywoodschinken ist nun eine groteske Parodie geworden.

Ostermeier und Hainzinger sind darin einfach nur großartig. Wandelbar, ideenreich und schrecklich komisch. Mit aller Verve der Kunst geben sie die schauspielernden Kinobesitzer, die sich, zum Entzücken des Publikums, auch immer wieder szenisch aus der spontanen Aufführung lösen und Zeit finden, sich gegenseitig auf der Bühne zu piesacken. „Frank und Stein“, das ist Theater, Pantomime, Slapstick, Comedy und Filmparodie auf einmal und mit Höchstgeschwindigkeit. Die Zuschauer waren restlos begeistert, das Kreischen am Ende erinnerte fast an die Beatles in ihren besten Zeiten. Rundherum ein toller Theaterabend!

Weitere Vorstellungen am 27.09., und von 2.10. bis 05.10., jeweils um 19.30 Uhr im Turmtheater, Am Watmarkt 5. Kartentelefon: (0941) 56 22 33.

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
Donnerstag 2. September 2010
Haubensak Logo

Wetter

Wolke
20°

» Lokalwetter