Die erfolgreichsteAusstellung der vergangenen Jahre in Regensburg: Die Otto-Dix-Schau im Kunstforum Foto: altrofoto.de
Von Ulrich Kelber, MZ
REGENSBURG. Es ist eigentlich ganz erstaunlich, was Regensburg im Bereich der Bildenden Kunst zu bieten hat. Da gibt es das Kunstforum Ostdeutsche Galerie mit seinem anspruchsvollen Ausstellungsprogramm. Auch die Städtische Galerie im Leeren Beutel verfügt über großzügige Räumlichkeiten. Selbst das Historische Museum mischt im Ausstellungsreigen moderner Kunst mit, gelegentlich auch das Diözesanmuseum.
Die Künstlerszene selbst ist recht aktiv. Der in Regensburg ansässige Berufsverband Bildender Künstler mit seinen rund 300 Mitgliedern strahlt in die ganze Oberpfalz und nach Niederbayern aus. Einzigartig auch der traditionsreiche Kunst- und Gewerbeverein, dessen Führung vor allem in der Hand Regensburger Künstler liegt und der demgemäß in erster Linie der regionalen Kunstszene ein wichtiges Ausstellungsforum bietet.
Viele Privat-Initiativen
Für viel frischen Wind hat in den letzten Jahren auch der „Kunstverein Graz“ gesorgt. Mit bescheidenen Mitteln hat er immer wieder mit pfiffigen und auch kritischen Ausstellungen (etwa zum umstrittenen Adler von der Nibelungenbrücke) auf sich aufmerksam gemacht. Jürgen Huber, der „Graz“-Beweger, hat sich außerdem stets um den „Blick nach draußen“ bemüht, hat viele interessante Künstler nach Regensburg geholt. Eine Initiative, die allen Respekt verdient, ist dann die „donumenta“ mit ihrer Initiatorin Regina Hellwig-Schmid. Sie bringt spartenübergreifend Kunst der verschiedenen Donauländer nach Regensburg. Die „donumenta“ könnte mit der nötigen Unterstützung und weiterer Professionalisierung zu einem international beachteten Kunst-Ereignis ausgebaut werden.
Künstlerhaus Andreasstadel und auch die private Kunstschule „Stadtkunst“ leisten lobenswerte Arbeit. Und auuch das Spektrum der privaten Kunstgalerien ist beachtlich. Schon lange etabliert sind „Galerie Bäumler“ und „Kunstkabinett“. Das Galeristenpaar Knyrim genießt bundesweit Anerkennung als Keramik-Experten; andere Galerien setzen ihren Programmschwerpunkt bei Künstlern der Region. Neu hinzugekommen ist „Art Affair“, wo alle Spielarten von Figuration und Realismus – opulent bis eklektizistisch – den Schwerpunkt bilden (wenn man das pompöse Porträt sieht, das Jörg Immendorff von Ex-Kanzler Schröder geschaffen hat, dann liegt diese Galerie sogar richtig im Trend).
Wo bleibt die Avantgarde?
Trotz aller vorhandener Aktivitäten, bleibt aber irgendwie der Eindruck, dass die Bildende Kunst im Regensburger Stadtleben eine eher untergeordnete Rolle spielt, dass die vorhandenen Möglichkeiten längst nicht ausgereizt sind. Zu selten ist die Konfrontation mit der aktuellen, internationalen Kunstszene. Mangelnde Offenheit und mangelnder Austausch sind zu konstatieren. Das Beispiel der Galerien Wittenbrink und Zink, die bald nach München abwanderten, zeigt, dass es in Regensburg um die Chancen avantgardistischer Kunst schlecht bestellt ist.
Allein das Kunstforum Ostdeutsche Galerie hat mit seiner neuen Reihe „Labor“ jetzt wieder einen vorsichtigen Versuch gestartet, auf aktuelle Tendenzen aufmerksam zu machen. Doch das Kunstforum, von seinem Anspruch her ein Museum mit bundesweiter Bedeutung, hat durchaus noch Schwierigkeiten, auch wirklich überregional wahrgenommen zu werden. Beispiele sind die großen Ausstellungen von Otto Dix, wo 30000 Besucher gezählt wurden, oder jüngst von Otto Mueller. Hätten die gleichen Ausstellungen beispielsweise in Tübingen stattgefunden, sie hätten dort sicher wesentlich höhere Besucherzahlen erzielt. Renommee aufzubauen, ist für für ein Museum eine langwierige und schwierige Aufgabe.
Deutlich sichtbar sind die Probleme bei der Städtischen Galerie im Leeren Beutel. Sie besaß mal den Rang als wichtigste Kunstgalerie in Ostbayern – heute nimmt diese Rolle das Museum Moderner Kunst in Passau ein, auch dank einer umtriebigen und ideenreichen Mannschaft. In Regensburg wurde die Städtische Galerie in den letzten Jahren schlichtweg kaputt gespart. Hier gilt es, Zeichen für einen Neuanfang zu setzen, um mit einem überzeugenden Programm die einstige Bedeutung zurückzugewinnen. Es ist auch bedauerlich, dass die Regensburger Kunnst-Institutionen bislang nicht versucht haben, ihre Kräfte für gemeinsame Aktionen zu bündeln. Wie so etwas aussehen könnte, demonstriert jetzt Hannover, wo sich Sprengel-Museum, Kunstverein und Kestnergesellschaft zusammengetan haben: Das geplante Projekt „Made in Germany“ hat schon im Vorfeld große Beachtung gefunden.
Die Altdorfer-Stadt
Ungenutzte Chancen, Kleinmütigkeit und Kleinkariertheit: Das hat in Regensburg lange Tradition. Beispiel Albrecht Altdorfer, die einzige wirklich große Künstlergestalt, die Regensburg hervorgebracht hat. Während Nürnberg den Nimbus als Dürer-Stadt bestens nutzt, verschenkt Regensburg die Chance, mit Altdorfer zu trumpfen. Das Historische Museum, das über wichtige Altdorfer-Werke von der Malerei bis zur Grafik verfügt, hat noch keine überzeugende Lösung gefunden, das Schaffen diese großen Künstlers adäquat und umfassend darzustellen. Und Nürnberg macht es vor, wie man einen Alten Meister und die Kunst der Gegenwart miteinander verknüpfen kann. Erinnert sei an die spektakuläre Aktion von Otmar Hörl und seinem „Großen Hasenstück“ – 7000 grünen Plastikhasen auf dem Nürnberger Hauptmarkt.
Damit ist das Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ erreicht. Auch hier fehlt in Regensburg ein klares Konzept. Ein Blick nach Bamberg zeigt, was möglich wäre. Dort werden seit einigen Jahren regelmäßig Ausstellungen mit Großplastiken bedeutender Künstler – von Botero, Lüpertz bis Mitoraj und Wortelkamp durchgeführt. Durch Ankäufe, die durch Mäzene und Sponsoren ermöglicht werden, entsteht in der Stadt ein Skulpturenweg.
Prinzip Zufall
In Regensburg regiert dagegen der Zufall. Eine geschenkte Neustifter-Figurengruppe findet dann halt Platz vor dem Theater. Nun soll es eine Papst-Skulptur beim Dom geben. Andere Dinge werden dagegen eher „abgeschoben“. So fand eine recht ansprechende Aluminium-Skulptur der Bildhauerin Sabine Straub einen recht lieblos gewählten Platz an Rande des Stadtparks.
Und wo Regensburg tatsächlich etwas Ungewöhnliches und Einzigartiges besitzt, da wird dessen wirklicher Wert nicht erkannt: der skurrile Skulpturengarten des bildhauernden Gärtners Max Buchhauser an der Frankenstraße. Die rätselhaften Stelen sind ein Musterbeispiel für „Art Brut“ oder „Outsider Art“. Vergleichbare Objekte sind andernorts zu Besuchermagneten geworden. Man denke nur an „Le Palais idéal“, den bizarren Palast des Briefträgers Ferdinand Cheval in Hauterives bei Lyon oder an „Le Jardin humoristique“ im französischen Fyé mit den skurrilen Skulpturen des Fernand Chatelain. Es ist höchste Zeit, sich Gedanken über die Zukunft und Sicherung der Buchhauser-Skulpturen zu machen!
Zu wünschen ist, dass sich in Regensburg eine Persönlichkeit findet, die sich wirklich als Anwalt der modernen Kunst und der Künstler versteht, die auch so viel Autorität besitzt, um ein überzeugendes Konzept gegenüber den vielen Partikularinteressen durchzusetzen. Gesagt werden muss auch: Gute Kunst und gute Ausstellungen kosten Geld. Wieviel Kultur kann und will sich die Stadt leisten? Das ist die große Frage.