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Kultur
Montag, 19. Februar 2018 4

Interview

a-ha wollen es wieder einmal wissen

In Kürze erscheint das Comebackalbum der Norweger. Olaf Neumann sprach mit ihnen über Pläne, Plagiate und den perfekten Song.

Magne Furuholmen, Morten Harket und Paul Waaktaar-Savoy gehen wieder gemeinsam auf Tour. Im Frühling kommen sie auch nach Nürnberg. Foto: PRK

Berlin.Eigentlich wollten Sie mit a-ha endgültig Schluss machen. Wer von Ihnen hat als erster zum Hörer gegriffen?

Morten Harket: Unsere Reunion ging nicht von einer einzigen Person aus, sie lag eigentlich die ganze Zeit in der Luft. Es gab Anfragen von verschiedenen Seiten und nach intensiven Überlegungen waren wir der Meinung, mit 2015 den perfekten Termin für ein Comeback gefunden zu haben.

Diesmal geben Sie die Interviews gemeinsam. Heißt das, dass Sie sich heute leichter einigen können als früher?

Magne Furuholmen: Wir tun das, weil es sich gut anfühlt. Es ist wie eine Gruppentherapie.

Paul Waaktaar-Savoy: Es fühlt sich auf jeden Fall anders an als früher. Vielleicht beginnt ja gerade eine neue Ära für unsere Band.

Wie war es, zu pausieren und auf die bisher gemachte Musik zurückzuschauen?

Furuholmen: Es kann tatsächlich passieren, dass wir mal zurückblicken auf das, was wir erschaffen haben, denn wir werden eigentlich ständig an unsere Geschichte erinnert. Aber das war natürlich nicht der Grund, weshalb wir uns 2010 aufgelöst hatten. Es ging eher darum, vorwärts zu gehen, aber in neue Richtungen.

Sie feiern dieses Jahr nicht nur Ihr Comeback, sondern auch Ihr 30. Bandjubiläum.

Waaktaar-Savoy: Mit der Zeit gewöhnt man sich an solche Jubiläen, denn es gibt immer irgendeinen runden Geburtstag zu feiern. Diesmal ist es halt das 30. Jubiläum unseres internationalen Durchbruchs. Aber damit halten wir uns nicht lange auf.

Wie gehen Sie an ein neues Album heran?

Furuholmen: Wir treffen uns zuerst einmal unregelmäßig, um über Ideen zu plaudern. Das ist gar nicht so einfach zu organisieren, denn Paul lebt in New York, und Morten und ich arbeiten gern in Schweden und in London. Es gab keinen Plan, wie das Album klingen sollte. Wir haben einfach drauflos geschrieben.

Die Musik von a-ha besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Wollten Sie mit „Cast In Steel“ an diese Tradition anknüpfen?

Waaktaar-Savoy: Was ist das, ein hoher Wiedererkennungswert? Unser zweites Album unterschied sich sehr stark von unserem Debüt. Wir wollen mit jeder Platte einen Schritt weiter gehen. Mortens Stimme ist eindeutig identifizierbar, aber hinsichtlich der Arrangements und Melodien orientieren wir uns nicht an der Vergangenheit.

Furuholmen: Mortens Stimme ist ein wichtiges Element von a-ha, aber auch unser Songwriting und die Art, wie wir die Stücke arrangieren. Für mich persönlich ist es völlig unerheblich, ob das neue Album klanglich an unsere erste oder an unsere dritte oder fünfte Platte anknüpft oder ob wir damit in eine völlig neue Richtung gehen. Hauptsache, die Songs sind cool. Es gibt nicht viele Bands aus den 1980ern, die immer noch da sind und neues Material veröffentlichen.

Sie haben sich wieder mit Alan Tarney zusammen getan, dem Produzenten Ihrer ersten drei Alben. Wieso?

Waaktaar-Savoy: Das war zuerst ein wenig eigenartig, weil wir uns seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatten. Heutzutage wird das Songschreiben und Arrangieren sehr stark bestimmt durch die Technologie, die vor allem auf Computern basiert. Mir hat die alte, analoge Arbeitsweise ein bisschen gefehlt, und dafür steht Alan Tarney.

Furuholmen: Als wir damals unsere ersten Alben aufnahmen, saßen wir bis zu 15 Stunden am Stück im Studio. Das macht heute kaum noch eine Band.

Harket: Wir haben Alan Tarney zehn Demos geschickt. Er sollte sich seine Lieblingsstücke herauspicken und diese anschließend produzieren. Es war spannend, wie die bearbeiteten Stücke nach und nach zu uns zurückkamen. Das war zweifellos Alan Tarney! Er hat eine ganz andere Herangehensweise an Musik als wir.

Was macht er konkret anders?

Waaktaar-Savoy: Viele Produzenten von heute legen großen Wert auf den Beat, weil das die Chance erhöht, im Radio gespielt zu werden. Alan hingegen legt den Fokus auf die Melodien. Unsere Songs haben eh viel zu viele Akkorde, um in Dance-Clubs gespielt zu werden. Uns geht es auch darum, unvorhersehbare Sachen zu machen. Die interessantesten Ideen fliegen einem immer ganz unverhofft zu. Je älter man wird, desto schwieriger ist es aber, sich selbst zu überraschen.

Harket: Wenn du zu hohe Erwartungen an dich selbst hast, kann dich das blockieren.

Ist Ihnen das Comebackalbum leicht gefallen?

Harket: Das Songschreiben ist immer das leichteste, der schwere Part ist, sich einig zu werden, welche Titel am Ende aufs Album kommen. Das ist immer eine enorme Anstrengung. Ich bin selbst überrascht, wie stark die Platte geworden ist. Sie muss sich vor ihren Vorgängern nicht verstecken.

Ist es überhaupt noch möglich, Neues im eigentlichen Sinne zu schaffen?

Furuholmen: Im Prinzip ist in der Popmusik bereits alles gesagt worden.

Wo endet die Inspiration, wo beginnt das Plagiat?

Harket: Pharrell Williams und Robin Thicke wird vorgeworfen, sich bei ihrem Song „Blurred Lines“ bei Marvin Gayes „Got To Give It Up“ bedient zu haben. Mich hat es überrascht, dass ausgerechnet diese beiden zur Kasse gebeten wurden und so viel anderes einfach durchgeht.

Furuholmen: Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dürfte man nur noch sich selbst sampeln beziehungsweise recyclen.

Ist Perfektion eine Illusion?

Furuholmen: Perfektion als Konzept interessiert mich nicht. Die perfekte Version eines Liedes ist in der Regel nicht die, die dein Blut in Wallung bringt. Spannend finde ich eher Dinge, die ein Perfektionist wegwerfen würde. Wir verbringen viel Zeit damit, an vermeintlichen Kleinigkeiten herumzufeilen, Sounds zu verändern oder sie in ihren Urzustand zurückzuversetzen. Meine Erfahrung ist, dass ein Song, an dem man fünf Jahre gearbeitet hat, nicht zwangsläufig besser klingen muss als am Anfang. Sondern einfach nur anders. Oftmals erweist sich der erste Instinkt als der beste.

Was zeichnet a-ha aus?

Waaktaar-Savoy: Mir gefallen oft die Sachen am besten, die dem Massengeschmack diametral entgegenstehen. Das können zum Beispiel sehr introvertierte Klänge sein. Diese versuche ich dann zugänglich klingen zu lassen. Dabei bewege ich mich auf einem schmalen Grat.

Furuholmen: Genau das zeichnet a-ha aus. Großartige Kunst ist manchmal sehr unzugänglich. Wir wollen keine megakommerzielle Band sein, aber wir machen auch keine verbissen nachdenkliche, in sich gekehrte Musik. Wir sind drei sehr unterschiedliche Typen von Musikern, aber auf diese beiden Elemente können wir uns immer wieder einigen.

Haben Sie das Gefühl, Ihren besten Song noch nicht geschrieben zu haben?

Harket: Mich persönlich treibt eher das Wissen an, dass es da draußen noch so viel zu entdecken gibt: Musik, die man noch nicht gehört hat.

Furuholmen: Den Drang, ein Meisterwerk schreiben zu wollen, verspüre ich persönlich nicht. Ich vergleiche das Schreiben von Songs eher mit dem Führen eines Tagebuchs.

Letzte Frage: Wie lange werden Sie diesmal zusammen bleiben?

Furuholmen: (lacht) Bis zum Mai 2016.

Harket: Nein, länger!

Wieder da: a-ha

  • Die Band:

    Ihre größten Erfolge feierten a-ha in den 80er Jahren. Ihr bis heute größter Hit: „Take On Me“.

  • Erstes Comeback:

    Bereits 2000 hatte das Trio sich nach diversen Soloprojekten wieder zu einem Comeback-Album zusammengefunden. 2010 gaben die Norweger ihre Trennung bekannt.

  • Das Album:

    Das Album „Cast In Steel“ erscheint am 4. September.

  • Die Tour:

    Im April 2016 geben sie 15 Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, u.a. am 6. April in München, Olympiahalle, und am 9. April in Nürnberg, Arena Nürnberger Versicherung.

a-ha: Comeback mit neuem Album
a-ha sind wieder vereint

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