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Kultur
Samstag, 27. Mai 2017 27° 1

Vokalmusik

Aus dem Wort wird virtuoser Klang

Das israelisch-schweizerische Ensemble Profeti della Quinta gastierte im Rahmen der Tage Alter Musik in der Schottenkirche.
Von Gerhard Dietel, MZ

Aus Israel und der Schweiz stammen die Sänger von Profeti della Quinta, die im Rahmen der Tage Alter Musik in der Schottenkirche St. Jakob gastierten. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Pfingsten naht, doch in der Schottenkirche St. Jakob werden die Besucher der Tage Alter Musik liturgisch in die Karwoche zurückversetzt. Zu mitternächtlicher Stunde am Freitag lässt die israelisch-schweizerische Gruppe Profeti della Quinta jene Lamentationen und Responsorien ertönen, die den „Tenebrae“, den Trauermetten der drei Kartage vor Ostern angehören. Eine faszinierende Vertonung der Texte bringt sie den Hörern dar: jene in der musikgeschichtlichen Schwellenzeit um 1600 entstandene von Emilio de Cavalieri. Halb gehört sie noch der klassischen Vokalpolyphonie an, halb nutzt sie schon die expressive Klangsprache der Monodie, und dazwischen vernimmt man Passagen in chromatisch durchwirktem Satz, die an die späte Madrigalkunst eines Gesualdo erinnern.

Ausdrucksvolle Stimmen

Chitarrone, Lirone und Viola da Gamba stützen den Gesang akkordisch wie rhythmisch, dazu Cembalo und Orgel, an der Aki Noda mit Intonationen und Ricercaren Frescobaldis auf die einzelnen Karwochentage einstimmt. Hochexpressiv ertönen die sechs Singstimmen, die mit Ausnahme der höchsten mit Männern besetzt sind, was dem Vokalsatz eine eigentümliche Klangfarbe verleiht. Zumal Cantus und Alt zeigen eine hochvirtuose Beweglichkeit, die an Timbre und Spiel von Zinken erinnert.

Hörbare Initialen

Eindrucksvoll ist es, wie die Sänger den Textgehalt in Vokalklang umsetzen. Wie kunstvoll ausgemalte Initialen mittelalterlicher Handschriften wirken die mitkomponierten hebräischen Ordnungsbuchstaben, Affekte der Trauer ertönen im ruhigen Klangfluss, solche des Schmerzes und der Anklage in rhythmisch gepeitschten, von erregten Ornamentierungen geradezu überwucherten Wendungen. Das „Jerusalem convertere“ bildet den eindringlichen Refrain, ein immer neu vertonter und neu akzentuierter Aufruf zur Bekehrung.

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