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Kultur
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Jubiläum

Aus Liebe zur Heimat kritisch

Das Magazin „lichtung“ wurde vor 30 Jahren gegründet. Der subjektiv-eigensinnige Blick ist bis heute Markenzeichen.
Von Michaela Schabel

Als sich Hubert Ettl 2014 zurückzog, übernahmen Eva Bauernfeind und Kristina Pöschl die „lichtung“. Foto: Schabel

Viechtach.„Wir wollten ein aufmüpfiges, ein kritisches Magazin für den Bayerischen Wald“, resümiert Hubert Ettl. 1987 diskutierten kritisch Denkende aus Kultur und Politik über ein mögliches Magazin. Im Januar 1988 erschien bereits die erste „lichtung“, kein leichtes Unterfangen in einer dünn besiedelten, sehr traditionell geprägten Region, wie es der Bayerische Wald immer war und noch ist. Das „Scharfrichterhaus“ in Passau leuchtete damals als einzig kritischer Fixpunkt. Dabei gab es drängende Probleme wie den Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Kritiker gaben der „lichtung“ maximal zwei Jahre. Tatsächlich wurde den Redakteuren schon nach dem ersten Jahr bewusst, dass die Begrenzung auf den Bayerischen Wald zu eng war. Man weitete den thematischen Rahmen donauabwärts bis Passau und naabaufwärts in die Oberpfalz auf Ostbayern aus.

Aufhellen durch Querdenken

Wie beim Waldspaziergang sollte das „ostbayerische magazin lichtung“ befreiend wirken, Licht in gedankliche Verwirrung bringen, aufhellen durch Querdenken. 1990 gründeten die Redakteure die „lichtung verlag GmbH“ mit 15 Gesellschaftern, um sich finanziell abzusichern. Hubert Ettl gab den Vereinsvorsitz im Trägerverein ab und übernahm die Geschäftsführung.

Mit viel Idealismus steckte er, von Beruf Hauptschullehrer, seine ganze Freizeit in den jungen Verlag. Die Finanzierung des Magazins erfolgte durch Akquise von Abonnenten, beständige Werbeträger und den sich gleichzeitig recht gut entwickelnden Buchverlag. So blieb das „ostbayerische magazin lichtung“ finanziell und redaktionell immer unabhängig.

Eine kritische Berichterstattung mit subjektiv-eigensinnigem Blick zu aktuellen Themen war und ist das Markenzeichen. Bereits vor 20 Jahren wurden Energiewende und Naturschutz, Denkmalschutz und moderne Architektur mit traditionellen Mitteln gegenübergestellt und hinterfragt. Leitidee blieb immer, sich in die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Fragestellungen einzumischen, die Identität von Heimat zu hinterfragen und ein politisches Forum im Raum Oberbayern über die Grenzen der Tageszeitung hinaus zu gestalten.

Zwei Krisen überstanden

„Die erste Zeit war schon sehr schwierig. Wir mussten von Null anfangen“, so Hubert Ettl. Der Einsatz war enorm und wurde noch größer, als 1994/95 Besitzer der Druckerei wechselte, das Druckwesen sich insgesamt veränderte und dadurch die Druckkosten in die Höhe schnellten. Aufgeben oder weitermachen? Hubert Ettl löste das Problem, indem er selbst lernte, den Satz herzustellen, „was auch positive Aspekte brachte, weil man mehr ästhetisch experimentieren konnte“. Extrem kritisch wurde die Situation nochmals 2003/04. Die Nachfrage hatte sich zwar auf ein gutes Niveau von 950 Abonnenten eingependelt, doch die Anzeigen gingen auf ein kritisches Minimum zurück. Fast schon am Aufgeben schrieb Hubert Ettl einen letzten Aufruf im Vorwort der „lichtung“ mit der Bitte um Unterstützung und hatte Erfolg. Über Mitgliederwerbung und Benefizveranstaltungen durch die Abonnenten konnte das „ostbayerische magazin lichtung“ überleben.

Umso größer ist jetzt die Freude zum 30-jährigen Jubiläum mit 1300 Abonnenten im Hintergrund. Dass neben der inhaltlichen Konzeption auch das Erscheinungsbild mit einem schlichten, überschaubaren Layout in Schwarzweiß-Optik über drei Jahrzehnte gleich blieb, symbolisiert die konsequente Arbeit des Redaktionsteams. Den Fokus auf das Wesentliche, zwischen Schwarz und Weiß die Nuancen zu erhellen, darum geht in der „lichtung“. Das Magazin will weder Hochglanz- noch Trendmagazin sein, sondern ganz bewusst ein Nischenmagazin für Wesentliches. Das tragende Element des lichtung-Verlags waren und sind allerdings die Bucheditionen ostbayerischer Autoren mit bayerischen Gedichten, Satiren, Belletristik und Sachbüchern, immer mit viel Lokalkolorit und kantige Positionen.

„Die Themen gehen nicht aus“

2010 wurde dieses Engagement mit dem „Bayerischen Kleinverlagspreis“ honoriert. Inzwischen umfasst der Verlag 20 Stammautoren und über 130 Artikel. Harald Grill veröffentlichte seine Mundartgedichte. Otto Schwerdts „Als Gott und die Welt schliefen“, ein Sachbuch über den Holocaust aus der Sicht eines Ausschwitzüberlebenden, wurde mit 40 000 Verkaufsexemplaren zum Bestseller des „lichtung-verlags“. Junge unbekannte Autoren bekamen in „Herzwortschlägen“ 2012 ein Forum. Mit dem Lyrikband „ Vastehst me“ entstand 2014 eine Anthologie bayerischer Gedichte aus den letzten 40 Jahren. Herzstück des Verlags sind die ReiseLeseBücher, die inzwischen über „Böhmen. Blick über die Grenze“, den „Bayerischen Wald“ „Oberpfalz“, „Niederbayern“ „München“, „Böhmerwald“ „Regensburg“ vorliegen und zusätzlich als Bildbände für den „Bayerischen Wald“ und „Niederbayern“ erschienen. Ende 2013 zog sich Hubert Ettl aus dem aktiven Verlagsleben aus Altersgründen zurück. „Nochmal 30 Jahre“ wünscht er der „lichtung“. Eva Bauernfeind und Kristina Pöschl führen das Magazin und den Verlag engagiert weiter.

Schon 2004 hatte Bauernfeind die Geschäftsleitung übernommen: „Die Themen gehen uns nicht aus“. Aber sie wünscht sich noch mehr Abonnenten. Kristina Pöschl begann vor zehn Jahren, sich Schritt für Schritt in die Verlagsarbeit einzuarbeiten. Sie ist begeistert, „wie viele Künstler hier tätig sind, wie sehr sich Menschen jeden Alters hier kulturell engagieren. Durch das Magazin ist ein großes Netzwerk entstanden. Die ,lichtung‘ vernetzt Menschen.“

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