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Kultur
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Theater

Behörden fordern Hausarrest für Serebrennikow

Der Theatermacher Kirill Serebrennikow steht in Moskau vor dem Haftrichter. „Lasst Kirill frei!“ rufen Menschen im Gerichtssaal. Doch die russischen Behörden bleiben hart gegen den Künstler.

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow 2015 in Stuttgart. Foto: Bernd Weissbrod

Moskau.Nach der Festnahme des russischen Starregisseurs Kirill Serebrennikow haben Ermittler und Staatsanwaltschaft Hausarrest gefordert.

Es bestehe Fluchtgefahr, argumentierten die Behördenvertreter am Mittwoch vor dem Haftrichter in Moskau. Das Staatliche Ermittlungskomitee wirft Serebrennikow vor, 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) staatlicher Gelder unterschlagen zu haben.

Der international anerkannte Theatermacher Serebrennikow wies alle Vorwürfe zurück und verlangte seine Freilassung. In Stuttgart soll der 47-Jährige ab September eine Oper inszenieren. Die Festnahme des regierungskritischen Künstlers hat Schockwellen durch die russische Kulturszene geschickt und ist auch international scharf kritisiert worden. Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, äußerte sich besorgt.

Wann über die Anträge entschieden wird, darüber gab es zunächst keine Angaben. Die Verteidigung beantragte, Serebrennikow gegen eine Kaution in Höhe des angeblichen Schadens auf freien Fuß zu setzen. „Hausarrest ist eine unbegründet harte Maßnahme, die es mir nicht erlaubt, meine Arbeit fortzusetzen“, sagte der Regisseur. Er war am Dienstag in St. Petersburg aus den Dreharbeiten zu einem Film heraus festgenommen worden. Im Gerichtssaal riefen Zuschauer: „Lasst Kirill frei!“. Vor dem Gebäude hatten sich Hunderte Menschen versammelt, um eine Freilassung zu fordern.

Zahlreiche russische Kulturschaffende erklärten sich bereit, für Serebrennikow zu bürgen. Die Witwe des Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn, Natalja Solschenizyna, die Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja, die Regisseure Fjodor Bondartschuk und Jewgeni Mironow und andere unterzeichneten ein entsprechendes Schreiben. In einer Online-Petition forderten bislang 14 000 Menschen ein Ende des Verfahrens.

Die Justiz stuft den Fall aber als besonders schweren Betrug ein. Darauf stehen im russischen Strafrecht hohe Geldstrafen oder bis zu zehn Jahre Haft. Es geht um ein staatlich subventioniertes Projekt, um russisches Theater populärer zu machen. Serebrennikow und seine Mitarbeiter in der Produktionsfirma „Siebtes Studio“ hätten dabei bewusst zu hohe Kosten angesetzt und das restliche Geld unterschlagen, teilten die Ermittler mit.

Der Staatsoper Stuttgart bereitet die Festnahme große Probleme. Serebrennikow soll dort ab Mitte September die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ inszenieren. Es ist die erste Opernpremiere der Saison mit Termin 22. Oktober.

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