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Kultur
Mittwoch, 18. Oktober 2017 20° 2

Medaille

Bezirksmedaille für Ludwig Bäuml

Der Maler, Objektkünstler und BBK-Vorsitzende Ludwig „Wigg“ Bäuml aus Kallmünz erhält die höchste Auszeichnung, die der Bezirk Oberpfalz zu vergeben hat.
Von Ulrich Kelber, MZ

  • Ludwig Bäuml ist ein kreativer und kritischer Kopf. Zur heimischen Kulturpolitik nimmt er kein Blatt vor den Mund. Foto: altrofoto.de
  • Die Installation „Prophezeiungen 2“
  • „Heimatsuche 1“
  • Aus der Serie „Fragmente“

Regensburg.Seinen „Berufsdram“ hat Ludwig Bäuml in einem Gedicht so beschrieben: „Bandnchef wollte imma wern, va di Maakara, weil d‘ Maakara di schtirkste Bande worn in Waldthurn.“ Eine Art Bandenchef ist er tatsächlich geworden. Seit zwölf Jahren ist Bäuml Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern/Oberpfalz. Mit fast 300 Mitgliedern ist der BBK eine starke Organisation. Aber die Künstler haben auch schwer zu kämpfen – um Anerkennung, um Aufträge, um Existenzsicherung.

Für sein Engagement wird der in Kallmünz lebende Maler und Objektkünstler jetzt geehrt. Er erhält am 19. März die Bezirksmedaille. Sie ist – so betont der Bezirkstag – „die höchste Auszeichnung, die der Bezirk Oberpfalz zu vergeben hat. Sie wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich große Verdienste um die Oberpfalz erworben haben. Die Zahl der lebenden Inhaber darf 50 nicht überschreiten.“ In der Begründung heißt es, dass Bäuml „kompetent die Kultur- und Heimatpflege des Bezirks mit seinem Sachverstand“ berate und dass er als Juror mitwirke, wenn es um „Kunst am Bau“ gehe.

Harte Zeiten für Freischaffende

Aber gerade dieser Bereich bereitet Bäuml zunehmend Sorge: „Die Projekte für Kunst am Bau sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen.“ Das gelte nicht nur für den staatlichen sondern auch für den kommunalen Bereich, wo es oft zudem schwierig sei, bei den Gemeinderäten „künstlerische Qualität durchzusetzen“. Bäuml beklagt: „Für die Kollegen ist das schon hart, denn freischaffende Künstler müssen ja von etwas leben.“ Bäumls Erfahrung: „Man muss sich immer wieder dafür einsetzen, dass Mittel für Kunst am Bau bereitgestellt werden.“ Junge Mitarbeiter in den Baubehörden hätten nicht immer das nötige Verständnis und es sei mühevoll, sie von der Wichtigkeit der Kunst zu überzeugen. Auch bei manchen Ausstellungsangeboten ist Bäuml skeptisch, denn oft seien keine Ankäufe eingeplant, so dass das für Künstler nur bedeute: „Außer Spesen nichts gewesen.“

Selbst in Regensburg sieht der BBK-Vorsitzende die Künstler in eine Stiefkindrolle gedrängt. Es fehle das Interesse an zeitgenössischer Kunst, die Stadt zeige wenig Engagement. Er sei „sehr traurig“ über das Scheitern eines Kunstzentrums in dem alten Schlachthofgebäude. Für das dort jetzt entstehende Kongresszentrum übernehme die Stadt das erwartete jährliche Defizit von 600 000 Euro „aus der Portokasse“. An dieser Summe sehe man, wie es in Regensburg „um die Wertigkeit der Kunst“ bestellt sei. Bäuml ärgert sich darüber, dass „keine eigenen Gedanken vom Kulturreferat kommen.“ Er will aber nicht locker lassen und mit anderen Künstlergruppen nun neue Vorschläge ausarbeiten, wie in Regensburg doch noch eine Kunsthalle realisiert werden könne.

Ob bei so viel ehrenamtlichem Engagement die eigene künstlerische Arbeit auf der Strecke bleibt? Diese Angst muss man bei Bäuml nicht haben, selbst wenn er einräumt, dass zuletzt „die Malerei ein bisschen in den Hintergrund geraten ist.“ Doch zurzeit arbeitet er an einer Bilderserie zum Thema Malaysia, wo es „um Nähe, Heimat und Ferne“ geht. Seine Bilder entstehen ohne Skizze, sondern „entwickeln sich auf der Malfläche“. Ihm sind „haptische Erfahrungen“ wichtig, so dass unter die Farben häufig Naturmaterialien wie Sand und Asche gemischt werden.

Im Schutt findet er magischen Zauber

Die Begeisterung für das vermeintlich Unscheinbare und Wertlose ist für Bäuml typisch. Er ist ein Sammler, der seine Fundstücke dann zu Objekten arrangiert, von denen ein magischer, fast sakraler Zauber ausgeht. Zuletzt waren von ihm in Regensburg verblüffende Skulpturen zu sehen, bei denen er Gusseisen mit Drahtgeflechten kombinierte. Das Eisenmaterial – den erkalteten Überlauf aus den Gussformen zu verschiedenen Werkstücken – hatte er in der Carolinenhütte entdeckt. Aus Abfall wurden Kunstwerke. Und im Haus der Kunst in München zeigte Bäuml vor einiger Zeit einen Kubus, der aus alten Zimmertüren zusammengesetzt war. Es war eine „sprechende“ Installation, denn vom Band waren Texte zu hören, die Bäuml in seiner heimatlichen Waldthurner Mundart aufgenommen hatte. An der Reaktion der Ausstellungsbesucher hatte Bäuml seine Freude: „Für viele war das nicht verständlich und deshalb befremdlich. Die wollten wissen: Was ist das, was steckt dahinter.“ Der Künstler, der bereits eine ganze Reihe von Dialekt-Texten veröffentlicht hat, will künftig wieder mehr schreiben und durch die Einbeziehung von Sprache seine Bildwerke zu Multi-Media-Objekten machen.

Bäumls nächsten Pläne: Im Oktober und November wird er ans Virginia-Center in den USA gehen, das seit vielen Jahren ein Austauschprogramm mit dem Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf unterhält. „Darauf freue ich mich“, erzählt er: „Daheim in meinem Atelier habe ich immer viele Materialien um mich herum. Das habe ich dort nicht. Dieser Verzicht kann interessant werden. Zeichnet man dann vor allem oder was macht man?“ Man darf neugierig auf die Ergebnisse sein, die er von diesem Studienaufenthalt mitbringen wird.

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