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Kultur
Montag, 29. Mai 2017 30° 2

Ausstellung

Bilder, in denen man sich verfangen kann

Jasmin Schmidt zeigt im Neuen Kunstverein ihre komplexen Malereien. Die Bilder haben meist weder Anfang noch Ende.
Von Gabriele Mayer, MZ

Erinnert an eine Bienenwabe: „Guirlande d’amour“ Foto: Jasmin Schmidt

Regensburg.Die großformatigen Bilder leuchten. Sie scheinen aus sich herauszutreten, und man meint, darin zu versinken, nein, eher sich zu verfangen. Denn über all der Dichte mit feinst nuancierter Tiefenwirkung liegt stets eine großangelegte geometrische Struktur, meist in eindeutiger Farbgebung: gelbe Wabenformen oder, auf dem Bild daneben, rote Quadrat-Umrisse oder dunkelgrün irisierende Girlanden. Die Bilder halten aufgrund dieser ornamentalen Strukturen immer auch die Distanz des flächig Bildhaften aufrecht und vermitteln die Idee des Zeichnerischen.

Einfügungen und Überblendungen

Das Material, auf dem Jasmin Schmidt malt, ist meist beschichteter Nessel und hat eine gewisse Weichheit und Texturhaftigkeit. Und manches – vor allem auf den kleinformatigen Arbeiten der Ausstellung im Neuen Kunstverein –, was auf den ersten Blick als Linie anmutet, ist gefaltet, zusammengenäht, weggeschnitten. Es gibt Einfügungen, Überblendungen.

Die Künstlerin spielt zudem mit den Themen der Malerei, wie etwa dem der Räumlichkeit. Aber schließlich gehen all diese Einflüsse in ihrer eigenen Art zu malen auf, sagt sie. Bis das Bild fertig ist. Aber was ist ein gutes Bild? „Es passt in die Zeit“, sagt Jasmin Schmidt. Der besondere Reiz ihrer Arbeiten bleibt weitgehend unnennbar, liegt aber auch in einer Art Berührbarkeit und Umgänglichkeit im metaphorischen Sinne der Worte.

„Das Bild ist ein neuer Ort“

Die Bilder haben meist weder Anfang noch Ende, sie hören in ihrer fortlaufenden Strukturierung einfach am Rand auf. Denn Jasmin Schmidt will nicht etwas aus unserer Außenwelt abbilden, darstellen oder erzählen. Aber bei manchem denkt man eben an Bienenwaben oder an Glaselemente und Glaskaskaden, die grün schimmern. Doch die Künstlerin sagt zu ihren Werken: „Das Bild ist der Ort, auf den es ankommt. Ein neuer Ort.“

Angeregt wurde sie zu dieser Serie durch die geometrisch gemusterten Cover einer Jugendbuchreihe aus den 70er-Jahren. Jasmin Schmidt ist Jahrgang 1981 und lebt in Flossenbürg und Nürnberg. Sie ist Assistentin bei Prof . Hartmann, dessen Klasse an der Nürnberger Akademie derzeit eine eigene Ausstellung im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein bestreitet. Zunächst aber absolvierte sie das Studium „Kultur und Gesellschaft Afrikas“.

Eigenständig in der Wirkung

Oft wirken bei Künstlern, die das große Format bevorzugen, die kleinformatigen Arbeiten, die natürlich preisgünstiger sind, eher wie Fingerübungen. Bei den Kleinformaten Jasmin Schmidts ist das allerdings völlig anders. Sie sind nicht weniger komplex und bewegt als die großen und ebenso eigenständig in ihrer Wirkung. Auch hier gibt es viele Farbschichten, die sich überlagern, stören, ergänzen, formieren und deformieren und quasi einen eigenen Organismus bilden. Und auch hier gibt es das kontrastreiche Spiel zwischen der Oberflächenstuktur und dem Dahinterliegenden.

Die Ausstellung im Neuen Kunstverein, Schwanenplatz 4, dauert noch bis zum 24. Juni. Die Öffnungszeiten: Donnerstag bis Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 12 bis 15 Uhr.

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