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Kultur
Samstag, 25. November 2017 4

Kino

Bunte Bilder in Kanadas Öde

Ein großer kleiner Film: Mit „Maudie“ gelingt das berührende Porträt der Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis.
Von Fred Filkorn, MZ

Everett Lewis (Ethan Hawke) und Maud Lewis (Sally Hawkins) in „Maudie“ Foto: Duncan Deyoung/NFP/dpa

Regensburg. „Ich bin geliebt worden“, sind Maud Lewis letzte Worte, ehe sie im Alter von nur 67 Jahren stirbt. Die irische Regisseurin Aisling Walsh hat der kanadischen Folk-Art-Künstlerin einen Film gewidmet, der sich ganz auf die Liebe zwischen Maud und Everett Lewis konzentriert, zwei gesellschaftlichen Außenseitern. Maud kann infolge einer Erkrankung im Kindesalter nur langsam gehen und hat verkrüppelte Hände. Everett ist ein verschrobener Eigenbrötler, der ein Schulgebäude vermutlich niemals von innen gesehen hat. Als der Hausierer für sein karges, kleines Holzhäuschen eine Haushälterin sucht, packt Maud die Gelegenheit beim Schopf, auch um ihrer missgünstigen Tante zu entfliehen. Nach und nach entspinnt sich zwischen den beiden Sonderlingen eine zärtliche wie unbeholfene Liebe. Sally Hawkins („Happy Go Lucky“) und Ethan Hawke („Boyhood“) interpretieren ihre Figuren auf so feine, zurückhaltende Weise, dass es eine wahre Freude ist, ihnen zuzuschauen.

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„Maudie“ beginnt in den 1930ern und ist in der Provinz Nova Scotia angesiedelt. Die Halbinsel an der Ostküste Kanadas ist ganz den Launen des Atlantikwetters ausgesetzt, die Winter kalt, der Sommer mückenverseucht. Die Kamera von Guy Godfree hält den rauen Charme der Küstenlandschaft in blau-grauen Bildern fest, die eine Atmosphäre der entbehrungsreichen Abgeschiedenheit verbreiten. Die Aufnahmen in der dunklen Holzhütte werden nicht durch künstliches Licht verfälscht. Im Kontrast dazu stehen die bunten, naiven Malereien von Maud Lewis, die anfängt, den gesamten Innenbereich der Hütte mit farbenfrohen Motiven zu bemalen: Blumen, Vögel, Menschen, Tiere. Die Bilder gewähren einen Einblick, wie positiv die körperlich beeinträchtigte und gesellschaftlich ausgegrenzte Frau ihre Umwelt sieht. Auch als Mauds Arbeiten von einer New Yorker Kunst-Lady entdeckt werden und das kanadische Fernsehen einen Bericht dreht, verliert Maud Lewis nichts von ihrer beeindruckenden Bescheidenheit.

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Der Film hätte leicht zu einem oberflächlichen Feelgood-Liebesdrama verkommen können. Regisseurin Walsh verleiht ihm mit ihrer naturalistischen Bildgestaltung, einem subtilen Soundtrack und der ernstzunehmenden Figurenzeichnung eine Wahrhaftigkeit, die „Maudie“ zu einem großen „kleinen“ Film macht.

Die bemalte Hütte, die heute als Maud Lewis’ Magnus Opum gilt, wurde nach Jahren des Verfalls von der Provinz Nova Scotia gekauft und ist heute als Teil einer Dauerausstellung mit Maud Lewis’ Arbeiten in Halifax zu sehen. Am ursprünglichen Standort wurde ein Denkmal des Hauses aus Stahl errichtet.

„Maudie“ läuft ab 26. Oktober im Regina Filmtheater, Holzgartenstraße

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