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Kultur
Freitag, 24. November 2017 13° 3

Jubiläum

Das Kunstforum sucht Zukunft

50 Jahre nach Gründung der Stiftung tastet sich das Regensburger Haus an ein neues Profil heran – und an einen neuen Namen.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Dr. Wolfgang Schörnig, Hansjürgen Gartner, Joachim Wolbergs, Dr. Agnes Tieze, Dr. Peter Becher und Prof. Walter Koschmal (von links) mit Anna, Lina und Charlotte Foto: altrofoto.de
  • Die drei Juniorgästeführerinnen verteilen Wortkarten mit Emotionen, die den Figuren im Bild zugeordnet werden sollen. Foto: altrofoto.de

Regensburg. „Juwel Ostbayerns“ und „treibende Kraft im kulturellen Verständnis zwischen Deutschland und den Nachbarländern“: So und ähnlich gratulierten am Donnerstagabend Förderer und Fans dem Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Das Museum feierte mit rund 300 Gästen 50 Jahre Stiftungsgründung.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs betonte den einzigartigen Rang des Hauses, das mit 2000 Gemälden, 500 Skulpturen und 30 000 Grafiken die größte Sammlung Ostbayerns besitzt. Zum hochkarätigen Bestand gehören Werke etwa von Lovis Corinth, Max Pechstein, Oskar Kokoschka oder Sigmar Polke. Jeder zweite Besucher kommt aus mindestens 100 Kilometern Umkreis. Das Haus habe sich hervorragend entwickelt, gratulierte Wolbergs.

„Das Kunstforum kann sich heute aussuchen, mit wem es zusammenarbeiten will“, verbeugte sich Ministerialdirigent Eugen Turi, der Bayerns Sozialministerin Emilia Müller vertrat, vor der exzellenten Arbeit am Haus. Hier erlebe man die vielfältige Wechselbeziehungen von Kultur in Ost und West und auch, welche Zäsur die Spaltung Europas durch den Eisernen Vorhang bedeutet hat. „Das Kunstforum führt tief in die Wechselbäder europäischer Geschichte.“ Es mache deutlich, dass Freiheit der Kunst eine elementare Grundlage der Gesellschaft ist.

Viele vermuten hier DDR-Kunst

Festredner Professor Dr. Walter Koschmal beließ es nicht beim Blick zurück. Er spannte den Zukunftshorizont weit auf: Ein neuer Name, intensive Kooperation mit Hochschulen, der Fokus auf der Präsentation aktueller Kunst der östlichen Nachbarn und die zeitgemäße Kunstvermittlung in einer digitalen Welt: Vier Punkte kreiste der Slavist bei der Soiree ein. Bei KOG-Direktorin Dr. Agnes Tieze und Vorstandsvorsitzendem Dr. Wolfgang Schörnig rannte er offene Türen ein.

Der politische Auftrag wechselte

Das KOG hat Erklärungsbedarf. Das beginnt beim Namen, der sich auf die Kulturlandschaften der einstigen deutschen Siedlungsgebiete im Osten bezieht, bei dem Außenstehende aber überwiegend an Kunst aus der ehemaligen DDR denken. Als „Kunstforum Ost-West“ könnte das Haus seine Zielgruppen besser erreichen, meinte Koschmal – ein Gedanke, bei dem Raunen durch den Saal ging.

Der Festredner bei der Soiree im Kunstforum: Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Koschmal, Lehrstuhl für slavische Philologie, Literatur- und Kulturwissenschaft, Universität Regensburg Foto: altrofoto.de

Der politische Auftrag an „die Ostdeutsche“ verlangt große Breite, und er wechselte seit 1966 immer wieder. Trotz der hohen Heterogenität entstehe langsam etwas homogenes Ganzes, so Koschmal. Ein Papier zur Ausrichtung der Vertriebenen-Museen, das Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Februar vorlegte, ermögliche jetzt ein neues Profil. Es lenke den Blick in die Zukunft, von der eigenen Vergangenheit auf die gemeinsame, multikulturell geprägte Geschichte, und es erlaube, nationale Erinnerungskonkurrenz zu überwinden. Der Ansatz etwa, sich jüdischer Kunst im Osten zu widmen, wurde vom bisher festgelegten regionalen Auftrag an das KOG verdeckt.

Stiftung Ostdeutsche Galerie

  • Der Auftrag:

    Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie erfüllt einen bundesweitem Auftrag: Es beschäftigt sich mit dem Werk von Künstlern, die aus den historischen deutschen Ostgebieten und den einstigen deutschen Siedlungsgebieten im östlichen Mitteleuropa stammen, dort tätig waren oder sind oder sich mit ihrer Arbeit diesen Gebieten verpflichtet fühlen. In Deutschland ist das KOG ist die einzige Institution dieser Art.

  • Die Stiftung:

    Die Stiftung Ostdeutsche Galerie, am 16. November 1966 gegründet, basiert auf § 96 Bundesvertriebenengesetz: „Bund und Länder haben ... das Kulturgut der Vertreibungsgebiete im Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslands zu erhalten und Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern.“

  • Das Jubiläum:

    Das Kunstforum feiert – und dazu ist bis Sonntag, (20. November) der Eintritt frei. Die Sonderausstellung widmet sich Daniel Spoerri (bis 26. Februar). Bis 22. Januar präsentiert die Grafik-Sammlung kunstvoll gestaltete Speise-, Wein- und Einladungskarten. Kinder zeichnen ein Maskottchen für das KOG: am Samstag (19. November, 14 Uhr). Eine Jury wählt das Bild, das das „Koggi“ am besten trifft.

Das Haus muss den Spagat meistern, wachsendes Publikum anzuziehen und wissenschaftlichem Anspruch zu genügen. Koschmal pries die Kooperation mit Hochschul-Instituten. Regensburg mit seinem bundesweit sichtbaren Forschungsschwerpunkt Südosteuropa biete sich ideal an. Eine Professur, meinte Tieze später, könnte helfen, den wissenschaftlichen Auftrag ans KOG abzudecken, und dem Haus gleichzeitig gestatten, sich voranging seiner Rolle als Kunstmuseum zu widmen.

Interaktive Kunstvermittlung: Lina, Anna und Charlotte erklärten den Gästen im Kunstforum Ostdeutsche Galerie ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Foto: altrofoto.de

Wie die Kunst junge Besucher erreicht, demonstrierten bei der Soirée Schülerinnen: Anna, Lina und Charlotte erklärten ausgesprochen professionell und lebendig ein Gemälde von Carl Wilhelm Hübner von 1855. Kindern ist auch eine Jubiläumsaktion am Wochenende gewidmet: Sie zeichnen ein Maskottchen für das KOG: am Samstag (19. November, 14 Uhr). Eine Jury wählt das Bild, das das „Koggi“ am besten trifft. Das Kunstforum feiert bis Sonntag, (20. November) bei freiem Eintritt. Die Sonderausstellung widmet sich Daniel Spoerri (bis 26. Februar). Bis 22. Januar präsentiert die Grafik-Sammlung kunstvoll gestaltete Speise-, Wein- und Einladungskarten.

Einen Beitrag zur Geschichte des Kunstforums und der Stiftung lesen Sie hier.

Weitere Beiträge aus der Kultur finden Sie hier.

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