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Kultur
Mittwoch, 13. Dezember 2017 11

Publikumspreis

Das Wilde Bayern liebt Tanz und Nashorn

Münchner Tanz-Company und das kleine Theater an der Rott sahnen beim Finale des Festivals in Regensburg groß ab.
Von Marianne Sperb, MZ

Regisseur Markus Steinwender aus Eggenfelden mit Lebkuchenherz und Publikumspreis Foto: altrofoto.de

Regensburg. Mit Kanonenschüssen, Dosensekt aus der Wanne, Lebkuchenherzen und Hasenkeule endeten am Freitagabend die Bayerischen Theatertage. 35 Bühnen zeigten von 28. Mai bis 10. Juni in rund 50 Inszenierungen die Vielfalt und die Faszinationskraft der bayerischen Theater. Das Theater Regensburg erhielt bei der finalen Party auf der Bühne am Bismarckplatz von allen Seiten Dank als großartiger Gastgeber eines rundum gelungenen Festivals. „Es hat süchtig gemacht“, bekannte Intendant Jens Neundorff von Enzberg. Und: Seiner Meinung nach vertrage Regensburg auch ein fünftes Mal Theatertage. Neundorff gab die Stafette ans Theater Hof weiter, das 2017 Gastgeber sein wird.„Wildes Bayern“ lockt 14 000 Besucher

Das Fazit zum Wilden Bayern lesen Sie hier.

Mit Spannung wurde die Kür der Preisträger 2016 erwartet. Das Theater an der Rott, eines der kleinsten Häuser im Freistaat, sahnte groß ab. Intendant Dr. Uwe Lohr nahm den „Zündstoff“-Preis vom Arbeitskreis der Kinder- und Jugendtheater Bayern entgegen. Die Auszeichnung würdigt das neue Kinder- und Jugendtheater in Eggenfelden; „Junge Hunde“ brachte in ihrer ersten Saison 110 Vorstellungen auf die Bühne und hatte 8000 Zuschauer. Vier Schauspieler und zwei Theaterpädagogen bestreiten den Spielplan für Menschen ab vier.

Einen Leitartikel zu den Theatertagen lesen Sie hier.

Die Eggenfeldener holten mit dem Stück „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ auch den Publikumspreis der Jugendsparte, gestiftet von 24 Autobahnraststätten. Markus Steinwender hat die wahre Geschichte um den Zoo von KZ Buchenwald inszeniert. Der Regisseur wertete den Preis auch als Bestätigung seiner Überzeugung, dass junges Publikum – nicht nur in Regensburg und anderen Städten mit großen Häusern – einen Anspruch hat auf professionelles Theater, das neue Sichtweisen vermittelt.

Eindrücke von den Theatertagen sehen Sieh bei uns im Newsblog.

Den Publikumspreis des Abendspielplans, gestiftet von Zahnarzt Dr. Michael Blank, gewann die Junior Company II des Bayerischen Staatsballetts. Die Choreografien „Allegro Brillante, Three Loves, Distanz, The New 45“ fanden hingerissene Zuschauer. „Absolut geil“, „einfach umwerfend“ oder „mega mega mega“ kommentierte das Publikum auf Stimmzetteln den Tanzabend, oder auch: „Avantgarde meets classic – and wins.“

Ein Video zum Fazit der Theatertage sehen Sie hier

Video: Sperb

Die Regensburger Produktionen schlugen sich sehr respektabel im Ranking des Publikums: „NippleJesus“ von Jona Manow und „I’m afraid of what you do in the name of your god“, inszeniert von Maria-Elena Hackbarth, belegten in den beiden Sparten jeweils die zweiten Plätze.

Ein Video von der Eröffnung der Theatertage sehen Sie hier

Der letzte Abend im „Wilden Bayern“ präsentierte mit „pest“ ebenfalls eine Regensburger Produktion. Im großen Haus gastierte das Metropoltheater München mit „The Black Rider“ von Tom Waits und Robert Wilson. Der wilde Mix aus Varieté, Revue, Oper, Step, Artistik, Kinderspiel und Musik wurde vom Publikum wild gefeiert. Der Saal tobte.

Auf Mittelbayerische Maps finden Sie alle Bühnen und Programmpunkte der Bayerischen Theatertage:

Kommentar

Eine tragende Rolle

Regensburg hat zwei Wochen lang Theater in all seinen Facetten erlebt: poetisch, hemmungslos, geschichtsbewusst, klug, schrill, in grandiosen Bildern und...

Fakten aus dem Wilden Bayern

  • Die Tradition:

    Regensburg war zum vierten Mal Schauplatz der Bayerischen Theatertage: nach 1998, 2004 und 2010. Gründungsväter des Festivals waren Professor August Everding und Ernst Seiltgen, damals Intendant in Ingolstadt. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, die vielfältige Theaterlandschaft jedes Jahr an einem anderen Ort zu präsentieren. Ab 2017 finden die Theatertage nicht mehr jährlich, sondern alle zwei Jahre statt, so der aktuelle Beschluss der Bayerischen Intendantentagung.

  • Die Jungen:

    „Wildes Bayern“ legte einen Schwerpunkt auf das Junge Theater. 20 der rund 50 Inszenierungen kamen aus der Sparte Kinder- und Jugendtheater. Im Rahmen des Festivals tagte außerdem der Arbeitskreis der Kinder- und Jugendtheater in Bayern. In einer öffentlichen Diskussionsrunde befasste sich der AK mit dem Spannungsfeld von Kunst und Kommerz. Im Zentrum stand der Austausch über die gezeigten Produktionen und die Kür des „Zündstoff“-Preisträgers.

  • Der Dauermodus:

    35 Theater-Ensembles reisten mit rund 50 Inszenierungen in Regensburg an. 700 Theaterleute waren zu Gast. Das Publikum konnte im Hauptprogramm 83 Stunden oder 3,5 Tage nonstop Theater in all seinen Formen erleben: in Schauspiel, Tanz, Musical, Oper, Komödie, Recherche und Reenactment, viele mit Einführung und Nachspiel. Als Special präsentierten die Regensburger Gastgeber ab 22 Uhr Lesungen, Klassik-Karaoke, Jazz, Pop, Disco und Konzert-Kabarett.

  • Die Viecherei:

    Mit Festival-Maskottchen Bugs Bühny – einem verkappten Wolpertinger – begegnete das Publikum im „Wilden Bayern“ einer bunten Menagerie: Kängurus, Paviane, Mufflons, Zebras, Murmeltiere, Bären, Schlangen, Füchse, Hunde, Fische, Wildgänse, Rehe, Pinguine, Maulwürfe, Hühner, Seepferdchen, Holzpferde und Seeungeheuer waren bei den Gastspielen anzutreffen. Mehr als 100 Fahrzeuge schafften geschätzte 375 Tonnen Material und Dekoration nach Regensburg.

Video: MZ

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