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Kultur
Freitag, 24. November 2017 13° 2

Drehorgel

De Strawanza: Ganz neue Töne

Die Guerilla-Musikanten, die 2014 noch inoffiziell in der Regensburger Fußgängerzone spielten, eröffnen das Jazzweekend.
Von Fred Filkorn, Mz

Im vergangenen Jahr waren De Strawanza schon beim Regensburger Jazzweekend zu hören. Sie waren auf eigene Faust angereist. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Drehorgel – da denkt jeder erst einmal an den Jahrmarkt, an den heimeligen Soundtrack zu gebrannten Mandeln und Zuckerwatte. Dass es auch ganz anders geht, beweist das Ensemble De Strawanza aus dem oberösterreichischen Mühlviertel. Susanne Obereder entlockt ihrer Drehorgel Klänge, die bestens zu Swing, Tango oder Bolero passen. Dabei ist das Arrangieren der Stücke nicht ganz einfach, wie ihr Saxophon spielender (Lebens-)Partner Mathi Kainz verrät: „Bei der Drehorgel muss man mit etwa 30 Tönen auskommen, das Klavier beispielsweise hat 88“.

Das Duo hat seine Drehorgel deshalb um drei Töne erweitert und mit Michal Karbowski und Darek Dzugan Musiker dazu geholt. Gitarre und Kontrabass vergrößern das Klangspektrum im oberen wie unteren Frequenzbereich. Die Polen haben sie bei einem Straßenmusikauftritt in Konstanz kennengelernt.

Eine alte Schreibmaschine stanzt die Löcher

Am Bodensee hat das Strawanza-Paar auch seine 35 Jahre alte Raffin-Drehorgel gefunden. In Überlingen lebt der 84-jährige Josef Raffin, dessen Familie seit 1875 Drehorgeln baut. Reparaturen lassen De Strawanza hier durchführen, kleinere Arbeiten machen sie selbst.

Die Lochstreifen für die Drehorgel stellen sie ebenfalls selbst her: Das bis zu 15 Meter lange Papier wird am Computer entworfen. 10 000 Löcher werden dann über Tage an einer umgebauten Schreibmaschine herausgestanzt.

Studierte und eine Straßenmusikantin

Auch das Spielen der Drehleier ist knifflig. Obereder muss die Geschwindigkeit exakt treffen, um im Takt zu bleiben. Beim Spielen hat sie deshalb die Partitur stets ganz genau im Blick.

Sie ist die einzige waschechte Straßenmusikantin des Quartetts. Kainz hat am Wiener Konservatorium Jazz studiert, Karbowski und Dzugan in Breslau. Neben Standards spielen die Vier auch eigene Kompositionen.

Nachdem sie 2014 noch die Guerillataktik angewendet haben und als unangemeldetes Straßenmusiktrio das Weekend eroberten, stehen sie nun offiziell auf den Bühnen von Gewerbepark und Thon-Dittmer-Palais. Kainz freut sich darauf: „2014 habe ich gleich gemerkt, dass die Stadt voll ist mit musikbegeisterten Menschen.“

De Strawanza spielen am Donnerstag, 9. Juli, um 18 Uhr im Gewerbepark Regensburg und am Freitag, 10. Juli, um 20 Uhr im Thon-Dittmer-Hof.

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