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Kultur
Montag, 26. Juni 2017 27° 5

Tagung

Der Augsburger Theaterkrieg macht Angst

Bürger protestieren gegen die Sanierung ihrer Kulturinstitution: Bayerns Intendanten fürchten, das könnte Schule machen.
Von Marianne Sperb, MZ

Ministerialdirigent Toni Schmid mit jungen Musikern bei den Theatertagen in Regensburg: Er äußerte sich besorgt über die Entwicklung in Augsburg. Foto: altrofoto.de

Regensburg.„Das könnte ein Flächenbrand werden.“ Intendant Jens Neundorff von Enzberg blickt mit Sorge auf den Augsburger Theaterkrieg. Das schwäbische Haus, in den 1960ern letztmals generalüberholt, muss dringend saniert werden – aber Bürger protestieren.

Das Theater, das auch Sicherheitsbestimmungen nicht mehr entspricht, sollte für den Umbau ab 2017 schließen. Nach einem Ernstfall-Check der Feuerwehr vor knapp zwei Wochen kam Knall auf Fall das vorzeitige Aus: Ab 19. Juni ist „Schicht im Schacht“, voraussichtlich bis 2022. Die nächste Spielzeit hängt in der Luft, Intendantin Juliane Votteler muss von heute auf morgen eine Ausweichspielstätte für 600 Zuschauer suchen.

„Was da grade abläuft, ist einfach nicht nachvollziehbar.“

Intendant Jens Neundorff

Die Augsburger Stadtspitze trägt die Sanierung mit und plant rund 90 Millionen Euro ein, der Freistaat zieht mit und will gut 100 Millionen Euro geben – aber bei der Bürgerschaft formiert sich Widerstand. Während in anderen Städten die Menschen auf die Barrikaden gehen, wenn ihr Theater in Gefahr ist, ist es in Augsburg genau andersherum. Eine Gruppe durchaus kulturell interessierter Augsburger will das Projekt mit einem Bürgerbegehren verhindern: Sie hält, so Medienberichte, die Pläne für überzogen und findet das Geld in anderen Bereichen besser investiert.

Verfolgen Sie die Theatertage bei uns im Newsblog.

Der Fall war zentrales Thema bei der Intendanten-Tagung in Regensburg. Im Rahmen der Theatertage zurrten 17 Theaterchefs Leitlinien fest. Die Situation in Augsburg macht ihnen Angst: „Was da grade abläuft, ist einfach nicht nachvollziehbar. Weil dieser Protest aus der bürgerlichen Mitte kommt“, so Neundorff zu unserer Zeitung. Bisher kenne man solche Abwehrreaktionen eher von den Rändern der Gesellschaft.

Mehr über die Eröffnung der Theatertage: hier

Auch Ministerialdirigent Toni Schmid warnte beim Festivalauftakt vor der Entwicklung. „Da muss was passieren. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Schule macht“, darüber war sich die Intendantenrunde laut Neundorff einig. Die Theaterchefs wollen auf breiter Front für das Augsburger Haus eintreten.

Beiträge zum Theaterfestival lesen Sie hier.

Auch der zweite Fokus der Tagung lag auf den Finanzen. Die Theatertage sollen ab 2018 als Biennale statt jährlich über die Bühne gehen. Damit erhielte das Festival deutlich mehr Etat. Für „Wildes Bayern“ in Regensburg etwa stehen 270 000 Euro zur Verfügung (70 000 Euro vom Dt. Bühnenverein/ Landesverband, 200 000 Euro vom Kunstministerium). Mit dem Zweijahresturnus käme man auf 400 000 Euro. Neundorff: „Und so viel braucht man auch.“ Bühnenverein und Ministerium, so die Signale beim Regensburger Treff, ziehen mit.

Ein Video zu den Theatertagen sehen Sie hier.

Video: MZ

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