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Kultur
Montag, 25. September 2017 20° 3

Ausstellung

Der Menschenfreund aus Kallmünz

Eine Galeristin sorgt dafür, dass die Erinnerung an den 1983 gestorbenen Künstler Josef Georg Miller lebendig bleibt.
Von Ulrich Kelber, MZ

Josef Georg Miller und seine Frau eröffneten in Kallmünz auch ein Kinderheim. Deshalb sind Mädchen und Buben ein häufiges Motiv bei ihm.Foto: Kelber

Burglengenfeld.Der Nachruhm währt oft nur kurz. Das Werk vieler Künstler – sofern sie nicht zu den großen Berühmtheiten gehören, sondern nur eine regionale Bedeutung haben – gerät nach dem Tod leider schnell in Vergessenheit. Es sei denn, es gibt ein Museum oder eine Galerie, die sich intensiv um den Nachlass kümmern und Ausstellungen organisieren.

Diesen Glücksfall gibt es bei Josef Georg Miller, dem ungewöhnlichen und beachtenswerten Maler und Töpfer aus Kallmünz, der 1983 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Der Künstler war im dichten Nebel beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst worden. Miller, der fast taub war, hatte das herannahende Fahrzeug nicht hören können.

Seit mehreren Jahrzehnten kümmert sich die Regensburger Galeristin und Kunsthändlerin Christine Stadelmayer um das künstlerische Werk dieses Spätexpressionisten, zunächst in Zusammenarbeit mit Erna Miller und heute mit dem Adoptivsohn des Künstlerpaares. Dieser war auch dabei, als jetzt im Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld die von Galeristin Stadelmayer und Museumsleiterin Dr. Margit Berwig-Wittl konzipierte Ausstellung mit rund 50 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen Millers eröffnet wurde, hielt sich aber bescheiden im Hintergrund.

Liebenswerte Kinderbildnisse

Josef Georg Miller gehört zu den Künstlern der „verschollenen Generation“, denn in der Nazi-Zeit war ihm künstlerische Entfaltung und Karriere verwehrt geblieben. Miller, 1905 in Augsburg geboren, hatte zunächst eine Handwerkslehre als Zimmerer absolviert, bevor er 1926 das Studium an der Staatlichen Akademie in Leipzig bei dem vor allem als Grafiker hervorgetretenen Professor Hans Soltmann aufnahm. 1930 wechselte er an die Akademie in Stuttgart zu den Professoren Heinrich Altherr und Hans Spiegel, die ihn seinem Schaffen wohl stark beeinflusst haben. Altherr war ein Expressionist. Als seine Bilder in der NS-Zeit als „entartet“ beschlagnahmt und teilweise vernichtet wurden, zog er sich 1939 in sein Geburtsland Schweiz zurück. Auch Spiegel, in dessen Werk es kubistische Anklänge gab, eckte zunächst bei den Nazis an, passte sich dann aber willfährig dem Kunstgeschmack des Regimes an.

Die Ausstellung

  • Dauer:

    Die Ausstellung dauert noch bis zum 15. Oktober. Das Oberpfälzer Volkskundemuseum, das im ehemaligen „Pfleghaus“ aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist, findet sich in der Berggasse 3.

  • Öffnungszeiten:

    Geöffnet ist das Museum Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr.

Diesen Weg wollte Miller wohl nicht gehen. Er sei ein entschiedener Nazi-Gegner gewesen, wird von ihm berichtet. In dieser Situation nahm er 1941 ein weiteres Studium auf und ließ sich in München an der Akademie für angewandte Kunst zum Keramiker ausbilden. Hier lernte er seine spätere Frau Erna kennen, mit der er 1944 nach Kallmünz ging, um eine Töpferwerkstätte zu übernehmen. Nach 1945 nutzte Miller die neue Freiheit, widmete sich wieder der Malerei und gehörte 1946 zu den ersten Mitgliedern des neu gegründeten Berufsverbandes Bildender Künstler in Regensburg.

In frühen Arbeiten Millers sind die Farben eher düster und die Gestaltung wirkt gestisch und stark emotional. Später werden die Bilder flächiger und klarer, werden nun geprägt von leuchtenden Farben. Immer wieder malt Miller die Häuser und Straßen von Kallmünz in einer eigenwillig verzerrten, kubistisch geprägten Perspektive.

Liebenswert sind aber vor allem die Kinderbildnisse, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat. In der Not der Nachkriegsjahre hatte Erna Miller ein Kinderheim gegründet, das zeitweise bis zu 50 Mädchen und Buben beherbergte. Hier fand Miller seine Motive, malte schlafende Kinder, Mädchen beim Stricken oder konzentriert bei den Hausaufgaben, Buben am Esstisch oder übermüdet auf dem Sofa schlafend. Es geht um die Posen, Gesten und Körperhaltungen, weniger um individuelle Gesichtszüge.

Ein scheuer Einzelgänger

Friedlich und idyllisch wirken die Szenen, doch die Kallmünzer Wirklichkeit sah wohl nicht immer so aus wie auf diesen Bildern. In dem Ort gab es zu der Zeit gleich drei Kinderheime. Wie man von den Berichten ehemaliger Zöglinge weiß, gab es zumindest in einem davon – nicht dem Miller-Heim – Gewaltexzessen und Missbrauch.

Der Adoptivsohn der Millers denkt jedenfalls voller Dankbarkeit an seine Kinderjahre zurück. Erna Miller habe ihm das Leben gerettet, berichtet er. Im Alter von drei Wochen sei er ins Heim gekommen, von den Ärzten schon aufgeben. Doch Erna Miller sei es gelungen, das früh geborene, stark untergewichtige Baby aufzupäppeln. Von Josef Georg Miller erzählt er, dass der Maler ein Einzelgänger und aufgrund seiner Taubheit sehr scheu gewesen sei. Und er habe es gar nicht gemocht, wenn ihm die Kinder beim Malen zuschauten. „Macht’s euch fort“, habe der Künstler sie dann verscheucht. Aber die Bilder Millers verraten dann doch, dass er ein großer Menschenfreund gewesen sein muss.

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