mz_logo

Kultur
Sonntag, 2. Oktober 2016 24° 4

Bühne

Der Teufel ist noch der netteste Typ

Volker Schmalöer inszeniert am Regensburger Theater „Krach im Hause Gott“: Unter dem Witz lauern bohrende Fragen.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Volker Schmalöer, vor der Plakatwand im Theater-Foyer: Auf der Haidplatz-Bühne inszeniert der Kölner Regisseur „Krach im Hause Gott“. Foto: Sperb
  • Daniel Gawlowski, gefeierter Newcomer aus Furth im Wald: Er spielt in dem Stück „Krach im Hause Gott“ den Heiligen Geist. Am 19. Februar ist Premiere. Foto: Sabine Franzl/MZ-Archiv

Regensburg.Krieg, Armut, Ungerechtigkeit und Bosheit allerorten: Gott schaut auf seine Menschen und hat die Schnauze voll. Basta finito mit der misslungenen Gattung! Bevor dem Menschen der Garaus gemacht wird, will der Herr den Segen des Familienrats. Sohn Jesus, Stiefbruder Satan und Heiliger Geist verhandeln mit ihm die Zukunftsfrage. Die Vier streiten wie die Bürstenbinder – bis Maria auftaucht, die scheinbar festgefügte Gedankengebäude ins Wanken bringt und die Männerrunde aufmischt.

Der Tiroler Autor Felix Mitterer hat mit „Krach im Hause Gott“ 1994 ein modernes Mysterienspiel geschrieben, das sich den Trachtenmantel des Volksstücks umlegt und dabei grundlegende intellektuelle Fragen stellt. Wie wirken monotheistische Religionen in die Gesellschaft? Welche Rolle gestehen welche Kulturen Frauen zu? Welche Programme der Bibel sind für uns nutzbar?

Gott pocht auf gerechte Strafe, der Heilige Geist springt ihm bei, Jesus und Satan halten dagegen: Weil sie unter Menschen gelebt haben, wissen sie, wie die Welt funktioniert. Und überhaupt: Wer „Auge um Auge“ fordert, muss schließlich damit rechnen, dass Hauen und Stechen regieren. Und wer sagt, der Mensch soll sich die Erde untertan machen, der darf sich nicht wundern über die geschundene Natur.

„Ich bin sehr für das Intellektuelle, aber auch sehr fürs Volkstheater.“

Volker Schmalöer

Der Kölner Regisseur Volker Schmalöer inszeniert das Stück für die Bühne am Haidplatz. Er klopft die Echoräume ab, auf die Mitterers Werk heute, 20 Jahre nach der Entstehung, trifft. Der „Krach im Hause Gott“ platzt in eine Welt des Wandels – Stichwort: Migration – und kommt in der Domstadt Regensburg mit seiner überall präsenten Glaubenstradition auf die Bühne. Der Regisseur, der sonst vor allem für seine Klassiker-Inszenierungen gefeiert wird, gräbt in Mitterers Werk nach fundamentalen Fragen, will das Stück aber nicht verkopft inszenieren und dem Komödiantischen Raum lassen. „Ich bin sehr für das Intellektuelle“, sagt er, „aber auch sehr fürs Volkstheater.“ Und für Humor: Gerade hat er das erste Mal für den Karneval Köln gearbeitet; für die „Stunksitzung“, die linke Alternative zur Prunksitzung, hat er einige Szenen eingerichtet.

Mitterers Text wird mit Lyrik unterfüttert

Gott, Jesus, Satan und Heiliger Geist sitzen auf der Haidplatz-Bühne nicht am Konferenztisch und sie tragen auch keine Business-Anzüge. Der Regisseur lässt sich anstecken von bayerisch-barocker Bilderlust. Der Himmel, in dem über die Menschheit verhandelt wird, könnte ja ein Dachboden sein, verrät er. Und Maria wohnt – ähnlich wie an Hausfassaden – in einer Nische.

Auch an Felix Mitterers Text geht Schmalöer ran. „Gott hat ein Bild vom Menschen – aber der Mensch hat auch ein Bild von Gott“, sagt er. Dieses Menschenbild findet Ausdruck in Lyrik. Gedichte von Friedrich Hölderlin und Andreas Gryphius werden in das Stück eingeschleust. In Regensburg endet „Krach im Hause Gott“ optimistisch, mit einer Art Bestandsaufnahme, die klar macht: Sooo schlimm ist ja nun auch nicht alles.

Gerhard Herrmann präsidiert auf der Bühne als Gott, Sebastian Winkler, zuletzt in „Die lächerliche Finsternis“ als Gast am Theater Regensburg zu erleben, gibt den Jesus. Franziska Sörensen ist eine schlagfertige Maria, die sich freigestrampelt hat von der Rolle als Magd Gottes, und Gunnar Blume darf als Teufel alle Register ziehen. Der Satan, der sich auf die Seite der Menschen schlägt, klug argumentiert und Gott immer wieder mit den eigenen Bibel-Worten pariert, ist eigentlich die sympathischste Figur im Stück. Als Heiliger Geist ist ein Shootingstar zu erleben: Daniel Gawlowski. Der interessante junge Schauspieler aus Furth i. Wald hat Ende 2015 an den Münchner Kammerspielen eingeschlagen, als geiler Typ in „Das Vorsprechen“.

Lesen Sie hier ein Porträt über Daniel Gawlowski.

Schmalöer ist hin und weg vom Regensburger Ensemble, von der Stadt sowieso – und seine erste Inszenierung auf bayerischem Boden wird wohl eher nicht die letzte bleiben. So Gott will.

„Krach im Hause Gott“ hat am Freitag, 19. Februar, 19.30 Uhr, Premiere im Regensburger Theater am Haidplatz, eine öffentliche Probe findet am Samstag, 13. Februar, 11 Uhr statt; der Eintritt ist frei.

Hier geht’s zur Kultur.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht