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Medien

„Deutschland umarmt seine Weltmeister“

Eine Zeitreise durch 100 Jahre deutsche Geschichte in Schlagzeilen: Eine Tübinger Ausstellung widmet sich den Aufmachern von bunten Blättern.
Von Michael Jacquemain, kna

„Deutschland umarmt seine Weltmeister“ titelte 1954 der Kicker. Möglicherweise wird diese Schlagzeile 60 Jahre danach wieder aktuell. Foto: Sammlung Deutsches Sport & Olympia Museum

Tübingen.„Aufmacher“ heißen sie, anmachen sollen sie. Titelseiten einer Zeitung wollen das Interesse des Betrachters wecken und ihn möglichst zum Kauf des Blattes bewegen. Entsprechend Mühe machen sich Redaktionen, um in Wort und Bild einen möglichst originellen Eye-Catcher zu finden.

Die Ausstellung „Aufmacher. Titelstorys deutscher Zeitschriften“ im Museum der Universität Tübingen will mit ihrer am Samstag beginnenden Ausstellung einen Überblick geben: Rund 100 Mal die Seite eins stehen für die Zeit von Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute. Die von 40 Studenten entwickelte Ausstellung auf Schloss Hohentübingen beginnt beim „Aufbruch in eine moderne Welt“. Sowohl „Das Magazin“ als auch die „Revue des Monats“ zeigen mit Fotomontagen eine junge Frau auf einem Globus. Die Blätter verbinden die aufkommende Reiselust der Deutschen mit der Frauenbewegung, die in dieser Zeit beginnt.

Die WM-Euphorie des Jahres 1954

Bewusst ein völlig anderes Bild von Frauen und Männern zeichnet die „Gleichgeschaltete Ästhetik“ des Nationalsozialismus. Blonde Männer mit markanter Kinnpartie, und bei Frauen wird laut „Beyer’s Modenblatt“ der „jetzt so moderne militärische Einschlag durch den apart verschnürten Kordelverschluss“ erreicht.

Unter der Headline „Wunder“ fasst die Ausstellung dann die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen. So das Bild von Fritz Walter und Jupp Posipal im „Kicker“, darüber der Text „Deutschland umarmt seine Weltmeister“. Die Ausgabe stammt vom 5. Juli 1954 – und könnte fast auf den Tag genau 60 Jahre später wieder so erscheinen. Ebenso für das Wunder steht Altkanzler Ludwig Erhard auf einem „Spiegel“-Titel von 1959: mit dicker Zigarre im Mund und offenbar bester Laune.

Zonen-Gabi isst ihre erste Banane

„Im Rausch der Liebe“ befasst sich dann mit den wilden 60er Jahren. Es geht um Drogen und Sex. „Nein zur Pille“ schreibt der „Spiegel“ und zeigt darunter einen streng schauenden Papst Paul VI. Im „stern“ bekennen Frauen „Wir haben abgetrieben“ und die „Quick“ befasst sich mit der Frage „Hat die Sexwelle unsere Kinder verdorben?“ Thematisiert werden in der Ausstellung auch die aufkommende Umweltbewegung und die Wiedervereinigung. Das Satiremagazin „Titanic“ ist mit dem Bild von „Zonen-Gabi“ vertreten, die freudig und lächelnd auf eine geschälte Gurke schaut: „Meine erste Banane“ heißt die Überschrift.

Wer neben der Schau der bunten Bilder mehr über Entwicklung und Geschichte der Medien wissen will, kann zum Ausstellungskatalog greifen. Dort finden sich neben den Abbildungen der Exponate auch Aufsätze von einem Dutzend Wissenschaftler.

Die Ausstellung im Museum der Universität Tübingen in Schloss Hohentübingen ist vom 13. Juli bis 28. September mittwochs bis sonntags von 10 bis 17, donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Sonntags um 15 Uhr sind Führungen. Ein 250-seitiger Katalog kostet 19,90 Euro.

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