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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Kunst

Die Absurdität der Putzbewegung

Mit eine Rochade von Carl Klein und Sigurd Roscher kommt der Kunstverein GRAZ zu einem neuen Kunstbegriff.
Von Gabriele Mayer, MZ

Ein Roboter produziert Kunst. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der Kunstverein GRAZ erweitert den Kunstbegriff. Das ist nichts Neues, weder bei GRAZ noch allgemein. Aber in Regensburg doch nicht alltäglich – und spaßig. Diesmal geht es um eine Rochade, sagt GRAZ-Vorsitzender und Kurator Albert Plank. Titel „Edgy badgy ding dong“: An drei Wochenenden präsentiert zuerst der Künstler Klein Arbeiten, beim zweiten Termin der Regensburger Graffiti-Maler Sigurd Roscher, und beim dritten zeigen beide zusammen eine Performance.

Olaf Klein (Jahrgang 1978) nennt sich als Konzeptkünstler Carl Klein. Er betreibt einen Bauernhof in der Region, ist Steinmetz und hat an der Kunstakademie in Birmingham studiert. Der erste Teil seiner Zwei-Tage-Ausstellung handelte von ready-mades. Als da waren: Ein aus grauem Blech bestehendes, viereckiges Ding an der Wand, drei kleine Eimer hängen am seinem oberen Rand, im rechten unteren Eck ist der Winkel weit, so dass zur nächsten Ecke eine schräge Rinne verläuft. Das Ding sah skurril aus, die formale Spannung zwischen den Eimer-Rundungen und dem flächig-winkligen Rest war auffällig, außerdem die Metall-Glätte. Dann erzählte Olaf – bzw. Carl – Klein, dieses Ding habe er gebraucht erworben und es sei ein Hendl-Ausbluter. Da „blickte“ es den Betrachter gleich ganz anders an.

Faszination Katzen-Kratzbaum

Weiter hinten weitere ready-mades: Katzen-Kratzbäume. Den Künstler interessieren dabei die Rundum-Geschichten, zum Beispiel der Kauf eines solchen Gegenstandes, der für ihn zunächst keinen Sinn macht. Das alles sieht der Ausstellungsbesucher freilich nicht. Die Kunst Kleins ist zunächst einmal für ihn selber da. Außerdem begeistert er sich für blanke, schöne Ideen der Kunst, wo es auf die Ausführung gar nicht mehr ankommt, sondern die Beschreibung der Idee allein schon wirkt.

Aber ganz so ist es auch wieder nicht. Denn es entstand tatsächlich noch ein Kunstwerk an diesem Abend. In einem teppichgroßen, mit weißer Farbe bestrichenen Quadrat stand ein Staubsauger-Roboter. Er wurde vom Künstler nacheinander mit den Grundfarben Rot, Blau, Gelb bestückt, die das Gerät, während es mechanisch die weiße Fläche saubermachte, in kleinen Rinnsalen verlor, dann wieder darüberfuhr und sie verwischte, und die Spuren weitertrug. Zunächst hätte man das Ergebnis für eine Jackson-Pollock-Imitation halten können, mechanisch gemacht, praktisch. Doch dann drängte sich die Absurditätsdimension, die Sinnlosigkeit, der Unsinn dieser scheinbar aus „Sicht“ des Roboters sinnvollen Putz-Bewegungen auf – aus Sicht des Künstlers natürlich Kunst-Sinn. Ein wenig langweilig ist es allerdings, für den Betrachter länger zuzuschauen. Alles in allem aber witzig und ironisch.

Die weiteren Termine der Ausstellung sind 15., 16., 22., 23, Juli um 20 Uhr bzw. 16-19 Uhr.

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