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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Klassik

Die klangintensive Ringen um Frieden in der Welt

Die Regensburger Kantorei beeindruckte in der Oswaldkirche zusammen mit den Instrumentalisten des Münchner Satori-Ensembles mit zwei Uraufführungen.
Von Gerhard Dietel, MZ

Die Kantorei und das Satori-Ensemble brachten unter Leitung des Komponisten Anton Zapf sein „Da pacem domine“ zu Gehör. Foto: Pavals

Regensburg.Mit Spannung erwarteten die Hörer die beiden geistlichen Werke, welche die Regensburger Kantorei am Samstagabend zusammen mit den Instrumentalisten des Münchner Satori-Ensembles in der Oswaldkirche darbot. Es handelte sich nämlich um Uraufführungen oder wenigstens örtliche Erstaufführungen, wenn auch von Musik, die in anderer Gestalt schon zu erleben war.

Anton Zapfs „Da pacem domine“ hatte die Kantorei bereits am diesjährigen Karfreitag in der ursprünglichen Fassung mit Orgelbegleitung gesungen. Der Komponist ließ sich danach animieren, eine erweiterte Orchesterversion zu schaffen, die er nun selbst dirigierte. Noch suggestiver wirkte jetzt die Bitte um Frieden. Mit einstimmiger Gregorianik der Männerstimmen hob sie an, gefolgt von Vokallinien der Frauen, die sich mit denen der Männer allmählich polyphon verbanden. Dass um Frieden auch gekämpft werden muss, wurde allmählich deutlich: aus der Ruhe heraus, welche die Bläser mit magischen Klangfarben unterstrichen, riefen die Streicher zum Aufbruch. Bewegung kam auch in die Singstimmen, die sich mit unruhig flackernden Melismen anreicherten, bevor, nach einer Klimax mit Blechbläsern und Pauken, die Komposition in lichten Tönen verschwebte.

Ein zugleich unbekanntes wie bekanntes Beethoven-Werk schloss sich an: die drei „Hymnen“, die musikalisch mit der C-Dur-Messe op. 86 identisch sind. Doch konnte Beethoven die Publikation seiner Komposition nur durchsetzen, als er dem am Verkauf der Partitur auch im protestantischen Norden Deutschlands interessierten Verlag zugestand, der Messe einen deutschen Alternativtext des Leipziger Theologen Christian Schreiber zu unterlegen. Diese kaum je beachtete „Hymnen“-Fassung des Werks konnte nun erstmals in Regensburg erklingen, mit Unterstützung des Ordinarius Wolfgang Horn vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität, der das Aufführungsmaterial herstellte und zudem vor dem Konzert eine höchst instruktive Einführung in die Umdichtung anbot.

Unter der umsichtigen Leitung von Roman Emilius erlebten Beethovens „Hymnen“ eine in Instrumental- wie Vokalpart durchweg überzeugende Interpretation, der die Vokalsolisten noch weitere Glanzlichter aufsetzten: Julia Jurgasch (Sopran), Dorothee Rabsch (Alt), Mario Friedrich Eckmüller (Tenor) und Christian Eberl (Bass), deren charakteristisch unterschiedliche Stimmfarben sich dennoch zum homogenen, klangintensiven Quartett fügten. Der Chor kam mit dem ungewohnten, gegenüber den originalen Wiederholungen weit umfangreicheren deutschen Text bestens zurecht.

„Tief im Staub anbeten wir“: Tiefste Devotion ließen die Sängerinnen und Sänger im ursprünglichen Kyrie-Teil vernehmen, gefolgt von einem zum pantheistischen Lobpreis umgebildeten „Gloria“. Natürlich spürte man als Zuhörer, zumal wenn ursprünglich von Kreuzigung und Auferstehung die Rede ist, dass bei allem Geschick Christian Schreibers die Neutextierung nicht immer mit den Wendungen von Beethovens Musik korrespondieren will. Glücklich in Gehalt und Rhythmus trafen sie wieder im „Heilig“ und auch gegen Schluss der Partitur zusammen. Mit dem „Gib uns Frieden“ gewann der Abend zudem den inhaltlichen Bogen zurück zu seinem Beginn. Einer letzten, wie tonlos stammelnden Bitte des Chores folgte verklärtes C-Dur: als wäre der ersehnte Frieden schon eingekehrt.

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