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Kultur
Montag, 20. November 2017 11

Konzert

Die Könige des Rocks bezirzen München

Die Rolling Stones sind noch immer die begehrtesten Live-Rocker der Welt. Warum das so ist, zeigen sie im Olympiastadion.
Von Daniel Pfeifer, MZ

„Servus miteinander Minga“ – so begrüßte Mick Jagger die 70 000 Fans beim Konzert im Olympiastadion. Foto: Pfeifer

München.Da sind sie – die Könige Südenglands, die Fürsten der verzerrten Gitarre, die Großmeister der dreckigsten aller Musiksportarten, des Bluesrock. Die Rolling Stones schlagen in einem Feuerball aus Rock‘n‘Roll im Münchner Olympiastadion ein und alle drehen durch. Es war ein Mammutkonzert am Dienstagabend, selbst für Münchner Verhältnisse. Das Olympiastadion mit 70000 Menschen komplett ausverkauft. Und das innerhalb kürzester Zeit, nachdem die Online-Ticketschalter geöffnet hatten – trotz ordentlich gesalzener Preise. Keiner der Hunderten Security-Angestellten könne sich erinnern, je ein Konzert so hermetisch abgesichert zu haben, hört man. Stundenlang standen Fans vor dem Stadion an den Sicherheitskontrollen. Aber wir sprechen hier nicht von irgendeiner Kirwaband, sondern von den Rolling – fucking – Stones.

Die Rolling Stones lieferten ein Mammutkonzert in München ab. Foto: dpa

Und wer weiß, wie oft die Biggest Band of Rock‘n‘Roll noch unter weiß-blauem Himmel spielt. Das letzte Mal ist mehr als zehn Jahre her. Sollte es für das nächste Mal wieder so lange dauern, gingen die Bandmitglieder auf die 90 zu. Aber sind wir ehrlich: Bis sie den letzten Löffel abgeben, rocken Keith Richards, Mick Jagger, Ron Wood und Charlie Watts weiter. Bis jetzt zeigen sie jedenfalls noch kein Anzeichen der Schwäche. Sie sind immer noch die begehrtesten Live-Rocker der Welt. Man braucht kein Fan zu sein, um zuzugeben: Zurecht!

Jagger wird kein Ehren-Bayer mehr

Die Bühne trieft blutrot, die Lichtkegel tanzen gen Himmel – Mit „Sympathy for the Devil“ fängt alles an, wie schon in Hamburg drei Tage zuvor. „Servus miteinander Minga“, empfängt Mick Jagger mit ausgestreckten Armen die Fans im Olympiastadion. Gut, Ehren-Bayer wird er mit seiner nuscheligen Aussprache nicht mehr. Dabei sollte er es langsam draufhaben. 15 Mal haben sie schon hier gespielt, im Olympiastadion war es das rekordverdächtige neunte Mal, erinnerte sich Jagger. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Das erste Mal ist über ein halbes Jahrhundert her. Damals 1965 noch im Circus Krone.

Gitarrist Keith Richards; Foto: dpa

Seitdem hat sich die Bühnenshow völlig verändert und ist gleichzeitig völlig gleich geblieben. Mick Jagger tanzt immer noch seinen nicht in Worten fassbaren Tanz und sprintet von einer Bühnenecke zur anderen. Nur der Aufbau ist größer geworden. Vier gigantische Videotürme ragen auf der „No Filter“-Europatournee hinter der Band in den Himmel, auf denen die Musiker schwarz-weiß in Großformat und unterlegt mit psychedelischen Animationen über dem Olympiastadion thronen. Zur funkigen 70er-Nummer „Miss you“ starren riesige Neonfiguren auf die Welt herab. Zu „Paint it Black“ greifen finstere Hände über die Videoleinwände, auf denen die Stones wie in einem zerbrochenen Spiegel glitzern. So düster wird es am Dienstagabend, dass der Himmel in sich zusammenbricht und einen Regenschauer über das Olympiastadion gießt. Genau vier Minuten. Dann muss es verdammt nochmal vorbei sein! Die Stones haben schließlich beschlossen, dass es wieder fetziger werden soll, mit „Honky Tonk Woman“.

Die Stones in München

  • Ausverkauftes Stadion

    Rund 70 000 Besucher haben die Rolling Stones im ausverkauften Münchner Olympiastadion gefeiert. „Servus miteinander Minga“, begrüßte Mick Jagger die Fans.

  • Besondere Beziehung zu München

    Zu München habe die Band eine besondere Beziehung, betonte der Frontmann. Tatsächlich produzierten die Rolling Stones hier Teile ihrer Alben „It’s Only Rock ‚n‘ Roll“ (1974) und „Black and Blue“ (1976). Die Band trat bereits 15 Mal in der Landeshauptstadt auf.

Man merkt, die Setlist war ein Traum aller Oldschool-Rocker: Von den 21 Songs, die die Stones in den zweieinhalb Stunden spielten, kamen elf aus den 60ern und sieben aus den 70ern. Viel anders als damals hören sie sich nicht an, außer ein paar knalligeren Bläsern hier und da. Aber einem alten Hund bringt man keine neuen Tricks bei. Immerhin sind die vier Hauptmitglieder zusammengerechnet weit über ein Vierteljahrtausend alt. Man kann sich jetzt darüber auslassen, ob es noch Rock‘n‘Roll ist, wenn eine Rentnerparade in Glitzer-Mänteln auf komfortabel regengeschützter Bühne vor Menschen in den ersten Reihen auf und ab marschieren, die für ihre Tickets so viel ausgegeben haben, wie andere für einen Gebrauchtwagen. Kann man machen, wenn man sehr zynisch ist.

Rebellisch wie eh und je

Oder man staunt darüber, wie rebellisch die alten Rocker noch heute ihre Musik in die Menge rotzen. Traditionell der Einzige, der sich seinem Alter entsprechend verhält, ist Drummer Charlie Watts. Als Elder Statesman sitzt er seelenruhig im adrett gebügelten und sauber zugeknöpften Hemd am Schlagzeug, und kann nur grinsen, wenn Kollege Mick Jagger wieder im erotischen Hüftschwung alle Welt bezirzen will. Er kanns halt immer noch, der alte Teufel.

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