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Kultur
Sonntag, 19. November 2017 3

Doppelausstellung

Die Kraft des detailgenauen Surrealen

Das Regensburger Kunstkabinett zeigt Objekte von Feng Lu und Malerei von Ezequiel Lopez Garcia mit abgründigem Humor
Von Gabriele Mayer, MZ

Böser, abgründiger, auch neckischer und deftiger Humor durchweht die aktuelle Doppelausstellung im Kunstkabinett mit Plastiken und Assemblagen von Feng Lu (links) und der Malerei von Ezequiel Lopez Garcia.
Foto: Kunstkabinett

Regensburg.Böser, abgründiger, auch neckischer und deftiger Humor durchweht die aktuelle Doppelausstellung im Kunstkabinett mit Plastiken und Assemblagen von Feng Lu und der Malerei von Ezequiel Lopez Garcia. Feng Lu, Jahrgang 1979, wuchs in China auf und studierte an diversen deutschen Hochschulen. Einnehmend ist die Differenziertheit, mit der er seinen Gestalten Ausdruck verleiht: poetischer Detailrealismus, sehr genaue Zeichnung von Gesichtern, Mimiken, Gesten und Körperhaltungen bei seinen Fabel- und sonstigen Figuren. Darin liegt die Überzeugungskraft dieser Gebilde aus Epoxidharz. Kontextverschiebungen, Metamorphosen, Bedeutungstransfers sind Feng Lus Metier.

Sein Erfahrungsraum ist weit aufgefächert, und frei und offen für alles Skurrile und leicht Befremdende in Kultur und Gesellschaft, im Menschen und in der Natur, und all diese Phänomene sind in den Objekten des Künstlers unauflöslich miteinander verzahnt.

Beispiel: eine Riesen-Eierschachtel, darin Egg-Heads. Menschliche Köpfe wie Eier, gefangen. Der eine Kopf hat einen gequälten Gesichtsausdruck, der andere blickt sehr skeptisch, der dritte Kopf eher wütend. Kann jeweils ein doppelter hintersinniger Verweis sein: Nicht nur der Mensch, auch Eier sind Individuen, und nicht nur Eier, auch der Mensch wird in Existenz-Schachteln gepackt und kann daraus aus eigener Kraft nicht entkommen, so sehr er auch die Stirn runzelt und sich anstrengt wie die gefangenen Eier-Köpfe. In Gips werden die Objekte zuerst geschnitzt, dann gegossen und schließlich mit Ölfarbe akribisch bemalt.

Nicht zum ersten Mal sind auch die lasierten kleinen Ölmalereien des Spaniers Ezequiel Lopez Garcia in dieser Galerie zu sehen. Die Porträts oder Gruppenszenen erscheinen allein schon farblich leicht schräg, zwischen patiniert und grell. Der in Madrid lebende Künstler ist Jahrgang 1938, und seine Arbeiten überzeugen durch die ausgefeilte Technik, mit der er die Einsamkeit, Langeweile und Arroganz und manchmal auch eine verwegene Geselligkeit ins Bild rückt. Surreal wirken die Bilder, weil die Figuren nicht wissen, wie ihnen geschieht.

Bis 29. Juli, Kunstkabinett, Untere Bachgasse 7, Di-Fr 11-18, Sa 10-14 Uhr

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