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Samstag, 2. Juli 2016 25° 8

Hollywood

Die Oscar-Hoffnung: Patrick Vollrath

Der Regisseur aus dem Harz ist mit seinem Kurzfilm „Alles wird gut“ im Rennen. Die „Titanic“ war sein Schlüsselerlebnis.
Von Barbara Munker, dpa

Patrick Vollrath in Los Angeles neben einer Oscarstatue: Er ist in der Sparte Live-Action-Kurzfilm mit „Alles wird gut“ für einen Oscar nominiert. Foto: dpa

Los Angeles. Patrick Vollrath erinnert sich ganz genau an den „Schlüsselmoment“ seiner Filmkarriere: „Seit Titanic gab es kein Zurück mehr“, erzählt der 31-jährige Regisseur und Drehbuchautor beim Hamburger-Lunch auf dem Hollywood Boulevard, um die Ecke beim Dolby Theatre, wo er am Sonntag einen Oscar gewinnen könnte. Er war zwölfJahre alt, als er am 8. Januar 1998 den Katastrophenfilm von James Cameron in einem Provinzkino im Harz sah. Danach wollte er ins Filmgeschäft. „Es ist lustig, denn mit ’Titanic‘ und Leonardo DiCaprio fing es quasi an und nun sind wir im gleichen Jahr hier, in dem DiCaprio seinen langersehnten Oscar bekommt, damit schließt sich ein kleiner Kreis“, grinst der Niedersachse.

Schwarze Jeans, bunt gestreifte Turnschuhe, Sturmfrisur – wenige Tage vor der großen Gala geht alles noch locker zu. Dabei jagt Vollrath von einem Termin zum nächsten: Empfänge, Interviews, Filmevents. „Das letzte Jahr hat uns dafür geschult. Wir waren in Cannes, es gab mehrere Preise, dann den Studentenoscar, aber das ist jetzt natürlich der absolute Höhepunkt.“

„Wir sind eher Außenseiter.“

Patrick Vollrath

Sein 30-minütiger Film „Alles wird gut“ ist sein Abschlussfilm an der Wiener Filmakademie, wo er unter Oscar-Preisträger Michael Haneke („Liebe“) studierte. Der Film macht betroffen: Ein geschiedener Vater holt seine achtjährige Tochter Lea für ein Wochenende bei der Mutter ab. Nach und nach bekommt Lea das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Der Vater will sie ins Ausland entführen.

Die Oscar-Wahl 2016 ist gelaufen – lesen Sie mehr: hier

Die Oscar-Nominierung (in der Sparte Live-Action-Kurzfilm) habe ihn überrascht, räumt Vollrath ein: „Es ist ein europäischer Film, langsam erzählt, mit Handkamera gedreht.“ Nicht der typische Hollywood-Stil. „Ich zeige, was passieren könnte, ohne es aufzubauschen. Ich filme gerne dokumentarisch und will das auch weiterhin so machen, egal ob die Story nun Batman oder ein Scheidungsdrama ist.“

Oscar-Nominierungen 2016

  • Bester Film:

    „The Revenant – Der Rückkehrer“; „Spotlight“; „The Big Short“; „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“; „Bridge of Spies – Der Unterhändler“; „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“; „Room“; „Mad Max: Fury Road“

  • Beste Regie:

    Tom McCarthy („Spotlight“); Alejandro González Iñárritu („The Revenant – Der Rückkehrer“); George Miller („Mad Max: Fury Road“); Lenny Abrahamson („Room“); Adam McKay („The Big Short“)

  • Beste Hauptdarstellerin:

    Cate Blanchett („Carol“); Brie Larson („Room“); Saoirse Ronan („Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“); Charlotte Rampling („45 Years“), Jennifer Lawrence („Joy – Alles außer gewöhnlich“) Leonardo DiCaprio („The Revenant – Der Rückkehrer“); Michael Fassbender („Steve Jobs“); Eddie Redmayne („The Danish Girl“); Bryan Cranston („Trumbo“); Matt Damon („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“)

  • Beste Nebendarstellerin:

    Jennifer Jason Leigh („The Hateful Eight“); Rooney Mara („Carol“); Rachel McAdams („Spotlight“); Alicia Vikander („The Danish Girl“); Kate Winslet („Steve Jobs“)

  • Bester Nebendarsteller:

    Christian Bale („The Big Short“); Mark Ruffalo („Spotlight“); Mark Rylance („Bridge of Spies – Der Unterhändler“); Sylvester Stallone („Creed – Rocky’s Legacy“); Tom Hardy („The Revenant – Der Rückkehrer“)

  • Bester fremdsprachiger Film („Auslands-Oscar“):

    „Son of Saul“ (Ungarn); „Theeb“ (Jordanien); „War“ (Dänemark); „Mustang“ (Frankreich); „Der Schamane und die Schlange“ (Kolumbien)

Was Oscar-Gold betrifft, so will er „realistisch“ bleiben. „Wir sind eher Außenseiter“, wehrt Vollrath ab. Mit „Alles wird gut“ sind vier weitere Filme nominiert, darunter zwei Kriegsgeschichten. Er sähe sich auf keinen Fall als Verlierer, denn „für uns ist schon die Nominierung ein enormer Gewinn“.

Den Smoking gab es gratis

Und der Countdown zu den Oscars macht einfach auch Spaß. „Wir ziehen mit der Filmcrew in ein Haus in den Hollywood Hills, das ist schon ziemlich cool, in diese Welt hineinzuschnuppern, die man nur aus dem Fernsehen kennt“, freut sich der in Wien lebende Niedersachse. Wer für einen Oscar nominiert ist, findet leicht Sponsoren. Auch den Smoking gab es gratis. Es ist ein Maßanzug eines Hamburger Modelabels. „Die haben einen wahnsinnig schönen Anzug gemacht und haben innen extra den Filmtitel eingestickt. Mein erster Smoking wird eine ewige Erinnerung sein.“

Der deutsche Regisseur Patrick Vollrath in einem Restaurant vor einem Hamburger: Er ist in der Sparte Live-Action-Kurzfilm mit „Alles wird gut“ für einen Oscar nominiert. Foto: dpa

Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Trophäe. Mit oder ohne Goldjunge, Vollrath freut sich auf die Oscar-Nacht. „Wir lassen uns treiben. Wir schauen mal, auf welche Partys man kommt, wo man eingeladen wird, und wir genießen den Moment“, meint der Regisseur.

„In Wien und Deutschland hat man als Filmemacher doch mehr Freiheiten, glaube ich.“

Patrick Vollrath

Und dann geht es erstmal nach Wien zurück. „Ich fühle mich sehr wohl in Europa. In Wien und Deutschland hat man als Filmemacher doch mehr Freiheiten, glaube ich. Ich will jetzt nicht ganz verzweifelt hierher nach Hollywood“, versichert der Oscar-Anwärter.

Sehen Sie hier ein Video zu Filmausstatter Bernhard Heinrich.

Filmausstatter Bernhard Henrich auf dem Weg zu den

Nicht nur Vollrath könnte einen Oscar nach Deutschland holen. Als deutscher Koproduzent von „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ macht sich das Studio Babelsberg Hoffnungen auf einen Sieg des sechsfach nominierten Spielberg-Dramas. Der Berliner Filmdekorateur Bernhard Henrich ist für seine Arbeit an dem Spionagethriller in der Sparte „Production Design“ erstmals für einen Oscar nominiert. Henrich wirkte in seiner langen Karriere an Filmen wie „Monuments Men“. „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ und „Die Bourne Verschwörung“ mit.

Der Link für Kinofans: Ein MZ-Special zu den diesjährigen Oscars finden Sie hier!

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