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Kultur
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Konzert

Dieses Trio wird nie langweilig

Frontm3n – drei Sänger von populären Bands – präsentieren in der Nürnberger LUX Bekanntes in grandioser wie frischer Form.
von Alois C. Braun

Peter Howarth (von links), Pete Lincoln und Mick Wilson Foto: Braun

Nürnberg.Drei Sänger von populären Bands gründen ein Akustiktrio und gehen auf Tour. Das klingt zunächst wenig aufregend, vielleicht sogar langweilig. Was aber Pete Lincoln (The Sweet), Peter Howarth (The Hollies) und Mick Wilson (10cc) mit einfachsten Mitteln an Hingabe und Musikalität in ihr Liveset packen, erzeugt nicht umsonst pure Begeisterung beim Publikum. Vollkommen unaufgeregt, ja lässig, agieren sie in der Nürnberger LUX. Sie wissen um ihr Können.

Die Freude des Trios am Performen und dem Interagieren mit den Zuschauern ist sofort spürbar. Einst haben sie sich in der Band von Sir Cliff Richard kennengelernt. Diesen Umstand nutzen sie für einen Running Gag während der, in zwei Sets aufgeteilten, mehr als zweistündigen Spielzeit. Hitlieferant Richard taucht an diesem Abend in Erzählungen und Songs immer wieder auf und bei jeder Erwähnung des Wortes „Sir“ salutieren die Frontm3n lachend und mit der Hand an der Schläfe.

Es gibt natürlich jede Menge bekannter Hits zu hören. Schnell wird aber klar, hier agiert keine Coverband, sondern Musiker, die das Ausgangsmaterial sinnvoll weiterentwickeln. Lincoln, Howarth und Wilson haben sich ausgiebig mit den ausgewählten Songs beschäftigt und bieten zum Teil unerwartete Versionen, immer wieder gekrönt von perfektem Harmoniegesang. So wird Sweets „Love is like Oxygene“ zu einem lockeren und unglaublich packenden Swing, der offenbart, welch grandiose Komposition dieser Song ist. Immer wieder setzen die Frontm3n aber auch solo Highlights. Bruce Springsteen hätte sicher viel Freude an Howarths nahegehender Version seines Songs „4th of July, Asbury Park (Sandy)“. Ebenso packend „He ain’t heavy, he’s my brother“ – Musik kann so einfach sein. Wilsons Solointerpretation des 10cc-Titels „Donna“ zeigt ebenfalls, dass kein großes Arrangement nötig ist, um solche Perlen an Liedern zum Leuchten zu bringen.

Zurück in seine Vergangenheit bei der Band Sailer geht Pete Lincoln mit „A glass of Champagne“. Gegen Ende des Konzertes ist dann mit „I’m not in love“; dem Megahit von 10cc, der Höhepunkt an Arrangement- und Interpretationskunst erreicht. In dieser reduzierten Fassung kommen vor allem die Vocalarrangements noch mehr zur Geltung und erzeugen Gänsehaut. Bevor man aber zu sehr in Ergriffenheit erstarren kann, folgt mit dem Hollies-Hit „Long cool woman in a black dress“ sogleich ein geradlinig groovender Rocksong, der für Stimmung sorgt. „Dreadlock holiday“ beendet dies erfreulich kurzweilige Konzert, das man in dieser ausgereiften Intensität nicht unbedingt erwarten durfte.

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