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Kultur
Sonntag, 29. Mai 2016 28° 8

Kino

Ein Familienfest mit Integrationsfaktor

Für Regensburg beginnt wieder die Zeit der kurzen Filme. Die Kurzfilmwoche ist nicht nur für OB Wolbergs „unverwechselbar“.
Von Katharina Kellner, MZ

Regensburg.Nein, ein solches Überraschungsmoment wie in den Vorjahren hatte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs am Mittwochabend nicht im Gepäck. Hatte er doch bei der Eröffnungsfeier zur Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg vor zwei Jahren mehr finanzielle Förderung versprochen, falls er zum OB gewählt würde und 2015 für Jubel gesorgt, als er ankündigte, Ostentor-Kino und Kinokneipe blieben erhalten.

Daran gemessen, verlief der Auftakt zu Regensburgs großem Festival der kurzen Filme in diesem Jahr ruhig – aber wie immer herzenswarm, witzig und charmant. Wolbergs sagte, es gäbe viele auswechselbare Kulturveranstaltungen, auch in Regensburg. Die Kurzfilmwoche sei dagegen unverwechselbar. „Ich habe die Kurzfilmwoche als großes Familienfest mit internationaler Ausrichtung erlebt. Da sind junge Leute, die über das Medium Film etwas miteinander machen wollen.“ Dieses sich Auseinandersetzen Wollen ist für ihn wertvoll: „Es ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen nicht übereinander herfallen.“ Mit Blick auf die Situation der Flüchtlinge werde man geerdet, sagte Wolbergs, der gespannt ist auf Filme, die existenzielle Situationen von Menschen aufgreifen.

Festival-Chefin Insa Wiese brach in ihrer Rede eine Lanze für Filmfestivals: „Manche sagen, was berechtigt ein Festival, wenn Kurzfilme auch auf Youtube und Facebook zu sehen sind?“ Es sei die Stärke des Festivals, dass es dem Publikum eine Auswahl präsentiere, denn im Internet stoße man häufig auf Filme, die man gar nicht sehen wolle. In Sonderprogrammen holen Festivals filmische Perlen hervor, die sonst in der Versenkung verschwinden. Außerdem organisieren Festivals auch den Austausch zwischen Publikum und Filmschaffenden. Schöner sei es, mit Freunden ins Kino zu gehen anstatt zu Hause Videos zu gucken.

Integration für einen Hollywoodjünger

Steve Uppendahl, dritter Vorsitzender des Arbeitskreises Film, der die Internationale Kurzfilmwoche ausrichtet, verglich sich in seiner launigen Rede mit Champignons im Supermarkt: „Ich bin dritte Wahl. Der erste Vorsitzende ist verhindert, der zweite Vorsitzende muss fotografieren.“ Die angekündigte Imitation eines Marco Rubio imitierenden Donald Trump blieb er schuldig, doch er machte dem Arbeitskreis Film, dem er vor 35 Jahren beigetreten ist, eine Liebeserklärung: Dort habe er schon damals wahre Willkommenskultur kennengelernt. Es sei ein typischer „Clash of cultures“ gewesen zwischen dem Arbeitskreis – „links, europäisch, alternativ“ und ihm, dem hollywoodgeprägten Amerikaner. Es habe lapidar geheißen: „Wie heißt Du? Setz Dich hin“ – schon war er dabei und erlebte in all den Jahren, wie Regensburg sein Profil als Filmstadt immer weiter ausbaute: „Stummfilmwoche, cinescultura, Afrikawoche, Queerstreifen – der Arbeitskreis Film sei nicht nur Teil der Regensburger Kulturgeschichte, sondern auch Gegenwart und Zukunft. Mit Blick auf das junge Organisationsteam des Festivals sagte Uppendahl augenzwinkernd: „Es ist nicht immer einfach, für alte weiße Männer zu arbeiten.“

In diesem Jahr widmet sich die Kurzfilmwoche schwerpunktmäßig dem Thema Kommunikation. Programmtitel wie „Analoge Menschen in der digitalen Welt“ oder „Ist doch nur Spaß“ versprechen einen hohen Unterhaltungswert. Passend zum Motto „Crossing the Code“ zeigt eine Ausstellung im Kulturzentrum W1 eine interaktive Multimediainstallation von Jürgen Böhm, in der er die Themen Kommunikation, Information, Identität und Überwachung aufgreift. Grundlage für den Künstler ist „dérive 3.0“, ein virtueller Stadtplan von Regensburg.

Einblicke in den syrischen Alltag

Wer nicht nur Filme gucken, sondern selbst drehen möchte, kann am Workshop von Filmemacher Stephan Müller teilnehmen. Er führt in die Stop-Motion-Technik ein und zeigt, wie er einer Stadt mit einfachen Mitteln ein neues, lebendiges Gesicht verleiht .

Hochaktuell ist der diesjährige Länderfokus Syrien. Cutter, Drehbuchautor und Filmjournalist Somar Jbawi aus Damaskus hat ein Programm mit Kurzfilmen syrischer Regisseure zusammengestellt. Die Filme thematisieren das Alltagsleben und zwischenmenschliche Beziehungen vor dem Hintergrund des Krieges.

Auch die Publikumsmagneten fehlen nicht. Zum dritten Mal kommt die Hamburger Künstlergruppe „A Wall is a Screen“ nach Regensburg, um diesmal die Randgebiete in ein neues Licht zu setzen und mit ihrer Kombination aus Filmabend und Stadtführung neue Perspektiven auf die Stadt zu eröffnen. Bei der legendären Zündfunkparty gibt es in diesem Jahr ein Programm mit Tanz- und Partyfilmen und eine Live-Performance von Choreografen des Tanzforums Regensburg und der Tanztheatergruppe „mut“.

In den verschiedenen Wettbewerben gibt es zahlreiche Preise zu gewinnen. Im Internationalen Wettbewerb wird der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis, der Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks vergeben. Die Jury der Jungen entscheidet über den Film, an den der Kurzfilmpreis der Stadt Regensburg (1000 Euro) geht. Der Publikumsliebling wird mit dem Kinokneipen-Preis (333 Euro) ausgezeichnet.

Im Deutschen Wettbewerb vergibt die Jury den BMW-Kurzfilmpreis (1500 Euro) für den besten Kurzfilm und den Max-Bresele-Gedächtnispreis für einen politisch relevanten Film (500 Euro). Für den besten in Bayern produzierten Film wird der Förderpreis des Filmfernsehfonds Bayern (1500 Euro) ausgelobt. Im Regionalfenster gibt es zudem den mittelbayerische.de-Preis der Regionalfenster-Jury (500 Euro).

Junge Cineasten und das Kurzfilmwoche-Team berichten live von der Kurzfilmwoche:

Alles zur Kurzfilmwoche – inklusive interaktivem Programm – finden Sie hier.

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