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Kultur
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Jubiläum der Befreiungshalle

Ein großer Abend für Kelheim

Das Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater München unter der Leitung von Ulrich Nicolai beglückte die Zuhörer mit Beethoven und Brahms.
Von Gerhard Heldt, MZ

Solistin Almuth Siegel ist aus der Münchner Violin-Kaderschmiede von Ana Chumachenko hervorgegangen

Kelheim.Ein symphonisch besetztes Orchester aus künftigen Mitgliedern von Orchestern mit großen Namen ist durchaus in der Lage, Großartiges zu leisten. Das tat das Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater München unter der Leitung von Ulrich Nicolai. Die jungen Musiker kamen im Rahmen der 150-Jahr-Feier der Befreiungshalle mit je einem Standardwerk der Klassik und der Romantik in die ausverkaufte Kelheimer Kirche Maria Himmelfahrt.

Es ist ein Wagnis, ein Konzert mit einem Solokonzert zu beginnen, doch bei Beethovens op. 61 hat der Solist genügend Zeit, sich auf seine Aufgabe einzustimmen. Die junge Almuth Siegel, aus der Münchner Violinkaderschmiede von Ana Chumachenko hervorgegangen und dort an der Hochschule weiter von Ingolf Turban ausgebildet, Mitglied der Orchesterakademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, war als Solistin verpflichtet worden. Sie sieht Beethoven als Romantiker, was diesem Werk durchaus gut ansteht.

Sicheres Gespür für die Tempi

Dem Orchester kommen in diesem symphonisch eingefärbten Violinkonzert mehr als nur begleitende Aufgaben zu: Es legt im ersten und zweiten Satz sozusagen „den roten Teppich“ für die Solistin aus; im dritten ist sie selbst für Tempo und Akzentuierung des tänzerischen Rondo-Themas verantwortlich. Nicolai ist ein sehr erfahrener Orchestererzieher; er weiß die schlüssigen Tempi überzeugend zu vermitteln, lässt die Solistin mit der klanglichen Abmischung des Orchesters dieses stets schwebend leicht übertönen, ohne dass sie je forcieren muss – ein beglückendes Erlebnis. Almuth Siegels Instrument verfügt, von den sonor grundierten Tiefen bis in die höchsten Lagen, über ein warmes Timbre, das sie aber auch in der Mittellage zum Leuchten bringen kann.

Die „Vierte“ von Brahms, e-Moll op. 98, schließt den Kreis der klassischen und romantischen Symphonien und öffnet sich weit neuen Formen wie Klängen. Nicolai hat auch hier sicheres Gespür für die Tempi. Er lässt seine hervorragenden Bläser untereinander und im Zusammenspiel mit den präzise agierenden Streichern, bei denen die vier Kontrabässe nun ein prächtiges Fundament bilden, immer wieder geradezu ekstatisch aufbrausen, leitet sie aber auch in beglückende Phasen innigsten lyrischen Singens. Den zweiten Teil des Kopfsatzes „Allegro non troppo“ bestimmen leidenschaftliche Passagen, die das Orchester mit großer Intensität gestaltete.

Ein musikalischer Höhepunkt

Den Anfang des zweiten Satzes bestimmen die Holzbläser (inklusive Hörner), von den Streicher nahezu unhörbar im Pizzicato sekundiert. Das Hornquartett, kurz solistisch hervortretend, konnte hier ebenso überzeugen wie im Schlusssatz die Flötistin. Der dritte Satz, der die Position des Scherzo einnimmt, will zu Beginn kecke Fröhlichkeit, aber auch eine Spur Trotz – beides kam wunderbar plastisch gezeichnet. Hier spielte der Pauker mit derart harten Schlegeln, dass die klangliche Balance mit bollernder Beigabe beeinträchtigt wurde. Das Chaconne-Thema des vierten Satzes kam wie gemeißelt, und alles Versöhnliche der drei voraufgegangenen Sätze verlor sich, wie beabsichtigt, in der Coda des in hartem e-Moll endenden Finale, die noch einmal die acht Takte des Chaconne-Themas aufnimmt. Ein großer Abend für die Stadt, der musikalische Höhepunkt des Jubiläums.

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