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Kultur
Montag, 25. September 2017 19° 5

Bühne

Ein laufender Blondinenwitz

„Zwei wie Bonnie und Clyde“: Die Sommerkomödie im Turmtheater sorgt mit solider Inszenierung für herzhaftes Gelächter.
Von Michael Scheiner, MZ

Oliver Severin und Bettina Schönenberg als glückloses Gangsterpärchen Foto: Helmut Koch

Regensburg.Wie trist kann doch die Realität sein: Bankräuber, die ihren Raubzug erfolglos abbrechen müssen, weil der Schalterbeamte keine Papiertüte hat, in die er das zu stehlende Papiergeld stecken kann. Anderen geht auf der Flucht das Benzin aus oder sie verheddern sich beim Aufsetzen der mitgebrachten Wollmütze mit Sehschlitzen derart, dass inzwischen die Polizei eingetroffen ist.

All die kleinen Missgeschicke und Katastrophen wären letztlich vermeidbar. Wenn, ja wenn nur ein wasserdichter Plan vorgelegen hätte. Perfekt bis in die letzte Kleinigkeit. Durchdacht eben – und letztlich dann auch ebenso sauber und mustergültig ausgeführt. Nur eines, ein winziges dunkelblondes Detail übersieht Manni immer und immer wieder: seine Freundin Chantal. Das krasse Gegenteil einer kühlen Intelligenzbestie, gelingt es der schnuckeligen Räuberbraut spielend, selbst den perfektesten Plan noch zu durchkreuzen. Wie? Indem sie die falschen Damenstrümpfe kauft – welche, soll hier nicht kolportiert werden –, sich die verkehrte Tasche schnappt oder dafür sorgt, dass sie zu spät am ausgespähten Ort des verbrecherischen Geschehens auftauchen. Da waren bereits Berufskollegen, ein maskiertes Pärchen, vor ihnen erfolgreich zugange und „Zwei wie Bonnie und Clyde“ konnten nur noch in die Röhre gucken. Das heißt, sie mussten schleunigst abhauen. Die Flucht gelingt auch diesmal – obwohl ihnen die Ordnungshüter dicht auf den Fersen sind – und das glücklose Gaunerpärchen findet sich im zufällig entdeckten Lager eines Schuhladens wieder.

Ein entwaffnendes Dummchen

Als dilettierendes Gaunerpaar mischen Bettina Schönenberg und Oliver Severin bei der Sommerkomödie im Turmtheater weder Polizei noch Bankangestellte, sondern das Publikum auf. Mit entwaffnendem Charme – einer Waffe, über die Blondinen erwiesenermaßen in jeder Lebens- und Liebeslage reichhaltig verfügen – gibt die quirlige Regensburgerin ein überaus überzeugendes romantisches Dummchen. Gefährlich, immerhin könnte ein verkappter Goldkettchenträger im Publikum die anmutige Schauspielerin in seine finsteren Pläne einbauen und… – Dann sollte er sich aber vorsehen und auch unbedingt das schicksalhafte Ende des heiteren Stückes vor Augen haben, wenn der verzweifelte Manni vom Polizeilärm umgeben in der Falle sitzt.

Das allerdings ist noch nicht ganz das Ende. Getreu dem Motto „Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln“ können die begeisterten Zuschauer dieser ausverkauften Premiere die komische Posse in ihren Köpfen weiterlaufen lassen und grübeln, ob am Ende nun doch das Böse gesiegt hat. Wer weiß? Diese Moral haben Tom Müller und Sabine Misiorny, die beiden Autoren der luftig-leichten Krimikomödie, offengelassen.

Schmunzeln über Stereotypen

Till Rickelt, mit den Burgfestspielen in Falkenstein erfolgreich, hat die heitere Nummer ganz im Sinne der Erfinder solide inszeniert: spritzig, komisch und unterlegt mit einschlägiger Rockmusik. Wie die beiden, Severin und Schönenberg, dem berühmt-berüchtigten amerikanischen Gangsterpaar Bonnie Parker und Clyde Barrow nacheifern und sich wieder und wieder in selbst gelegten Fallstricken verheddern, löst mehr als einmal herzhaftes Gelächter aus. Und wie bei jeder Komödie mit ihren schmunzelnd ausgebreiteten Klischees und Stereotypen macht es umso mehr Spaß, wenn der Zuschauer schon vor dem Knalltüteneffekt weiß, wo sich der nächste Fallstrick lässig am Boden kringelt. Auf den steuern die Protagonisten so zielsicher wie unbedarft zu – um, wer hätte das gedacht, hineinzutappen. Bei den Kostümen (Oliver Severin) fällt auf, dass Manni auf den Pressefotos, mit denen für das Stück geworben wird, im Unterhemd agiert. Das passt viel besser als das langweilige T-Shirt, das er während der Vorstellung trägt.

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