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Kultur
Donnerstag, 14. Dezember 2017 7

Festival

Ein musikalisches Feuerwerk gezündet

Fantastische Musik, farbig und abwechslungsreich besetzt: Das Ensemble La Ritirata aus Spanien im Regensburger Reichssaal.
Von Claudia Böckel, MZ

Das Ensemble La Ritirata im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses: eine Konzertstunde der Oberklasse Foto: altrofoto.de

Regensburg.Tänze am Hof der spanischen Vizekönige in Neapel im 17. Jh. waren nicht nur zum Zeitvertreib da, sondern hatten zeremoniellen Charakter. Alles war genau festgelegt: wer mit wem tanzte, wer eröffnete, dass die Vizekönigin niemals tanzte. Eine Sammlung solcher Musik erschien um 1650. Komponist war der Italiener und Lautenist Andrea Falconieri, der sowohl in Italien als auch in Spanien gelebt hat und lange Kapellmeister am neapolitanischen Hof war.

Die Gruppe La Ritirata aus Spanien, die sich um ihren Leiter, den Cellisten Josetxu Obregón schart, brachte diese Musik auf höchst farbige Art und Weise zum Klingen. Il Spiritillo Brando heißt ihr Programm und auch ihr Album. Spiritillo das ist nach dem Volksglauben ein himmlisches Wesen, das in den Straßen Neapels versucht, die Fehler der Menschen zu rechtfertigen. Und Brando ist die italienische Bezeichnung für den französischen Renaissancetanz Brando. Und was La Ritirata aus dieser Musik macht, das ist ein wahres Feuerwerk, zu erleben bei den Tagen Alter Musik am Samstag im Regensburger Reichssaal.

Regensburg taucht in die Alte Musik ein

Da erklingen Tänze genauso wie Sonaten oder Diminutionen über bekannte Melodien, Bizzarerien, Ensembles und Solos. Jeder der vorzüglichen jungen Musiker darf mal im Mittelpunkt stehen, auch das Cello, das ja sonst vorwiegend im Generalbass abtaucht. Von Domenico Gabrielli hörte man ein Ricercare, eine der ersten überlieferten Kompositionen für Violoncello solo überhaupt.

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Auch andere komponierende Cellisten, wie G.B. Vitali oder Jacchini hörte man, typische Gitarrenmusik von Kapsberger oder Sanz, Chaconnen, Passacaglien und Folias. Im Zentrum des Programms standen aber doch die meist größer und farbig besetzten Stücke Falconieris. Blockflöte und Violine zeigten sich als tolles Gespann, unterstützt von den Generalbassinstrumenten und dem Perkussionisten David Mayoral, der mal zurückhaltend, mal hervortretend Akzente setzte.

Das Ensemble La Ritirata im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses: eine Konzertstunde der Oberklasse Foto: altrofoto.de

Das Konzert war dramaturgisch sehr klug inszeniert. Die Zupfinstrumente sorgten oft für die nahtlosen Übergänge zwischen den einzelnen Werken, die Blöcke waren abwechslungsreich kombiniert. Gegen Ende verdichtete sich alles, da rockte man mit Gaspar Sanz’ Canario schon mal den Reichssaal, bis mit Falconieris Battaglia das Konzert martialisch zu Ende ging.

Fantastische Musik, ein fast im Hintergrund agierender Leiter, ein stützender Generalbass, farbig und abwechslungsreich besetzt: eine äußerst kurzweilige Konzertstunde der Oberklasse.

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