mz_logo

Kultur
Samstag, 22. Juli 2017 30° 2

Raritäten

Ein nachhaltiges Musik-Erlebnis

Der um akademische Kollegen verstärkte Regensburger Universitätschor führte selten gespielte Werke von Brahms und Frank auf.
Von Gerhard Dietel, MZ

Alles – und alle – im Griff: der Leiter des Regensburger Universitätschors Roman Emilius Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Eine immense Anzahl von Musizierenden hat sich auf dem Podium des Regensburger Audimax versammelt, um zwei wegen des Besetzungsaufwands selten bis nie aufgeführte Werke geistlicher Musik zu präsentieren: das zum Ende des Zweiten Weltkriegs entstandene „In terra pax“ des Schweizers Frank Martin und die erst unlängst dem Archivschlaf entrissene Vertonung des 94. Psalms durch den mit Brahms befreundeten Heinrich von Herzogenberg.

Den Orchesterpart gestaltet mit beherztem Spiel die Vogtland Philharmonie, während sich der Regensburger Universitätschor und der Akademische Chor Erlangen zusammengetan haben, um die teilweise doppelchörig angelegten Partituren zu realisieren. Gegen diese Massen an Instrumenten- und Chorklang haben es die allesamt höchst engagiert auftretenden Gesangssolisten nicht immer leicht, ihre Botschaften vorzutragen: Lydia Zborschil (Sopran), Carmen Mammoder (Alt), Martin Nyvall (Tenor), Markus Simon (Bariton) und Falko Hönisch (Bass).

Hochdruck wechselt zu Zartheit

Alle Ausführenden tragen gleichermaßen dazu bei, dass der Abend zum nachhaltigen Erlebnis wird. Für die Koordination der Kräfte sorgt zunächst, in Herzogenbergs Psalmvertonung, Roman Emilius, der mit und ausladender Zeichengebung die Impulse setzt, damit sich die ganze niederschmetternde Wucht des Werkanfangs entfaltet.

Pathetisch und pastos ertönt die Orchestereinleitung, bevor der Chor mit seinem „Herr Gott, des die Rache ist, erscheine!“ eingreift und sich in der Folge überaus wendig zeigt: mit plakativ herausgestellten Motiven, doch auch in vielstimmiger Polyphonie und in erregtem Dialog mit dem Bass-Solisten und schließlich auch, nachdem so viel musikalischer Hochdruck geherrscht hat, in der Mitte des Werks, mit einem ganz zart und klangschön intonierten „Aber der Herr weiß“.

Beschwörung des Weltuntergangs

Die historischen Vorbilder von Herzogenbergs ambitionierter, in eine krönende Tripelfuge mündender Psalmvertonung sind mit Händen zu greifen: die Bachschen Passionen und die Händelschen Oratorien klingen an, doch auch das „Deutsche Requiem“ von Brahms und die geistliche Chormusik Mendelssohns. Frank Martins „In terra pax“ nach vom Komponisten selbst zusammengestellten Bibeltexten zeigt im Vergleich die eigenständigere, eigenwilligere Handschrift.

Hier übernimmt nun Konrad Klek, ruhiger, doch ebenso effizient wie zuvor Roman Emilius dirigierend, die Leitung. Das Orchester, das mit dunklen Bläserklängen eröffnet, darf hier immer wieder illustrative Details beisteuern, während der Bariton-Solist Weltuntergangs-Visionen aus der Offenbarung Johannis beschwört.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht